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Warten auf die Barbaren
 
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Warten auf die Barbaren [Taschenbuch]

J. M. Coetzee , Reinhild Böhnke
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (Oktober 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596155851
  • ISBN-13: 978-3596155859
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 11,9 x 1,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 180.416 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

John M. Coetzee
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Nachts kommen die Barbaren. Bis dahin müssen die Tore verrammelt und die Ziegen in die Stadtmauern zurückgeholt worden sein. Denn angeblich haben die Nomaden in den Wüsten des "Reichs" nichts als Mord und Plünderung im Sinn, und kürzlich soll ein Mädchen von ihnen vergewaltigt worden sein. Deshalb haben die Kinder schlechte Träume, aus denen sie schweißgebadet erwachen. "'Die Barbaren sind da!', schreien die Kinder und sind nicht mehr zu beruhigen".

Eigentlich sind es also nur die eigenen Ängste und Hirngespinste, die die Figuren in J. M. Coetzees Roman haben Gestalt werden lassen -- Projektion nennt das die Psychologie. Den "Barbaren" indes hilft das wenig: Wer in Gefangenschaft gerät, wird gnadenlos gefoltert. So soll seine Schuld bewiesen und in den unter Schmerzensschreien erzwungenen Geständnissen der "Ton der Wahrheit" hörbar werden. Nur im Magistrat der Stadt (dem Ich-Erzähler) finden die Verfolgten schließlich einen Fürsprecher. Als er einem misshandelten Mädchen Unterschlupf gewährt und dadurch in Verruf gerät, muss er erkennen, das es allein der Willkür des Regimes obliegt, wer zum Barbaren gestempelt wird und wer nicht.

