Es gibt eine ganze Reihe christlicher Bücher, die versuchen, den Glauben mit den modernen Anfragen an ihn ins Gespräch zu bringen. In der Regel teilen sich diese Bücher recht säuberlich auf in solche, die entweder zentrale Inhalte des Glaubens zu Gunsten einer Anpassung an den "modernen Menschen" weichspülen oder die verbissen und fast sektiererisch für die Wahrheit des Glaubens kämpfen.
Timothy Keller, dem Pastor einer amerikanischen Megachurch, gelingt es auf ganz ausgezeichnete Weise, sich ernsthaft in einen Dialog mit den kritischen Anfragen an den Glauben zu begeben, ohne jeweils in eins der beiden Muster zu verfallen. Keller nimmt seine modernen Gesprächspartner sehr ernst und ist sich gleichzeitig der menschlichen Schwäche innerhalb der Christenheit und der Kirche bewusst. Seine Argumente für den Glauben atmen also weder den Geist der Überheblichkeit, noch des kirchlichen Triumphalismus. Sie sind in einem ersten Teil darauf aus, Inkonistenzen in der modernen Weltanschauung aufzuzeigen und einem zweiten ausführlicheren Teil, Gründe aus dem Glauben selbst zu erheben.
Kellers zentrale These: Wir kommen ohne einen Glauben nicht aus. Auch der konsequenteste Szientismus beruht auf einer Grundannahme, die sich nicht beweisen lässt, sondern die den Charakter eines Glaubens hat. Es gehe also nicht darum, die Welt in Gläubige und Ungläubige einzuteilen, sondern über die Grundlagen des jeweiligen Glaubens zu diskutieren. Dabei fordert Keller von beiden Seiten gegenseitigen Respekt ein. Dabei geht der philosophisch geschulte Keller auch auf neuere Erkenntnisse der neutestamentlichen Wissenschaft ein.
Ich habe dieses Buch von Keller persönlich mit sehr viel Freude gelesen. Als Christ musste ich von ihm nicht überzeugt werden, wurde aber durch viele seiner Argumente bestärkt. Mich hat beeindruckt, wie sein Ton von einem Respekt seinen Gesprächspartnern gegenüber geprägt ist. Fasziniert hat mich ebenso, dass sein Argument nicht auf die üblichen Klischees wie "Glaube oder Chaos" abzielt. Kellers Hintergrund ist refomiert-evangelikal in einem sehr aufgeschlossenen Sinn. Sein Horizont ist aber weit geöffnet, sowohl was die Ökumene als auch die Auseinandersetzung mit modernen Weltanschauungen angeht.
Es ist schade, wenn gerade evangelikale Theologen sich muffig, kleingeistig und engstirnig äußern. Dass es von dieser Art Äußerung sehr viele, wenigstens wahrnehmbare, gegeben hat, hat zu dem desolaten öffentlichen Ansehen der Evangelikalen beigetragen. Umso wichtiger ist es, dass mit diesem Buch von Timothy Keller eine ganz andere Stimme aus diesem Lager zu hören ist. Daher ist dem Verlag besonders für die Übersetzung ins Deutsche zu danken.