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Kundenrezensionen

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am 18. September 2008
Auf den ersten Blick klingt es kaum glaublich. Der Münchner Ökologieprofessor Josef H. Reichholf behauptet doch tatsächlich: Unsere Urmütter und -väter "erfanden" die Landwirtschaft nicht etwa, weil sie Hunger auf Brot statt Fleisch hatten (so wurde es uns bisher vermittelt), sondern Lust auf das erste alkoholische Getränk der Weltgeschichte. Und sie errichteten die ersten festen Gebäude nicht, um sich im Dorf Nr. 1 rund um einen starken Herrscher zu scharen. Stattdessen bauten sie Tempel (wissenschaftlich korrekt: Kultstätten). Riesige, mit erstaunlich genauen Tierreliefs geschmückte wie Göbekli Tepe in Ostanatolien oder - was Reinhholf nicht anführt - erstaunliche Rundbauten wie Stonehenge in England. Um zu feiern. Und dazu brauchten sie Bier.

"Warum die Menschen sesshaft wurden" ist eine verblüffende, interessante und - teilweise - sogar amüsante Zusammenstellung über das aktuelle Wissen, dass die Frühzeitforscher zur Zeit besitzen. Und da liest sich vieles ganz anders, sehr viel einleuchtender als das, was wir in der Schule lernten. Zum Beispiel, dass nicht Mangel, sondern Überfluss die Menschen zu den ersten Herden und von ihnen zur Landwirtschaft führte; dass es Einhörner tatsächlich gab und (noch) gibt; dass der Mensch "von Natur aus" ein Marathonläufer ist; warum wir immer noch Ostern feiern und weshalb der gemeinsam zu verzehrende Festtagsbraten erfunden wurde.

Die Frage, warum die Menschen sich überhaupt in Dörfer und später in Städten zusammenballten, gerät dabei in den Hintergrund, aber sie ist ja auch nicht so wichtig. Viel spannender sind Reichholfs Erklärungen über den Weg, der uns vom Obst essenden Baumkletterer zum (erst einmal wohl) von Aas lebenden und dann selbst jagenden Savannenläufer führte, dann zum Bier trinkenden Genießer von Lammrücken und Rinderkoteletts machte.

Fazit: Wer bereit ist, ein so vielseitiges Sachbuch wie dieses nicht nur zu überfliegen, sondern sich auch über schwieriger zu verstehende und zum intensiven Nachdenken auffordernde Seiten hinwegzukämpfen, hat mit "Warum die Menschen sesshaft wurden" eine Fundgrube aktuellen, spannenden und interessanten Wissens entdeckt. Für sich selbst und um jede langweilige Party zu einem Hotspot von aufgeregten Pro- und Contra-Diskussionen zu machen. Zum Beispiel über die Frage, ob wir dank unserer Affenahnen eigentlich Vegetarier sind oder ob uns die evolutionär ererbten Gene eher auf "Fleischfresser" trimmen.
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am 29. September 2008
Das Thema wird auf den letzten hundert Seiten von 300 Seiten behandelt. Davor gibt es eine Nacherzählung der älteren Steinzeit mit einigen Ungenauigkeiten. Die Neandertaler sind nicht etwa 10 000 v. Chr. am Ende der letzten Eiszeit ausgestorben sondern gesichert etwa 28 000 v. Chr.

Das Buch reiht eine Behauptung an die andere. Argumente sind spärlich und abweichende Meinungen werden ziemlich brüsk als Unsinn dargestellt.

Es ist eine bedenkenswerte Vorstellung, daß neue Erfindungen nicht aus der Not geboren, sondern im Überfluß und Muße entstanden sind.

Bei der Beschreibung der Kultivierung von Pflanzen, wird einfach behauptet, in Afrika hätte so etwas nicht stattgefunden. In allen anderen Büchern, die er anführt wird aber berichtet, daß dort Hirse,Yam und afrikanischer Reis kultiviert wurde ( ca. 8000 - 6000 v. Chr.).

