Hier ist er also, der neue Bestseller der amerikanischen Populärwissenschaftler Allan und Barbara Pease.
Er bringt das endlose Thema Sex und Liebe/Liebe und Sex (?) zwischen den Geschlechtern auf folgenden Nenner:
- Männer wollen Sex und sind, um ihn zu bekommen, bereit, (zeitweise) Liebe und Bindung dafür einzugehen.
- Frauen wollen Liebe und Bindung und sind, um sie zu bekommen, bereit, (zeitweise) Sex dafür einzusetzen.
So furchtbar neu sind diese Erkenntnisse nicht. Zudem laufen die Autoren bei diesem Thema fortwährend Gefahr, in Klischees zu
landen, weil sie hier jeden Mann und jede Frau über einen Kamm scheren müssen. Aber sie umgehen diese Gefahr weitgehend, indem sie sich strikt einer Wertung ("gut"-"schlecht") enthalten und ihre Aussagen laufend durch Statistiken und Untersuchungen aus ALLEN Kulturen belegen. Zwar sind statistische Erhebungen oft mit Vorsicht zu genießen - aber es gibt wohl kaum eine andere Möglichkeit, sich diesem heiklem Thema einigermaßen objektiv anzunähern.
Zudem weisen die Autoren gleich zu Beginn eindringlich darauf hin, dass sie natürlich NICHT für Einzelfälle sprechen, sondern die "Hardware", also sozusagen das biologische "Grundprogramm" jedes Mann und jeder Frau zur Sprache bringen. Das sich aber ... so wie ich es sehe .. erstaunlich oft durchsetzt bzw. durchscheint. ;-)
Ich kann mir vorstellen, dass es gerade für viele Frauen - vor allem für die liebenden(!) - schwer zu akzeptieren ist, dass Männer in punkto Sex so viel einfacher gestrickt sind. Auch Männer brauchen eine gute Portion Humor für dieses Buch, denn allzuoft taucht gerade der Mann als dem Trieb hilflos ausgelieferter Macho auf, manipulierbar, einfältig, um nicht zu sagen dümmlich.
Zum Stil:
Auch wenn man an manchen Stellen dem Buch das "Amerikanische" deutlich anmerkt (bei jeder anbahnenden Schwierigkeit der Ruf nach dem
Psychiater .. ein viel zu langes Kapitel über Betrug, Seitensprünge, ein Spiegelbild vor allem der westlichen Gesellschaft), ist es leicht zu lesen und es gibt viel zu lachen. Denn die vielen, wirklich lustigen Witze und Zitate lockern den Inhalt nicht nur auf, sondern bringen die Kernaussagen des Kapitels auch recht treffend auf den Punkt.
Fazit:
Kurzweilig, pointiert... wenngleich ich an manchen Stellen den Eindruck habe, dass die Aussage zugunsten eines Witzes zu vereinfacht formuliert wird.
Es kann durchaus desillusionierend sein, da die Liebe ausschließlich als Ergebnis biologischer Abläufe definiert wird. Insofern ist die Kernaussage, dass Männer und Frauen bei der Partnerwahl rein hormongesteuert vorgehen, sicherlich nichts für Romantiker, erst recht nicht für Fürsprecher der Ehe oder trauten Zweisamkeit. Falls es aber nach dem Absturz aus dem siebten Himmel, also im Alltag nach der Verliebhtheit doch zu offenen oder geheimen Fragen zur Einstellung zu Sex und Liebe kommt, hält dieses Buch sicherlich die ein oder andere passende Erklärung bzw. Lösungsansatz parat.
Ein kleines Beigeschmäckle noch zum Abschluss:
"Sex sells", das ist klar. Ich finde es trotzdem ein wenig schade, dass der happige Preis von 18 Euro bei diesem Buch in
Taschenbuchaustattung (!) und - bei aller Kurzweil - mit einem überschaubaren Umfang von 320 Seiten dieses Motto doch ziemlich schamlos ausnutzt.