*ACHTUNG: NATÜRLICH SPOILER FÜR DIE VORGÄNGERBÄNDE!!!*
"Blut wird Blut vergießen und den See rot färben, erst dann kehrt Frieden ein."
Diese Prophezeiung von Blattsee aus "Sternenglanz" hängt auch bei "Dämmerung" wie eine schwarze Wolke am Himmel. Der 5. Teil dieser Staffel fängt da an, wo der letzte aufgehört hat: Kurz nach dem Kampf um die Macht im Wind Clan zwischen Moorkralle und Kurzbart. Auch dieses Buch schafft es, den Leser sofort wieder in die Geschichte hineinzuziehen und zu fesseln. Wieder wechselt die Perspektive zwischen zwei Hauptcharakteren hin und her, nämlich - wie zu erwarten - zwischen Blattsee und - eher überraschend für mich - Eichhornschweif.
Schon im vorangegangenen Band konnte man erahnen, um was es im Handlungsverlauf von Blattsees Geschichte gehen wird - oder um wen: Krähenfeder. Und in Verbindung mit der Tatsache, dass er die Katze auf dem Cover von "Dämmerung" ist und auch die beiden Katzen unter dem Titel Krähenfeder und Blattsee sind, ist klar, dass ihre verbotene Liebe einen der Hauptstränge des Buches darstellt.
Aber auch bei Eichhornschweif stehen die Gefühle im Vordergrund: Wie auch schon in "Sternenglanz" kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihr und Brombeerkralle. Eichhornschweif ist nach wie vor verärgert über dessen blindes Vetrauen zu seinem Halbbruder Habichtfrost, während Brombeerkralle eifersüchtig auf die wachsende Vertrautheit zwischen Eichhornschweif und Aschenpelz ist (was sich der Leser jedoch anfangs selbst denken muss!). Man kann daher die Beweggründe beider Katzen verstehen, doch man muss schon sagen, dass sie sich ihr eigenes Grab schaufeln und man nach jeder Szene, in der die beiden zusammen sind, einfach nur noch verzweifelt ist, weil die Streitereien im Verlauf des Buches so weit gehen, dass sie einander nicht mehr vertrauen und man sich genau wie Eichhornschweif fragt, wie sich die Beziehung der beiden jemals wieder davon erholen kann.
Und als ob die Sorgen um die Beziehungen dieser Katzen nicht schon genug wären, ist da ja noch Blattsees Prophezeiung, die großes Unheil erahnen lässt: Denn "Dämmerung" wäre wohl kein vollwertiges "Warrior Cats"-Buch, wenn es nicht auf einen spektakuläreren Höhepunkt zusteuern würde als die Beziehungsprobleme! Der Donner Clan gerät in große Gefahr und, wie der rätselhafte Prolog schon verrät, wird nicht jede Katze überleben. Doch WER zum SternenClan gehen wird, erfährt man erst ganz zum Schluss...
Fazit:
Auch dieses "Warrior Cats"-Buch nimmt problemlos die Messlatte, die der Vorgänger so hoch gelegt hat! Die Autorinnen schaffen es wieder einmal, dass man mit den Hauptcharakteren mitfiebert und sich in der Welt der Clans verliert.
Schon in "Sternenglanz" war ich überrascht von mir selbst, dass ich mich so über Krähenfeders aufkeimende Gefühle für Blattsee freute, obwohl ich die Liebesgeschichte zwischen ihm und Federschweif so sehr gemocht hatte und so traurig über ihren Tod war. Doch das Erin Hunter-Team hat es wie immer geschafft, mich für ihre weiterlaufenden Handlungsstränge zu gewinnen. Und auch Eichhornschweifs Gefühlswelt ist sehr leicht zu betreten: Ich war schon genauso verzweifelt wie die Kätzin selbst, wann immer es zum Streit mit Brombeerkralle kam und war so froh, dass sie gegen Ende des Buches doch noch einige harmonische Szenen hatten, die einen wieder vorsichtig hoffen liesen. Was jedoch keinesfalls ein Happy End andeuten soll! Denn wer sich den Klappentext für den nächsten Band "Sonnenuntergang", der die 2. "Warrior Cats"-Staffel beenden wird, durchgelesen hat, wird wie ich befürchten, dass die Probleme mit Brombeerkralle alles andere als ausgestanden sind...
Zusammenfassend kann ich sagen: Wieder mal ein hervorragendes Buch der Autorinnen, das einen am Ende wieder frustiert über das offene Ende zurücklässt und die Wartezeit bis zum nächsten Band noch unerträglicher macht, als sie sowieso schon ist. GANZ GROSSE KAUFEMPFEHLUNG!!!