Das Thema ist interessant und es gibt auch interessante Einzelheiten, die in dem Buch angesprochen werden, aber im Allgemeinen ist mir die Darstellung zu fehlerhaft und die Idee, daß der Ackerbau von den Altaivölkern in alle Welt getragen wurde, ist nicht nachzuvollziehen. Daß die Menschen, Korn anbauten, um Rauschmittel zu erhalten, mag ein zum Teil zutreffen, kann aber nicht die Sesshaftigkeit erklären.
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am 3. Oktober 2008
Warum lebten unsere Vorväter und -mütter hunderttausend Jahre als Nomaden und wurden vor etwa zehntausend Jahren plötzlich sesshaft, und das nahezu überall auf der Welt? Waren sie müde? Gab es kein Wild mehr? Josef Reichholf schöpft aus dem Vollen seines reichen Hintergrundwissens und setzt sich zum Ziel, plausible Gründe für die Entwicklung des Ackerbaus und für die Sesshaftigkeit zu geben. Das ist ihm gelungen. Die nüchterne Analyse führt zu rauschenden Gelagen.

* Plausible Gründe *
Die Ursache darin, dass der Mensch sesshaft wurde und mit dem Ackerbau begann, lag im Überschuss; nicht in einer Not. In der Not hätten auch die wenigen Körner wilder Gerste die Menschen nicht ernährt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es in den Gegenden, in denen der Mensch sesshaft wurde, genügend Wild gab. So viel, dass man von einem erlegten Großwild eine ganze Sippe ernähren konnte. Dies musste gefeiert werden, das Essen diente auch der Zusammengehörigkeit und der Kommunikation. Es ist anzunehmen, dass zumindest den Schamanen bekannt war, dass manche vergärte Beeren und Körner von Wildgräsern eine berauschende Wirkung haben. Gerste wurde als Kulturpflanze Jahrtausende vor dem Ackerbau nachgewiesen. Die ersten Darstellungen zeigen Getreide in Zusammenhang mit Getränken, nicht mit Brot. Es spricht vieles dafür, dass die ersten "Immobilien" nicht Häuser, sondern Kultstätten waren. Bewusstseinsverändernde Drogen sind mit Kultstätten und Kulthandlungen weltweit und bis heute verbunden (der Autor, der aus dem katholischen Bayern stammt, denkt natürlich auch sofort an Weihrauch). Durch den Anbau von Getreide für berauschende Getränke war es möglich, Getreidebrei als Ausgangsstoff für größere Mengen an Getränken herzustellen. Einen Überschuss dieses Breies dann bei Gelegenheit (oder durch Zufall) zu backen, ist wohl kein großer Schritt mehr gewesen.

Der Ackerbauer hat sich letztlich gegenüber dem Jäger durchgesetzt, da pro Fläche sehr viel mehr Menschen ernährt werden können. Pro Kilogramm Fleisch wird nämlich mehr als das zehnfache an Nahrung und Energie verbraucht als pro Kilogramm Getreide. Von Nahrung in Form von Getreide könnten auch heute alle Menschen, und noch etliche Milliarden mehr, leben. Die Rückseite der Erfolgsstory ist allerdings, dass die frühen Ackerbauern Abhängige gewesen sein dürften, welche die Felder auf Auftrag hin bestellten. Sie waren wohl Arbeitskräfte, die sklavengleich das zu erzeugen hatten, was die Herrscher- und Priesterkaste beanspruchte, nämlich Getreide für berauschende Getränke.

* Manche Details sind spekulativ, insgesamt aber ist die Idee stimmig *
Insgesamt ergibt sich ein plausibles Bild. Allerdings sind einzelne Teilargumentationen bislang nicht belegt, lassen sich nicht belegen oder mögen angreifbar sein (Josef Reichholf ist bekannt dafür, dass er dazu auffordert, ihn auf Widersprüche oder Verbesserungen hinzuweisen). Nicht halten lässt sich meiner Ansicht nach beispielsweise der Aspekt, dass das Entstehen von Sprache in die Zeit direkt vor der Sesshaftigkeit falle. Zwar ist es einleuchtend, wenn er argumentiert, dass die Sprache die Vorbedingung darstelle für die Praktizierung des Transzendenten durch die Schamanen. Dies muss aber nicht heißen, dass die Sprachfähigkeit erst vor wenigen zehntausend Jahren entstanden ist. Der von ihm erwähnte genetische Stammbaum, nach dem das Entstehen von Sprache auf etwa 30.000 Jahre datiert wurde, scheint überholt zu sein. Wie Ruth Berger in "Warum der Mensch spricht" darlegt, gibt es gute Gründe anzunehmen, dass unsere Vorfahren bereits vor fast zwei Millionen Jahre begannen, Sprache zu entwickeln.

