Eher durch Zufall fiel mir dieses Buch in die Hände; ich begann das Lesen ohne rechte Lust. Bald jedoch war ich erschüttert gefesselt und konnte es nicht mehr aus der Hand legen.
Vor jedem neuen Kapitel, in dem Frau Bechler ihre Geschichte chronologisch erzählt, liefert das Buch einen kurzen Abriß der politischen Ereignisse der von ihr damals durchlebten Zeit. Gepaart mit dem erschütternden Bericht dieser Frau, die wie viele andere auch in menschenunwürdigen Verhältnissen "gehalten wurde", ergibt sich ein sehr gutes (Lager-)Alltags-Bild dieser Vergangenheit, gerade auch, was die ostdeutsche Nachkriegsgeschichte angeht.
Obwohl man weiß, daß es in der NS-Zeit viele Greuel gegeben hat, geht einem das Buch nahe und noch lange nach, da man nicht die anonyme Masse betrachtet, sondern an Frau Bechlers persönlichem Schicksal teilnimmt. Bewundernswert ist der Lebenswille sowie die Genügsamkeit, die diese Frau entwickeln mußte und entwickelt hat. Für mich Wohlstandsmenschen doch ein Anlaß, über unseren Luxus nachzudenken, ohne mich fortan zu kasteien, mehr um wertzuschätzen. Empfehlenswert für jeden Leser!