Coetzees Roman erschien erstmals 1980 im Original und wurde nach den Erfolgen des südafrikanischen Schriftstellers (etwa mit Schande) nun endlich ins Deutsche übersetzt. Zeitweise erinnert er an Dino Buzzatis grandiose Romanfantasie Die Tartarenwüste, in der ebenfalls eine Armee am Rand der Wüste auf die Ankunft der Tartaren warten muss. Ansonsten aber ist Coetzee, der zu den bedeutendsten Autoren seiner Heimat gehört, wieder einmal eine eigenständige, bedrückende und atmosphärisch dichte Parabel über Macht und Ohnmacht der Gewalt und ihrer Opfer gelungen. Wie später im Roman Leben und Zeit des Michael K. (1983), der wie Schande den renommierten Booker-Preis erhielt, klingt bereits hier jener literarische "Ton der Wahrheit" an, der nicht zuletzt immer wieder die Frage aufwirft, wer die eigentlichen Barbaren sind. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Zeit, 22.03.2001
Hans-Peter Kunisch rühmt, dass der Roman, der bereits 1980 auf Deutsch erschien und der jetzt in neuer Übersetzung vorliegt, nichts von seiner "Kraft eingebüßt" habe. Das Buch sei eine "Allegorie der Macht", die nicht nur an Kafka erinnere, sondern auch Verweise auf dessen Texte beinhalte. Doch findet der Rezensent, dass Coetzees Roman weniger abstrakt ist als vielmehr "Realitätspartikel" enthält. Er preist die "intensiven Bilder", die der südafrikanische Autor heraufbeschwört und ist besonders beeindruckt von der "Spannung zwischen Ethik und Ästhetik", die der Roman erzeuge und die Kunisch in der Gegenwartsliteratur für beispiellos hält. Dass er dann auch noch die Übersetzung von Reinhild Böhnke als "gut lesbar" lobt, rundet diese durch und durch positive Besprechung ab.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2001
Als das Besondere dieses Romans kennzeichnet Angela Schader die gelungene Koexistenz von allegorischer Dimension und physischer Realität. Ohne die Enden der Parabel in den leeren Raum der Abstraktion oder einer überhöhten Moral schießen zu lassen, schreibt sie, transzendiere der Autor den eigenen historischen und gesellschaftlichen Kontext, um zu grundlegenden, wo nicht abgründigen Fragestellungen zu gelangen. Die unangenehme Zeugenschaft ("bei den handgreiflichen Demonstrationen staatlicher Macht"), zu der unsere Rezensentin sich gezwungen sieht, wird so zum "einschneidenden literarischen Erlebnis", etwa wenn Coetzee "ein Echo aus der Passionsgeschichte hinüberhallen lässt". Andererseits wieder sorgt die Plastizität der physischen Realität im Buch für ein sinnliches Erlebnis und für "finstere Einsichten in die Menschennatur" - meint Schader.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 03.05.2001
Katharina Rutschky kann nicht umhin, den 1940 geborenen südafrikanischen Literaturprofessor und Schriftsteller J. M. Coetzee in einer langen und kundigen Besprechung zu würdigen. Erst seit gut fünf Jahren habe der Autor weitgehende Bekanntheit erlangt, für einen, dem Rutschky gerne in einigen Jahren den Literaturnobelpreis verleihen würde, etwas spät, meint die Rezensentin. "Warten auf die Barbaren" ist im Original schon 1980 und auf Deutsch "in einer keineswegs schlechteren Übersetzung" (Karl Hessel Verlag) als der vorliegenden 1983 erschienen, berichtet Rutschky. Den Roman selbst findet die Rezensentin kafkaesk. Nie gebe es klare Antworten auf eindeutige Fragen, ein Erzähler führe durch die Handlung, die keine Zeit-, Orts- oder Personenangaben enthält, berichtet die Rezensentin. Ein hilfloses Rudern und Grübeln hat sich bei ihr eingestellt. "Furchtbar sachkundig" führe der Autor die politischen Verhältnisse in Südafrika vor Augen, aber ohne, und das begeistert Rutschky zutiefst, auf die Moral und die Emotionen der Leser zu setzen. Und so hat sie die düstere Geschichte nicht deprimiert. Für Rutschky ist das ein schlagender Beweis für Coetzees Talent, zu gleichen Teilen klug, gelehrt, moralisch und imaginativ zu schreiben.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Macht, 19. September 2005
Von 
Roland Freisitzer "freisitzer" (Vienna, Austria) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Warten auf die Barbaren (Taschenbuch)
J. M. Coetzee ist (meiner Meinung nach) sicherlich einer der wichtigsten und besten Autoren unserer Zeit. Nüchtern, unsentimental, ja fast unterkühlt und ohne je mit dem Finger Moral zu predigen schreibt Coetzee eine Parabel über Macht und die mögliche Auswirkung dieser. Dieser Roman ist, wie alles bei Coetzee, relativ leicht lesbar (Coetzee braucht keine künstlichen Kunstgriffe, Tricks usw. um aufzuzeigen) und stimmt sehr nachdenklich. Ein zeitloser Roman, da Machtmissbrauch allgegenwärtig ist, Guantanamo Bay nur ein Beispiel. Literatur, die Bestand haben wird, hoffe ich.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Muss man wollen oder nicht, 27. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Warten auf die Barbaren (Taschenbuch)
Das Leben eines alternden Magistraten in einem entlegenen Grenzdistrikt eines ungenannten Reiches wird durch die Ankunft des Militärs und dessen Behauptung, dass die Barbaren, ein Nomadenstamm in der Nähe des Distrikts, zum Überfall rüsten, in den Grundfesten erschüttert.

Der namenlose Magistrat, der bis zu diesem Tag ein langjähriges, müßiges Leben mit Sammlungen alter Steine, gelegentlichen Liebschaften, Hobbyausgrabungen und Lesen von Klassikern geführt hat, wird nun plötzlich zum einzigen Verteidiger der Barbaren, versucht ihre Verhaltensweisen zu erklären und gegen die Instruktionen der Armee anzurennen. Er nimmt ein gefangenes Barbarenmädchen bei sich auf und in dieser Beziehung offenbart sich die ganze Hilflosigkeit des Magistrats. Er ist von Selbstzweifeln zerfressen, bezüglich sich und seines Lebens, seine einzige Lust ist es das Mädchen zu waschen und einzuölen. Er zweifelt an sich, seiner Männlichkeit, seinem Beruf, seiner Daseinsberechtigung. Als er wegen „unerlaubten Feindkontakt" selbst ins Visier des Militärs gerät, windet sich sein Schicksal immer mehr.