* Ein ideenreiches Buch *
Der Steinzeitjäger steckt noch heute in uns. Wir feiern gemeinsame Feste, bei denen das Trinken wichtiger ist, als das Essen. "Wo sich die Gruppe von dem Kundigen (Schamanen, Medizinmännern, Priestern, Weisen Frauen, Hexen etc.) wohl dosiertem Drogengenuss hingeben kann, entsteht ein heiliger Ort", sagt der in München lehrende Professor. Das Münchner Oktoberfest kann er nicht gemeint haben. Dort servieren weder Schamanen noch Hexen die Maß Bier, sondern Kellner und Kellnerinnen, und der Biergenuss ist oft *nicht* wohl dosiert. Trotzdem, irgendwie scheint von solchen Festen eine merkwürdige Faszination auszugehen. Dieses ideenreiche Buch könnte eine Erklärung geben.
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am 23. Februar 2009
Wer eine plausible Antwort erwartet auf die Frage "Warum die Menschen sesshaft wurden" bekommt sie in diesem Buch nicht. Wer sich bereits näher mit Urgeschichte beschäftigt hat, wird Reichholfs Buch oberflächlich, fragwürdig und vielleicht sogar überflüssig finden. Die 300 Seiten drehen sich um zwei "originelle", in Reichholfs Sicht wohl revolutionäre Thesen: 1) Die Menschen nutzten Getreide zuerst nicht, um Brot zu backen, sondern um Bier zu brauen. 2) Landwirtschaft, und somit Sesshaftigkeit, entstand nicht aus einem durch einen Klimawechsel bedingten Mangel an jagdbaren Wild heraus ( so die gängige Theorie), sondern vielmehr aus einem Überfluss heraus. Als Beispiel nennt Reichholf unter anderm die elektronische Revolution vor einigen Jahrzehnten, die auch nicht aus Not entstanden sei.
Letztlich dreht sich laut Reichholf, so wie sich das Buch darstellt, alles um Drogen, um erstrebenswerte Rauschzustände, um deretwillen die Menschen bestimmte Pflanzen kultivierten. Diese Theorie stellt er aber nicht unbedingt stringent dar, sondern er hüpft, manchmal schwer nachvollziehbar, von einem Thema zum anderen. Schlagende Beweise für seine Theorien bleibt er schuldig, auch wenn Backen und Brauen sicher von Anfang an zusammen gehörten. Das meiste jedoch ist Spekulation und Reichholf weiß selber, dass sein Buch angreifbar ist. Denn darauf und auf mögliche Kritik verwendet er am Schluss etliche Seiten. Den Vogel schießt er ab, als er einen Wikipedia-Artikel zum Thema Mais zitiert und meint, der helfe nicht weiter. Entschuldigung, aber einen Wissenschaftler, der's nötig hat, auf Wikipedia zurückzugreifen, kann ich nicht ganz ernst nehmen. Reichholf mag als Evolutionsbiologe seine Verdienste haben, das kann ich nicht beurteilen, aber ein Experte für die neolithische Revolution ist er auf gar keinen Fall. Das ist in etwa so, als würde man mit einem gebrochenen Bein zum Zahnarzt gehen. Da kann ich nur sagen: Evolutionsbiologe, bleib bei deinen Knochen.
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am 12. Oktober 2008
Ich schreibe diese Rezension als Fachfremder, für den der Autor sehr anschaulich und gut verständlich, ohne sich im wissenschaftlichen Klein-Klein zu verheddern, erklärt, wie der homo sapiens entstand und weshalb er heute nicht mehr als Jäger und Sammler durch die Lande zieht. Dabei ist der Inhalt umfangreicher, als der Titel zunächst vermuten lässt, weil auch die Entwicklung vom homo erectus und neandertalensis zum homo sapiens beschrieben wird. Sicher wird mancher Naturwissenchaftler die ein oder andere begriffliche Unsauberkeit entdecken oder seine eigene Mindermeinung vermissen - für mich eine Stärke: denn der rote Faden bleibt stets sichtbar und die plakative Darstellung gewürzt mit spitzbübischem Humor verankert die Grundaussagen im Gedächtnis. Der Autor, ein Universitätsprofessor, erweist sich daher als echter Gelehrter, weil er sein Wissen gut verständlich und sprachlich ansprechend auch für interessierte Laien darzulegen vermag! Die 300 Seiten waren schneller gelesen, als ich es mir gewünscht hätte. Es war mein erstes Buch dieses Autors.
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am 24. Februar 2011
der grundgedanke, nicht der bedarf an brot sondern der an bier wäre der motor für die sesshaftigkeit der menschen geworden, hat schon was. und davon am buchrücken zu lesen macht wirklich lust darauf, sich die thesen und modelle des autors anzuschauen.

