Zwischen Gott und Teufel, Kind und Mann: Die Jugendzeit in einem katholischen Jungeninternat am Niederrhein in den 70er Jahren - erfrischend unkonventionelles Lesevergnügen
Jeder kennt sie aus seiner Jugend: die tollen Internatsromane, Jungs-und Mädchenbanden, die die Erzieher und Lehrer immer geschickt austricksen, Streiche spielen(der unnachahmliche Reiz des Verbotenen) und Spaß zusammen haben, Freundschaft und erste Liebe. Anrührende Erinnerung an das leidenschaftliche, wilde, geheimnisvolle Teenieleben. Hier nun: Die Internatsgeschichte für Erwachsene. Marko ist 15 und besucht ein katholisches Jungeninternat am Niederrhein. Er führt mit seiner Clique eigentlich ein richtig schönes Leben, schließlich kennt man ja alle sich bietenden Tricks und Schlupflöcher, eigentlich, weil es da zwei Mysterien gibt, die einer näheren Betrachtung und idealerweise sogar Beantwortung harren:
-Die eine Frage, klar, die Theodizee(gibt es einen Gott, bzw. einen Sinn für dieses irdische Dasein, Gerechtigkeit?), der es wohl auch schwer ist, sich auf einem katholischen Internat zu entziehen, gerade, wenn man sich, wie Marko, gern mit anspruchsvoller Literatur neben den Fußballspielen und dem heimlichen Rauchen vergnügt.
-Die andere Frage gilt dem vielleicht noch viel Unerreichbarerem: Dem weiblichen Geschlechte. Aber wie soll man da rankommen, gerade auf einem katholischen Internat?
Während Marko im Rahmen der Beantwortung der Theodizee interessante, vertrauensvolle Gespräche mit Bruder Gregor führt und zum Zwecke der Annäherung an das weibliche Geschlecht so allerhand ausheckt oder sich seinen Träumen hingibt, lassen sich seine Eltern scheiden und es tritt ein unerwarteter Todesfall ein. Klar, neue Probleme, die in das sehnsuchtsvolle, leidenschaftliche, nachdenkliche Leben von Marko wie eine Bombe einschlagen, aber Marko bleibt mit Charme am Ball.
Extrem scharfsinniger Roman mit guter Beobachtungsgabe für noch so kleine, alltägliche Details, denen sich Marko liebevoll und mit viel Phantasie annimmt. Das eigentliche Bubenstück dieses Romans ist es jedoch, mit dieser Internatsgeschichte flüssig und glaubwürdig, ohne kompliziert zu sein, große Philosophie, ausgehend von bedeutenden Werken bildender Literatur, spielerisch verwoben zu haben.
Ein schönes Buch, das zu lesen es sich wirklich lohnt!
SUPER!