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Ich hatte viele Jahre eine Beziehung zu einem Mann, die hauptsächlich auf der Basis von Emails beruhte. Gesehen haben wir uns relativ selten. Das eigenartige war, dass ich nie wußte, woran ich bin - dass ich ständig Angst hatte, er würde die Beziehung plötzlich und unvermittelt abbrechen. Dabei waren alle emails außerordentlich herzlich geschrieben und gab er in Gesprächen unserer Beziehung eine extrem hohe Bedeutung. Verwirrend und schmerzhaft war für mich auch, dass er durch großartige Worte und Ankündigungen immer wieder Hoffnungen schürte, Erwartungen, Wünsche und Illusionen produzierte. Aber was dann tatsächlich stattfand, war nur ein enttäuschender Bruchteil dessen. So betonte er auch immer, wieviel er an mich denkt. Aber er vergaß dann Dinge, die man unter diesen Umständen normalerweise nie vergessen würde. Im Grunde genommen versprach er etwas, aber entzog sich gleichzeitig wieder den Erwartungen, die durch diese Versprechungen bei mir entstanden. Insbesondere die bewußten oder unbewußten Unterlassungen waren die heftigsten Verletzungen, die ich bisher erlebt habe. Beschwerden meinerseits wurden entweder ignoriert, durch eine "Opfersituation" begründet, oder als mein eigenes Problem auf mich zurückgelenkt. Erst in der ständigen Wiederholung wurde mir sein Verhaltensschema klar und kam ich zu der Frage: Was will dieser Mann eigentlich von mir? Warum verhält er sich so indifferent und widersprüchlich? Als ich ihn die Frage stellte, bekam ich natürlich keine Antwort, sondern konnte er wieder geschickt ein Ablenkungsmanöver fahren.
Das Buch "Wenn Männer mauern" ist mir noch in der älteren Ausgabe begegnet. Da hatte es noch den (wie ich finde besseren) Titel "Ich weiß nie woran ich mit dir bin" (unter dem neuen Titel hätte ich das Buch nicht in die Hand genommen). Und so habe ich während des Lesens den ganzen Berg von destruktiven Mechanismen erkannt. Und wie Wetzler gut schreibt: Männer mit dieser Struktur verhalten sich wie der Springer auf dem Schachfeld: zwei Schritte vor, dann einen zur Seite. Schon in den ersten Tagen unserer Beziehung bekam ich davon eine quälende Kostprobe.
Wetzlers wichtiger Hinweis ist auch, man sollte in Bezug auf Trennungsgedanken die Beziehung auf der Basis von Tatsachen beurteilen und nicht auf der Basis von Hoffnungen. Und dann erkennt man vielleicht plötzlich, dass man sich nur Hoffungen macht, und dass es anstatt der Tatsachen nur ein Vakuum gibt. Die Lehre für mich aus dieser Zeit ist: Den eindeutigen Anzeiger für die wahrhaftigen Gefühle eines Partners findet man in Taten. Worte sind erstmal nur Worte.
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