leider muss man sich dafür erst durch 200 seiten "die frühen menschen sind aufrecht gegangen weil... menschen unterscheiden sich von affen, weil...übrigens: das einhorn gab es wirklich!" und andere themen durchkämpfen, die nicht nur auf den ersten blick wenig mit der eigentlichen frage zu tun haben. die sache mit dem bier wird dann auf 100 seiten relativ schnell und logisch nicht immer nachvollziehbar abgehandelt - fast möchte man sagen lieblos.

generell ist der schreibstil oft sprunghaft: woher der autor seine argumente nimmt, ist nicht immer logisch nachvollziehbar, manche sätze bleiben auch nach mehrmaligem lesen im dunkeln. worte wie "eigenartig" und "seltsam" , um z.b. spezies oder sachverhalte zu beschreiben, sagen überhaupt nichts aus und sollten in wissenschaftlicher literatur nichts zu suchen haben, nicht einmal in populärwissenschaftlicher.

darüber hinaus habe ich meinen vorrezensentInnen bereits beim lesen ihrer bewertungen seufzend zugestimmt:
- jared diamond als falsch hinzustellen und dabei teile von dessen argumentation einfach zu ignorieren... why?
- wikipedia zu zitieren ... dass das gar nicht geht, weil diese artikel sich letztlich jeder selbst schreiben kann, lernt man im ersten semester an sicher jeder uni.
- wikipedia zu zitieren, nur um zu beweisen, dass der text dort einem nicht weiterhilft... so what?

zwei sterne trotzdem, weil doch einige interessante gedanken in dem buch waren und weil die ersten 200 seiten (ja, die, in denen es noch nicht wirklich um getreide und bier ging) für ein wissenschaftsbuch recht flüssig zu lesen waren und fundiert wirken.
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am 12. März 2010
Ich habe mir dieses Buch in der Hoffnung gekauft, spannendes zum Thema Sesshaftigkeit zu erfahren aber leider ist der Ausdruck machmal so schlecht, dass Sätze ihre Logik verlieren. Auch der strukturelle Aufbau lässt zu wünschen übrig. Es gibt viele Wiederholungen und Gedankensprünge. Schade, ich hätte das Buch gern bis zum Ende gelesen, hab mich aber so über die schlechten Formulierungen aufgeregt, dass ich es weggelegt habe!
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am 29. Januar 2009
Nach der bisher weit verbreiteten Erklärung sind die Menschen sesshaft geworden, weil das Wild knapp wurde, das sie bisher als Nahrungsgrundlage hatten, als sich gegen Ende der letzten Eiszeit das Klima veränderte. Um nicht zu verhungern, mussten sich die Menschen eine neue Nahrungsquelle suchen. Diese Quelle, so die herkömmlichen Erklärungen, hätten sie in den Samen der Gräser gefunden, die der Mensch dann im Laufe der Jahrtausende zu Getreidesorten züchtete.

Der Münchner Ökologieprofessor Reichholf zeigt in diesem gut lesbaren und instruktiven Buch, dass an dieser Theorie so einiges nicht stimmen kann. Wieso, fragt er beispielsweise, soll gerade dort, wo der Ackerbau erfunden wurde, plötzlich das Wild knapp geworden sein, während die Menschen in anderen Teilen der bereits besiedelten Welt weiter als Jäger und Sammler leben konnten? Warum etwa, so fragt er weiter, wurde der Ackerbau in Südamerika Jahrtausende später erfunden, und dann noch mit ganz anderen Pflanzen und ohne die Züchtung von Haustieren ? Und warum haben die Ureinwohner Australiens gar keine Landwirtschaft entwickelt ?

