Nachdem damals für die PS2 ein Shooter kam, der dem Spieler die Möglichkeit bot in einen jungen Tau zu schlüpfen, bringt THQ nun die Möglichkeit auf den Markt, einen Space Marine zu spielen - einen über zwei Meter großen, genetisch modifizierten und gezüchteten Menschen, der ultimative Soldat der Menschheit im 41. Jahrtausend. Kennt man Orks sonst nur aus World of Warcraft und Herr der Ringe, sind diese hier gemeine und blutrünstige Invasoren, die nur für den Kampf leben.
Hier beginnt gleich mein erster Kritikpunkt.
Wenn man mit dem Warhammer 40k Universium rein gar nichts am Hut hat, wird man sehr in das Spiel hineingeworfen. Keine Erklärung darüber, wer eigentlich dieser Imperator ist von dem alle sprechen, warum die Menschen so xenophob sind, etc.
Freilich lässt sich das Spiel dennoch nett spielen, denn diese Informationen sind nicht nötig um dem Plot zu folgen, der im übrigen, wenn man dieses Spiel mit anderen Shootern vergleicht (egal ob Ego- oder Third Person), überdurchschnittlich ist. So etwas bleibt aber selbstverständlich subjektiv, daher kann es gut sein das Neulinge, die dieses Franchise nicht kennen Probleme haben, in das Thema einzusteigen.
Die deutsche Synchronisation ist zwar in Ordnung, mehr aber auch nicht. Die englische Sprachausgabe lässt sich nicht im Spiel anwählen, hierfür muss die Systemssprache der PS3 auf englisch gestellt werden.
Zum Spielprinzip:
Das Spielprinzip ist in meinen Augen sehr gelungen. Während die meisten Spiele entweder auf den Fernkampf oder auf den Nahkampf ausgelegt sind, bietet dieses Spiel, das vom Hersteller im vorhinein versprochen wurde: Eine abwechslungsreiche Mischung.
Der Charakter kann bis zu vier Waffen tragen, mit denen er das Feuer eröffnen kann. Oft ist die pure Masse der anstürmenden gegner jedoch nicht mit roher Feuerkraft bewältigen, so dass man zu einer der drei verfügbaren Nahkampfwaffen greifen muss. Diese sind ein Kettensägenschwert, eine Axt und ein Hammer. Tauschen kann man die Waffen nicht einfach so, oft stößt man jedoch auf Munitionsdepots, an denen dann auch einige andere Waffen herumliegen, falls der Bedarf zum Waffenwechsel besteht.
Und diesem Gesichtspunkt kommen interessante Gefechte zustande, die Möglichkeit zur Seite zu rollen hilft darüber hinaus auch enorm weiter.
Der Charakter hat einen Energieschild, der sich, wenn er eine Zeit lang keinen Schaden erleidet von allein wieder auffüllt und darunter eine Lebensleiste. Diese füllt sich auf wenn man Feinde im Nahkampf exekutiert, dazu müssen sie mit bestimmten Angriffen aus der Balance gebracht werden. Die Exekutionsanimationen sind zwar gelungen, doch auch hier passiert es oft, das Gegner für die Animation auf einmal in Wänden stecken oder sonstige grafische Unansehlichkeiten vorkommen.
Damit zu der Grafik:
Die Grafik ist nicht up-to-date, aber dennoch gut und ansehlich. Die Farbgebung passt einfach perfekt zu der Fabrikwelt, auf der man sich befindet, weswegen jeglicher Vergleich mit Call of Duty oder Battlefield einfach nur (wie eigentlich bei jedem anderen Spiel auch) Fehl am Platz ist.
Mehr braucht man dazu eigentlich nicht sagen, wer einen Eindruck gewinnen will sollte sich einige youtube-Video anschauen.
Der Sound:
Shooter-typisch ist der Soundtrack nicht so hervorstechend wie in Rollenspielen, aber allgemein passend. Die Hintergrundmusik untermalt die Geschehnisse gut. Alles in allem solide, aber nicht herausragend.
