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Warum Denken traurig macht: Zehn (mögliche) Gründe
 
 
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Warum Denken traurig macht: Zehn (mögliche) Gründe [Gebundene Ausgabe]

George Steiner , Nicolaus Bornhorn
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Pressestimmen

»Dem großen George Steiner ist mit seinem kleinen Alterswerk ‚Warum Denken traurig macht’ etwas ganz Außergewöhnliches, etwas Einmaliges gelungen. …Sie werden nach der Lektüre ein anderer sein als vor der Lektüre. Selten wurde auf so wenig Raum so substantiell über das Menschsein und seine Freiheit gesprochen wie hier – so leichthin und dicht, so wuchtig und zart, so bezwingend poetisch und im tiefsten philosophisch.«

(Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Literaturbeilage )

Kurzbeschreibung

Anwesend waren Traurigkeit, tristitia oder tristesse in George Steiners Prosa seit jeher: als Gedanke, Thema und Gestimmtheit. Nun aber stellt er sie, von Schelling ausgehend, in den Mittelpunkt einer Meditation über Glanz und Elend der Reflexion. Grundiert ist alles Denken durch Schwermut, die in jedem Gedanken vernehmbar bleibt und sich fortpflanzt – so die von Steiner gewählte kosmische Analogie – wie das Hintergrundrauschen als Echo des »Urknalls «. Zweiflerisch ist dieses Denken und durchdrungen vom Gefühl seiner Vergeblichkeit. Es ist unberechenbar und heillos individuell, verschwenderisch und kreisschlüssig, eingeschränkt in den Grenzen der Sprache, axiomatisch, neurophysiologisch determiniert. Es ist, als »Großes Denken«, weit entfernt von Mehrheitsentscheidungen und allgemeiner Anerkennung. Es ist aussichtslos, führt schließlich auf nichts. Und doch ist es die einzig menschenwürdige Anstrengung. George Steiners Schrift ist eine Variation in zehn Sätzen auf ein Thema von Schelling, das Produkt einer persönlichen Ästhetik, ein Stück Gedankenmusik, ein logisches Gedicht.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
46 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses kleine Buch des jüdischen Gelehrten George Steiner ist ein Kleinod unabhängigen Denkens und Philosophierens. Zehn mögliche Gründe findet Steiner in Anlehnung an die Philosophie Friedrich Schellings dafür, warum das Denken traurig macht.

Das Buch beginnt mit einer kühnen kosmischen Perspektive, die zugleich eine metaphysische ist; im Fokus aber steht, aus solcher Perspektive rückbetrachtet, die einzelne menschliche Existenz. Von dieser wird behauptet, daß ihr eine gewisse, unentrinnbare Traurigkeit anhafte, die wiederum der trübe Grund sei, aus dem Bewußtsein und Erkenntnis Kraft schöpften. Das Kosmische daran ist der Vergleich mit jener Hintergrundstrahlung, wie sie die Radioteloskope der Astronomen als Echo des großen Urknalls empfangen, mit dem das Universum, einer gültigen Theorie zufolge, entstanden sein soll. Mit anderen Worten: Der Ursprung des Alls und die unzerstörbare Melancholie allen Lebens sind nut zwei Seiten derselben Medaille.

Der geistige Vater dieser Ansicht heißt Friedrich Schelling; als Naturphilosoph und Erfinder einer sogenannten Weltseele gilt er als der Romantiker unter den Systemphilosophen des deutschen Idealismus. Auf ihn beruft sich Steiners Abhandlung von der ersten bis zur letzten Seite. Von ihm stammt die dualistische Konzeption eines Grundes, von dem das existierende Wesen sich abhebt, das heißt sowohl Gott als auch jede einzelne endliche Existenz, in der jene Traurigkeit gleichsam ebenso natürlich mitschwingt sie die erwähnten kosmischen Wellen.