Reichholf lässt die übliche Erklärung der Sesshaftwerdung des Menschen, wenn überhaupt, nur für den Vorderen Orient zu, hält es aber nicht für wirklich überzeugend, für diese Region der Erde einen Sonderweg in der Entwicklung anzunehmen, denn sie ist von Rest Eurasiens niemals isoliert gewesen.

Seine Theorie ist eine ganz andere, und geht davon aus, dass es nicht die Not war, die den frühen Menschen erfinderisch machte, sondern der Überfluss. Es war, so Reichholf nicht der Hunger, der den Menschen aus dem Wald in die Savanne getrieben hat, sondern es waren die vielen neuen Möglichkeiten, die sich dort boten, die ihn geradezu gelockt haben.
Und auch der Steinzeitmensch ist nicht aus der Not zum Bauern geworden. Es gab Wild zum Jagen genug, und Nüsse, Beeren und Vogeleier ergänzten seinen Speiseplan. Da brauchte es keine zusätzlichen Getreidezüchtungen zur Ergänzung. Warum also ist es dennoch dazu gekommen ?

Reichholf hält eine überraschende Erklärung bereit: der frühe Mensch hat das Getreide zunächst einmal für das Brauen von Bier gebraucht. Er kann seine Theorie vom Bier als der Triebfeder der Getreidekultur nicht wirklich beweisen, führt aber eine Unzahl von Indizien an, die zeigen , dass in allen Kulturen mit Drogen und Rauschmitteln experimentiert worden ist.

Das Getreide und auch das Bier mussten in Tonfässern und -töpfen sicher aufbewahrt werden, was die Beweglichkeit der Jäger und Sammler deutlich eingeschränkt hat und langsam zur Sesshaftwerdung geführt hat.

Die Lektüre dieses Buches setzt dem Leser viele Lichter auf und sie ist amüsant. Bemerkenswert fand ich insbesondere, dass im Unterschied zur Evolutionstheorie, aus der man ja den Druck kennt, immer schneller etc. zu sein um überleben zu können, der Autor die Bedeutung von Wohlergehen und Überfluss betont. Denn so sagt er, nur wer diese Zeit der Muße hat, kann etwa ein Tier zähmen oder entdecken, wie man Ton brennt oder sich Gedanken machen über Gott und die Welt.

Am Anfang war das Bier - eine interessante und amüsante Vorstellung.
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am 11. Juli 2010
Um es vorauszuschicken - es gibt besser geschriebene Bücher. Wie von anderen Rezensenten schon angemerkt, ist der Stil manchmal holprig, redundant und sprunghaft. Darüber hinwegzulesen dürfte jedem leichtfallen, der oder die wie ich ein Interesse an der Materie mitbringt und sich von den Inhalten mitreißen lässt.
Was den Stil angeht - hier wäre der Verlag gefragt gewesen, und es mag mir nicht recht einleuchten, warum der Fischer-Verlag auf ein sorgfältiges Lektorat verzichtet hat.

Auch der Titel scheint mir nicht glücklich gewählt. "Warum der Fortschritt aus der Fülle kommt" wäre vermutlich treffender, denn darum geht es immer wieder und durch die verschiedensten Phasen der Menschheitsentwicklung hindurch. Dass Reichholf am Ende beim Bier ankommt, erscheint fast nebensächlich.

Ob seine Quellen mit Sorgfalt ausgewählt sind, vermag ich nicht einzuschätzen. Er selbst weist immer wieder darauf hin, dass sein Grundgedanke - nicht Mangel, sondern Überfluss habe die Entwicklung der Menschen vorangebracht - nicht von der Gültigkeit einzelner Thesen abhängig ist. Ich teile diese Ansicht und fühle mich von dem Buch bereichert.
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am 3. Juni 2012
Leider etwas zu "sprunghaft" d.h. "Auf diesen Aspekt gehe ich später noch ein".
Viel zuviel Theorie und zum Teil widersprüchliche Aussagen, habe das Buch -nach dem lesen eines Drittel- zum Flohmarkt gegeben.
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