Coetzee schafft es mit einem eher stillen, ruhigen Buch Dinge anzusprechen, für die andere philosophische Abhandlungen brauchen. Es geht ihm um die Zirkel der Gesellschaft, um die Funktionen von Macht und die Stellung des Individuums darinnen. Die Beeinflussbarkeit der Menge ist zentrales Thema in seinem Roman. Gleichzeitig zieht er Schlüsse über das „Tier" im Menschen, über die Monster die in jedem von uns lauern und wie es möglich ist, dass sie ausbrechen, in Folter, Betrug, Verachtung.

Da sein Ich - Erzähler nicht unfehlbar ist, sondern vielmehr einer durchgehenden, erzwungenen Metamorphose unterworfen ist, gibt dem Leser Raum sich von dem Geschehen zu distanzieren, alle Figuren als das zu betrachten, was sie tatsächlich sind.
Ein ruhiges Buch mit viel Tiefgang, wegen seiner Langsamkeit und Unaufgeregtheit sicher nicht jedermanns Sache.

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12 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Kritik an Unterdrückung und Unrecht im Stil Kafkas, 21. Februar 2003
Rezension bezieht sich auf: Warten auf die Barbaren (Taschenbuch)
„Warten auf die Barbaren" beschreibt das Verhältnis von Macht und Ohnmacht zwischen einem vorherrschenden politischem System, repräsentiert durch Staatspolizei und Militär, und dem Individuum. Zugleich wird die Frage aufgeworfen, wer - und mit welcher Begründung - die wirklichen „Barbaren" sind, wer die „Zivilisation".

Die Handlung kennt kaum Personen- und keine Ortsnamen, Zeit spielt vorrangig im Zyklus der Jahreszeiten, der Ernten und Vogelzüge eine Rolle.
Ein alternder Magistrat in einer Grenzstadt muss kurz vor seiner Pensionierung miterleben, wie einrückende Staatspolizei und Militär dem friedlichen Leben in der Einöde ein jähes Ende bereiten. Durch die Praktizierung brutaler Verhörmethoden gegenüber Gefangenen will Oberst Joll aus der fernen Hauptstadt Beweise für ein kriegerisches Ansinnen der in der Wüste lebenden Nomadenstämme, die zusammengefasst als „Die Barbaren" bezeichnet werden, erlangen. Als eine Art privater Wiedergutmachung nimmt der Magistrat eine misshandelte junge „Barbaren"frau bei sich auf und nähert sich ihr sexuell, ohne ihr dadurch jedoch wirklich näher zu kommen. Er beginnt sich selbst schuldig zu fühlen und zweifelt an seiner Rolle, an seiner Freiheit, die ihm Macht über ihren Körper verleiht und ihn in eine Position versetzt, die der ihrer Folterer nicht unähnlich ist. Schließlich bringt er „das Mädchen", wie er sie nennt, zu ihrem Volk zurück. Damit gilt er nach seiner Rückkehr selbst als Verräter und muss nun seinerseits Demütigung und Folter über sich ergehen lassen.

Die Anlehnung an Kafka ist nicht zu übersehen und äußert sich vor allem in der alptraumhaften Aufhebung von Ort und Zeit sowie in dem Themenkomplex von Schuld, Bestrafung und Buße. Der Protagonist verstrickt sich um so tiefer in Schuldgefühle, je mehr er sich von diesen zu befreien versucht. Anhand des Dreiecksverhältnisses zwischen ihm, dem halb erblindeten Mädchen und dem stets hinter dunklen Brillengläsern versteckten Oberst Joll ergeht er sich in Fragen über Gewalt und Liebe als verschiedene Formen der Herrschaftsausübung: Wer hinterlässt den bleibenderen Eindruck bei dem Mädchen: der durch den Oberst verursachte körperliche Schmerz oder die von ihm gewählte Form von Liebe? Wer von beiden repräsentiert die Lüge, wer die Wahrheit? „Etwas ist mir förmlich in die Augen gesprungen, und doch kann ich es nicht sehen.", denkt er ganz am Schluss - obwohl er von den dreien eigentlich der einzige wirklich Sehende sein sollte.

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