Kein so gutes Buch, finde ich. Viele Allgemeinplätze und wilde Thesen ohne großes argumentatives Fundament. Mir gefällt nicht, dass dort irgendetwas erzählt wird, dass geschwärmt wird, was Latein formell alles hergibt, und dann am Ende die Schlussfolgerung lautet: Latein schärft den Verstand. Das ist z.B. eher eine These, für die ich mir mehr Belege gewünscht hätte. Ganz nett zu lesen, aber weder argumentativ überzeugend noch inhaltlich sehr gehaltvoll.
Ich empfehle da eher: Wilfried Stroh: Latein ist tot, es lebe Latein. Berlin, 2007.
Einige von Maiers "guten Gründen" sind dort auch aufgeführt, Strohs Buch liest sich aber viel unterhaltsamer. Für eine wissenschaftliche Rechtfertigung des Fachs Latein taugen beide nicht -- für Leser wie mich, die gerne Latein lernen würden und ein bisschen Ansporn suchen, ist Strohs Buch Maiers Kurzversion vorzuziehen.
Was Maier jedoch hervorhebt ist die Identität-stiftende Kraft einer "Europasprache". Ob für ihn Latein die neue alte "lingua franca" Europas werden soll, wurde mir nicht so ganz klar -- ich finde die Idee auch ein wenig erschreckend. In Latein sind "Computer" und "Internet" mittlerweile ausdrückbar, für eine wirklich brauchbare Eruopa-Sprache genügt das in meinen Augen aber nicht. Englisch hat da eher Zukunft, finde ich. Zumal ich mir nicht denken kann, wie Latein als brückenschlagende Sprache unter Jugendlichen/Austauschschülern dienen soll. Gerade durch den Alltagsgebrauch ist doch das formelle Latein versumpft, und nach vielen hundert Jahren Entwicklung haben wir nun mal die romanischen Sprachen.
Ich finde Latein wichtig. "Gute Gründe" fand ich aber weniger. Ich finde Latein auch wichtig, aber dieses Buch nicht. Wie gesagt: Strohs Buch ist diesem überlegen, was Vermittlung von Fakten angeht.