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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dum spiro spero, 7. Mai 2006
Ein Stück, zwei Akte, 4 Personen, zwei Paare, zwei weitere Personen (Junge, Godot), einer unsichtbar. Eine Geschichte, zwei Schächer, einer ist erlöst. Alles ist entzweit.
Absurd ist nur das, was als nicht treffend, nicht zueinander passend bewiesen wurde. Ad absurdum führen kann man die Dinge, die sich in sich entzweien lassen. Das Absurde ist damit Entzweiung. Allein ist es nichts, es entsteht durch Gegenüberstellung. Die Entzweiung scheint damit wichtige und notwendige Voraussetzung für das Absurde. Albert Camus' Philosophie hat Beckett Pate gestanden.
Der Inhalt in Kürze: zwei Landstreicher an einer Strasse, sie warten auf Godot, vertreiben sich die Zeit durch Unterhaltung, small talk, etc . Zwei weitere treffen auf sie. Es wird diskutiert, über Zeit, über Religion (nur ein Schächer wird erlöst). Ein Junge tritt auf, er teilt mit, Godot wird nicht kommen. Dann: Alles auf Null, zweiter Akt, der Neubeginn. Zeit ist verstrichen, der Baum trägt Blätter. Sonst Wiederholung des ersten Aktes, warten, Langeweile und Zeitverlorenheit.
Die Menschen sind einsam, sie fühlen sich entzweit und isoliert. Im Warten verfolgen sie ein Ziel, aber es gibt keine Bewegung. Der Einsamkeit entkommt man nicht, die Dinge des Lebens bleiben getrennt oder sie werden getrennt. Die Wiederholung des täglichen prägt und lähmt. "Nichts ist zu machen." So beginnt Beckett sein Stück. "dann vergeht die Zeit" und in dem Gespräch in der Wartezeit auf Godot stellen beide (Wladimir und Estragon) fest, dass sie zudem sich von allem abgewendet haben. "Wir haben unsere Rechte verschleudert (s.21)", sagte Wladimir (Didi) klar und deutlich. Die Position des Unveränderbaren, das sich hineinfügen in das Nichts und in die Zeitverschwendung, nur "eine Frage des Temperaments", "Nichts ist zu machen", wiederholt Estragon (Gogo). Was bleibt, sind die Tränen, die um die Welt gehen, ein Fluss, von jedem einzelnen genährt. Und es scheint die Zeit stehen geblieben, aber nur, weil sich nichts ändert. Alles ist Wiederholung, absurd wie bei Sisyphos, der nach Camus dennoch als glücklicher Mensch zu betrachten ist. Und das Handeln in der Zeit wird am Ende zu einer beinahe Eskalation. Sich nicht über die Zeit im Sinne von WANN und zum Handeln in der Zeit äußern zu wollen, zwingt Pozzo (der Herr des Knechtes Lucky) zur Überhöhung des Augenblicks, in dem er das Leben zum Zeitraffer macht: "Sie gebären über dem Grabe, [...]" Und Wladimir sinniert am Ende über diese schwere Geburt, dass es immer genügend Zeit gibt, um alt zu werden. (vgl. Camus in "Der glückliche Tod": "Zum Leben braucht man Zeit".)
Betrachten wir die Ideen von Descartes und Sartre in diesem Zusammenhang. Während die Selbstgewißheit des cogito bei Descartes noch ein Vernunfts-Universum offenbaren sollte, ist bei Sartre das cogito in eine absurde Welt geworfen. Die Welt ist frei von Zweck und Hoffnung, denn um das Absurde zu festigen, muss jede Hoffnung dauerhaft abwesend sein wie hier auch bei Beckett. Während die kartesische Welt eine der Berechenbarkeit (hohe Vernunft) war, gilt die Welt Sartres und auch hier bei Beckett als ein Zirkel von wiederholter Enttäuschung und Misserfolg. Während Descartes System noch Gott Raum ließ - und er benötigte einen Gottesbeweis um die Vermittlung von res cogitans und res extensa zu ermöglichen - ist die Welt Sartres gottlos und der transzendentalen Obdachlosigkeit ausgeliefert. Auch Beckett scheint diesen Aspekt hervorzuheben, allerdings in der Umkehrung. Warten auf Godot klingt wie ein Verzweifeln im Diesseits und wie ein protestantisches Hoffen auf das Jenseits. Und in dem er Godot nicht kommen lässt, folgt er Sartre in die Gottlosigkeit.
