Das Leben eines alternden Magistraten in einem entlegenen Grenzdistrikt eines ungenannten Reiches wird durch die Ankunft des Militärs und dessen Behauptung, dass die Barbaren, ein Nomadenstamm in der Nähe des Distrikts, zum Überfall rüsten, in den Grundfesten erschüttert.
Der namenlose Magistrat, der bis zu diesem Tag ein langjähriges, müßiges Leben mit Sammlungen alter Steine, gelegentlichen Liebschaften, Hobbyausgrabungen und Lesen von Klassikern geführt hat, wird nun plötzlich zum einzigen Verteidiger der Barbaren, versucht ihre Verhaltensweisen zu erklären und gegen die Instruktionen der Armee anzurennen. Er nimmt ein gefangenes Barbarenmädchen bei sich auf und in dieser Beziehung offenbart sich die ganze Hilflosigkeit des Magistrats. Er ist von Selbstzweifeln zerfressen, bezüglich sich und seines Lebens, seine einzige Lust ist es das Mädchen zu waschen und einzuölen. Er zweifelt an sich, seiner Männlichkeit, seinem Beruf, seiner Daseinsberechtigung. Als er wegen „unerlaubten Feindkontakt" selbst ins Visier des Militärs gerät, windet sich sein Schicksal immer mehr.
Coetzee schafft es mit einem eher stillen, ruhigen Buch Dinge anzusprechen, für die andere philosophische Abhandlungen brauchen. Es geht ihm um die Zirkel der Gesellschaft, um die Funktionen von Macht und die Stellung des Individuums darinnen. Die Beeinflussbarkeit der Menge ist zentrales Thema in seinem Roman. Gleichzeitig zieht er Schlüsse über das „Tier" im Menschen, über die Monster die in jedem von uns lauern und wie es möglich ist, dass sie ausbrechen, in Folter, Betrug, Verachtung.
Da sein Ich - Erzähler nicht unfehlbar ist, sondern vielmehr einer durchgehenden, erzwungenen Metamorphose unterworfen ist, gibt dem Leser Raum sich von dem Geschehen zu distanzieren, alle Figuren als das zu betrachten, was sie tatsächlich sind.
Ein ruhiges Buch mit viel Tiefgang, wegen seiner Langsamkeit und Unaufgeregtheit sicher nicht jedermanns Sache.