Arne Hoffmann hat mit seiner auf hohem Niveau erfolgten Analyse der "Antisemitismusdebatten" dargestellt, welche Gefahren daraus für unsere Demokratie entstanden sind.
Die Abqualifizierung eines "Juden", nur weil er "Jude" ist, kann von keinem ernsthaften Menschen akzeptiert werden. Im Gegenzug muß aber auch eine Kritik an einem Angehörigen oder einer Gruppe einer Religion, einer Religion selbst oder einer Religionsgemeinschaft möglich sein. Dies gilt besonders für einen Staat. Genau hier wird es interessant.
Arne Hoffmann geht es in seinem hervorragenden Buch nicht primär um die Inhalte von Reden oder Einstellungen von stigmatisierten "Antisemiten". Vielmehr geht es um die Frage, wie sehr die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird und wie die Mechanismen wirken, die Menschen zu "Antisemiten" machen, die es nachweislich in den genannten Fällen gar nicht sind.
Es mutet schier unglaublich an, wie in regelmäßigen Abständen Menschen - sogar, wenn sie offenkundig das Gegenteil behauptet haben - von Medien, einigen wenigen, aber einflußreichen Politikern und Teilen einer religiösen Minderheit als "Antisemiten" öffentlich abgestempelt und im Regelfall politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich geschädigt werden können.
Die Art und Weise dieser "Hinrichtungen" gibt zu Denken, da sie (fast) jeden treffen kann. Von Hohmann zu Möllemann und von Jenninger zu prominenten, kritischen Juden reicht die Palette. Dahinter steckt keinesfalls die berechtigte Abwehr des "Antisemitismus", sondern die poliitsche und kulturelle Hegemonie über ein Volk und die Gewährleistung der dauernden Unterstützung des Staates Israel. Diese Israel-Lobby nutzt ihre Möglichkeiten zum Schaden der Demokratie und zum Schaden des Judentums.
Arne Hoffmann kritisiert somit nicht die "Juden" an sich, sondern einige exponierte Vertreter der Israel-Lobby, die sich nur anmaßen, für alle zu sprechen. Dies haben neben ihm schon viele, wie Prof. Finkelstein oder Journalisten wie Tobias Brendle (siehe sein Buch "Michel Friedman, Haim Saban und die deutsche Medien") erkannt.
Das beste Mittel gegen Antisemitismus ist die Wahrheit. Gerade nach dem schrecklichen Schicksal der Juden im Zweiten Weltkrieg sollten die Menschenrechte und das Völkerrecht für alle gelten.
Arne Hoffmann zeigt, welche Gefahren es für eine Demokratie mit sich bringen kann, wenn mit dem Mittel des "Antisemitismus" Politik für einen Staat gemacht wird, der sich einen Teufel um das internationale Recht und die Menschrechte schert. Völlig zu Recht werden von Hoffmann daher auch jüdische Stimmen gegen diese Anmaßung einer kleinen Minderheit zitiert, die zeigen, daß die Frontlinie quer über religiöse und sonstige Bekenntnisse hinweg verläuft.
Antisemit ist, wer grundsätzlich etwas gegen Juden hat. Antisemit ist nicht, wer einzelne Juden oder den Staat Israel kritisiert. Alle Demokraten sollten nach der Lektüre dieses Buches kritischer gegenüber selbsternannten Lobbyisten mit dem Totschlagsargument "Antisemitismus" sein.