Am Ende scheint Bewegung. Der Imperativ des Aufbruchs: "Gehen wir!" lässt den Leser oder den Zuschauer aufatmen doch das Handeln widerspricht und wird zum Stillstand durch die Regieanweisung: Sie gehen nicht von der Stelle.
Dum spiro spero. (Solang ich atme, hoffe ich.)
Ein brisantes und immer aktuelles Thema. Beckett wurde zu Recht in den Literatenhimmel geholt.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kommt er, oder kommt er nicht??, 10. Juli 2006
"Nothing happens. Twice" hat ein Kritiker Samuel Becketts "Warten auf Godot" einmal auf den Punkt gebracht. Dies ist einerseits richtig, denn der Plot des Stückes lässt sich problemlos in einem Satz zusammenfassen: Die Landstreicher Vladimir und Estragon warten auf einer abgelegenen Landstraße auf die Ankunft eines gewissen Godots. Andererseits ist das total falsch, denn in den auf den ersten Blick völlig sinnlos erscheinenden Gesprächen der beiden Antihelden spiegelt sich die ganze Absurdität der menschlichen Existenz wieder. Stinkend, eiternd und verwahrlost warten die beiden seit einer unbestimmten Zeit auf die Ankunft ihres Erlösers.
Die Frage, wer oder was Godot ist, ist so naheliegend wie überflüssig, da es die eine richtige Antwort nicht geben kann. Ist man gläubig, ist es Gott; ist man Kommunist, ist es die klassenlose Gesellschaft; ist man verliebt, ist es die Anerkennung der anderen Person; ist man Fußballfan, ist es Deutschland auf dem Weltmeisterthron und nicht nur das bittere Spiel um den dritten Platz usw.
Doch trotz, oder vielleicht gerade wegen, der so ernsten existentiellen Thematik ist "Warten auf Godot" zum Brüllen komisch. Die absolut sinnfreien Gespräche und Slapstickeinlagen, reißen die Zuschauer im Theater immer wieder von den Sitzen.
Dass das Stück kein abgehobenes und weltfremdes Intellektuellentheater ist, zeigt ein Blick auf die recht außergewöhnliche Uraufführung im Jahr 19953. Diese fand nämlich in einem Theater in San Francisco statt und wurde von der Leitung nur ausgewählt, weil in dem Stück keine Frauen vorkommen. Als man die Insassen nach Ende der Aufführung die unvermeidliche Frage nach der Identität Godots stellte, kamen Antworten wie der Sinn des Lebens, Glück und, natürlich, Freiheit.
Fazit: Becketts bekanntestes Stück bleibt bis heute eines der besten Beiträge über den Sinn des Lebens und die Rolle des Menschen in einer ihm entfremdeten Umwelt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Harry Haller: Ein grünes Buch, 16. Januar 2004
Von Ein Kunde
Akteure: Zwei Verrückte, ein völlig irres Gespann und ein Junge mit partieller Amnesie.Geschrieben: aus Frust, aus unerträglicher Nüchternheit in einer stickigen Pariser Vorstadtkneipe. Der dröge Kellner - Garcon - war senil. Die Tristesse der örtlichen Gegebenheit verhalf dem Architekten zum Schimpfwort. Beim Überschreiten der deutschen Grenze mutiert dieser zum Ober...forstistpektor. Amüsant - anders ist es nicht zu bezeichnen - seine rasante Metamorphose, deren volle Entfaltung sich im englischen cccritic widerspiegelt (hingegen ist der Sumpf immer der selbe). Inhalt: Beckett ist es hier mit Bravour gelungen, aus dem Nichts nichts zu machen. Ein Klassiker - nein das wird dem Werk bei Weitem nicht gerecht - die Bibel - für Nihilisten. Es hat wohl kaum ein Buch gegeben, über das mehr orakelt wurde. Dieses zwanghafte Etwas-hinein-deuten-wollen gipfelt meiner Meinung nach in Bulatovics Ringen um eine Fortsetzung. Wahrscheinlich war er beim lesen zu vielen Nebengeräuschen ausgesetzt, sonst hätte er's gehört. Also noch mal - und bitte - Ruhe: Wladimir: Nun wird es wirklich sinnlos. Estragon: Noch nicht genug. (...sagt ein Gewürz.) Gehört? Da war es wieder, ein ganz leises Kichern. Das war Beckett. Das ist Galgenhumor. Dieses Buch gehört zwingend in den Bücherschrank. Einsortieren - gleich neben „Hirnfusseln" von Bruno Friedrich (Dr.pot.idiot.). Schlüssel ... umdrehen - wegwerfen, denn: Man tritt nicht zweimal in denselben Dreck...ich gehe.
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