Steiner bilanziert im letzten von zahn faszinierenden Gedankengängen:

"Wir sind einer nachprüfbaren Lösung des Rätsels unserer Existenz, ihrer Natur und ihres Zweckes -wenn es ihn überhaupt gibt - in diesem wahrscheinlich multiplen Universum, wir sind einer Antwort auf die Frage, ob der Tod endgültig ist oder nicht, ob es Gott gibt oder nicht, keinen Zoll näher gekommen als Parmenides oder Platon. Vielleicht sind wir weiter davon entfernt als sie. Die Versuche, diese Frage zu 'denken', sie zu 'durchdenken', um Zuflucht bei rechtfertigenden, erklärenden Lösungen zu suchen, haben unsere religiöse, philosophische, literarische, künstlerische und in hohem Maße auch die wissenschaftliche Geschichte hervorgebracht. Dieses Unternehmen hat die größten und schöpferischsten Geister der menschlichen Rasse beschäftigt - Platon, den heiligen Augustinus, Dante, Spinoza, Galileo, Marx, Nietzsche oder Freud. Es hat theologische und metaphysische Systeme von faszinierendem Scharfsinn, voll anregender Vorschläge, erzeugt. Vor der Moderne waren unsere Doktrinen, unsere Dichtung, Kunst und Wissenschaft von den drängenden Fragen nach Dasein, Sterblichkeit und Gott durchsetzt. Sich dieser Frage Stellung zu enthalten, sie zu zensieren würde bedeuten, den bestimmenden Puls, die dignitas unseres Menschseins, zu löschen. Der durch Fragen ausgelöste Schwindel setzt ein Leben ständiger Selbstprüfung in Gang.

Letztlich führt all dies jedoch nirgendwohin. Wie inspiriert dieses Denken des Seins, des Todes oder Gottes auch sein mag, es läuft auf mehr oder minder geistreiche, weitreichende oder bedeutungsvolle Bilder hinaus - man könnte gar von 'hohlem Gerede' sprechen. Was nun irgendeinen substantiellen Ertrag betrifft, so teilen der Tanz von Ureinwohnern um den Totempfahl, Thomas von Aquins Summa, Voodoorituale oder Plotin Emanationen Mythen mit und agieren sie aus, zwischen denen mehr als zufällige Analogien bestehen. Keinerlei Beweis lässt sich daraus ableiten. In der Tat gehört die Geschichte der sukzessiven Versuche, die Unsterblichkeit oder die Existenz Gottes zu beweisen, zu den eher peinlichen Chroniken der conditio humana. Die Gewandtheit des Denkens, seine unerschöpfliche Neigung zum Erzählen, führt zum beschämenden, nahezu unerträglichen Schluß, daß 'alles geht'. Für unzählige Millionen kämmt Gott seinen weißen Bart, wird Elvis Presley von den Toten auferstehen. Auf der axiomatischen Ebene ist eine Widerlegung nicht möglich. Die Verifizierbarkeit und Falsifizierbarkeit der Wissenschaften, ihr triumphaler Fortschritt von den Hypothesen bis zur Anwendung begründen ihr Prestige und ihre wachsende Macht in unserer Kultur. In einem anderen Sinne aber machen sie auch ihre selbstherrliche Trivialität aus. Die Wissenschaft kann auf die wesentlichen Fragen, die den menschlichen Geist beschäftigen oder ihn beschäftigen sollten, keine Antwort geben. Wittgenstein hat wiederholt darauf hingewiesen. Sie kann nur die Legitimität solcher Fragen leugnen. Nach der Nanosekunde vor dem 'Big Bang' zu fragen sei, so wird uns schulmeisterlich versichert, eine Absurdität. Doch wir sind nu einmal so veranlagt, daß wir trotzdem fragen und die Annahmen des heiligen Augustins für überzeigender halten mögen als jene der String-Theorie.'

