'(Das Enzym) heftet einen Phosphat-Rest an das sechste Kohlenstoffatom im Glukose-Molekül und zählt deshalb zur Gruppe der Hexokinasen (...) Es weist eine besonders geringe Affinität zu seinem Substrat, der Glukose, auf. Seine halbmaximale Sättihgung liegt bei 10 hoch minus zwei M Glukose (Michaelis-Konstante = kM-Wert 10 hoch minus zwei M): Damit ist es im Gegensatz zu anderen Hexokinasen, die bei 10-4M Glucose (sic) bereits substratgesättigt sind und somit das Maximum ihrer Aktivität erreicht haben, im physiologischen, d.h. unteren 10 hoch minus 3 molaren Bereich noch steigerungsfähig (...)'
Na? Mitbekommen, worum es hier geht - und verstanden, was der Autor uns mit der obigen Passagen mitteilen möchte? Dann dürfen Sie sich meiner Anerkennung als Fachmann oder auch -frau sicher und gehören wahrscheinlich zu einer Handvoll Auserwählter, die tatsächlich finden, dass man nur viele Absätze wie den oben aneinanderzureihen braucht, um eine 'spannende Entdeckungsreise durch den menschlichen Körper' zu inszenieren, im Verlauf welcher der Leser 'auf unterhaltsame, allgemein verständliche Weise' nicht nur Antwort auf die Frage erhält, die der Titel des Buchs stellt.
Nichts weniger verspricht der Klappentext des Buchs, nichts weniger als einen gewissen Zuwachs an Wissen hatte ich mir von der Lektüre erhofft. Irgendwann, nach ein paar unverzagt durchlesenen und unerschüttert durchlittenen Kapiteln, habe ich dann allerdings enttäuscht die Flinte ins Korn geworfen und begonnen, mich über das vermeintliche 6-Euro-Schnäppchen zu ärgern. Leider scheitert der Autor an einer Aufgabe, deren Bewältigung auch vielen anderen seiner studierten Landsleute immer wieder misslingt: Fachwissen so aufzubereiten, dass auch Laien einen Gewinn davon haben. Der angelsächsische Raum ist voll von überzeugenden Beispielen dafür, dass sich auch das scheinbar verzwickteste Fachgebiet anschaulich und interessant beschreiben und erklären lässt - das kostet natürlich Mühe, Können und, vor allem, die Bereitschaft, vom hohen akademischen Ross herabzusteigen und sich auf Augenhöhe mit den interessierten Laien zu begeben.
Lang ist leider nicht dazu bereit, und er hat sich für meine Begriffe auch leider nicht allzu viel Mühe mit dem Abfassen seines knapp 170 starken, über weite Strecken in reinem Fachchinesisch gehaltenen 'Breviers' (wissen Sie z.B., was der Begriff 'cholinerg' bedeutet? Prima, dann sind Sie allemal besser für die Lektüre gewappnet als ich), das Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller außen vor lässt. Das Glossar am Ende des Buchs jedenfalls umfasst nicht einmal 30 Einträge.
Ich habe aufgegeben und das Versagen bei allem Wohlwollen (immerhin habe ich gut die Hälfte der 'spannenden Entdeckungsreise' mit zunehmendem Stirnrunzeln bewältigt) nicht bei mir gesucht. Lang reiht sich ein in die Phalanx deutschsprachiger Autoren, die irgendwo mal gehört haben, dass sich mit wissenschaftsjournalistischer Literatur Geld auch jenseits der Regalreihen mit Fachliteratur für Spezialisten verdienen lässt, die sich aber nicht die Mühe machen (können sie es nur nicht? Oder wollen sie es gar nicht?), das eigene Spezialwissen so aufzubereiten, dass auch Nichteingeweihte einen Nutzen aus ihren Büchern ziehen können. Mithin: Bitte keinen Nachfolger und keine Fortsetzung, sondern erst einmal schauen, wie die Kollegen aus USA und UK so etwas machen - herzlichen Dank!