Das Buch zeugt von unabhängigem Denken in bester Tradition und wird trotz aller Vergeblichkeit nie zynisch oder gar hoffnungslos.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Dennoch... 12. Juni 2009
Format:Taschenbuch
Große Gedankenkaskaden, die nicht traurig machen, sondern den Leser ins Staunen versetzen und anregen eine eigene Welt der Gedanken entstehen zu lassen. Denn das Denken sollte gerade in der heutigen Zeit nicht aufgegeben werden.
Was unsere Gedanken dann mit uns machen, hängt vielleicht auch von unserer Seelenlage ab. Dass der große Denker George Steiner beim Schreiben seines Buches tatsächlich selbst traurig geworden ist, vermag der Leser kaum zu glauben. Denn er reißt den Leser heraus aus einer oftmals traurig machenden Welt, in die der Mensch eingespannt zu sein scheint. So wird nach der Lektüre des Buches wenigstens gesagt werden können, dass Lesen nicht unglücklich machen kann.
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17 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Worte über Worte... 23. Januar 2009
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Bei der Lektüre dieses Bändchens fiel mir immer wieder der Gauß zugeschriebene Satz ein: Wenn Philosophen etwas Wahres sagen ist es trivial und wenn sie etwas nicht Triviales sagen ist es falsch.
Die zehn von Steiner genannten Gründe fürs Traurigsein durch Denken sind zwar nachvollziebar und gäben durchaus Anlass zur genaueren Betrachtung, jedoch hat sich der Autor dafür entschieden, weniger analytisch als literarisch vorzugehen. Das führt in diesem Fall zu einem metaphernlastigen Geschwurbel, in dem die Worte mehr um einander als um den Gegenstand kreisen.
Die große Schwäche des Buches ist die begriffliche Unschärfe. Aus dieser bezieht der Autor zwar seine literarischen Inspirationen, aussagen tun letztere jedoch nicht viel. So versäumt er es beispielsweise, überhaupt mal eine Definition von Denken zu geben. Stattdessen wirft er hier völlig verschiedene psychische Phänomene in einen Topf (Phantasien, logische Analyse, Träumereien, Ahnungen...) und weil er selber nicht genau weiß, wovon er eigentlich spricht ergeht er sich selbsttrunken in opulent-banalen Betrachtungen, denen er mit Verweis auf diverse Dichter und Denker zumindest historische Autorität verschaffen will.
Fazit: Macht einen nicht viel klüger, erweitert aber womöglich den Wortschatz.
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Die neuesten Kundenrezensionen
Wirklich gut, nur das Nachwort ist sinnlos
In seinem Buch Warum denken traurig macht" beschreibt der Autor George Steiner zehn mögliche Gründe für die Frage, die er auch als Buchtitel gewählt hat. Lesen Sie weiter...
Vor 23 Monaten von Tagpfauenauge veröffentlicht
Poesie, keine neue Erkenntnis
Ich will es kurz machen, da das Buch auch recht kurz gehalten ist (grosse Schrift, 125 Seiten Taschenbuchformat). Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 22. September 2008 von Frank Zimmermann
Aller tiefgründigen Dinge sind Zehn!
Dieses Buch ist tiefgründig und regt zum Nachdenken an!

Und beim zweiten Mal lesen versteht man Dinge, die beim ersten Lesegenuß noch gar nicht... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 21. Mai 2008 von A. Frenzel
geschliffen formuliert...
Selten habe ich ein so intelligentes und tiefgründiges Büchlein gelesen!
Geschliffen formuliert ist es allein dadurch schon ein großer Lesegenuß. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 1. Mai 2008 von Bookoholic
Am Ende stehen das Nichts und einiges an hohlem Gerede
"Letztlich führt dies jedoch nirgendwohin. Wie inspiriert dieses Denken des Seins, des Todes oder Gottes auch sein mag, es läuft auf mehr oder minder geistreiche,... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 9. August 2007 von Ming N. Feld
denkend des denkens traurigkeit ergründen
bereits bei den ersten zeilen wird deutlich:

hier will weniger das verwoben sein von denken und traurigkeit analytisch erarbeitet als viel eher dem lebens,- und... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 7. Februar 2007 von psychonaut
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