Nun der letze Teil, der Multyplayer:
Zunächst möchte ich vorweg stellen, das der Multiplayer meine wärmste Empfehlung bekommt. Doch bevor ich weiter darauf eingehe muss ich einfach kritisieren, das es ewig dauert, bis man zu einem Host verbindet. Ist das jedoch erstmal geschehen, bleibt man in dem Raum, zu dem man verbunden hat, bis man ihn verlässt. Die Maps rotieren und die Teams werden in jeder Runde neu gemischt, was Unausgewogenheiten vorbeugt.
Nun ins Detail: Es gibt derzeit zwei Spielmodi, Annektierung und Deathmatch.
Deathmatch ist selbsterklärend, zwei Teams versuchen zuerst eine festgelegte Anzahl an Kills zu erreichen.
Bei Annektierung kämpfen die beiden Teams um Kontrollpunkte. Diese zu erobern gewährt dem entsprechenden Team Punkte, wer zuerst 1000 hat, gewinnt.
Spielbar sind die SPace Marines und die Chaos Space Marines, die sich jedoch nur optisch unterscheiden. Was man spielt wird vor jeder Runde zufällig bestimmt.
Es gibt drei Klassen: Den normalen Space Marine, den Devastor und den Storm-Space Marine (und logischerweise das Chaos Pedant zu jeder dieser Klassen) die sich alle verschieden spielen lassen. Desweiteren lassen sich alle Klassen anpassen, sowohl optisch als auch Spieltechnisch. Man kann zum Beispiel das Farbschema und auch Rüstungsdetails des Charakters im Editor verändern und schaltet nach und nach weitere Teile frei.
Es gibt verschiedene Waffen, auch im Multiplayer und mit was man in die Schlacht zieht lässt sich ebenfalls anpassen. Über die Waffen hinaus stehen auch verschiedene passive Fertigkeiten zur Auswahl, von der jeder Spieler je nach Klasse später zwei Auswählen und mitführen kann.
Der normale Space Marine ist ein Allrounder. Seine Fähigkeiten beinhalten unter anderem den schnelleren Wiedereinstieg in das Spiel, sollte man sterben, sowie einen Team-Teleport, der es Mitspielern ermöglicht direkt bei ihm ins SPiel einzusteigen.
Der Devastor zieht mit einem schweren Bolter in die Schlacht. Er sorgt für massive Feuerunterstützung und kann sich stationieren um genauer und schneller zu schießen. Seine Fertigkeiten können unter anderem seinen Widerstand gegen Schaden erhöhen.
Der Sturm Space Marine besitzt ein Sprungmodul, mit dem er hoch in die Lüfte springen und mit brachialer Gewlt auf die Erde niederschmettern kann, um Gegner zu schwächen und sie dann mit Nahkampfwaffen zu bekämpfen. Eine seiner Fertigkeiten lässt sein Sprungmodul explodieren, wenn er stirbt, eine andere lässt ihn beim abheben Schaden an nahen Feinden verursachen.
Leider sind die Maps sehr begrenzt, was ein weiteres Manko am Multiplayer ist, über das man aber hinwegsehen kann.
Nochmal zusammen gefasst:
+ Gute Story
+ Gute Mischung aus Nah- und Fernkampf
+ Gute Umsetzung des W40k Universums
+ Auswahl an verschiedenen, spaßigen Waffen
+ Extrem spaßiger MP
+ Wendecover (Keine Macht den USK-Stoppschildern!)
+ Kostenloser Co-Op Multyplayerinhalt angekündigt.
- deutsche Synchro nur liebloses Mittelmaß
- Für W40k Neulinge zu wenig Hintergrundinformation
- Wenige Multyplayer-Maps
- Nichts für CoD und BF-verwöhnte Grafikfetischisten
Alles in allem ein super Spiel, das nur deshalb keine Gesamtwertung von fünf Sternen bekommt, weil man als Neuling Probleme bekommen könnte, in das Spieluniversum einzusteigen. Mich als W40k Fan stört das wenig, aber da nicht jeder durch meine Augen sieht dachte ich mir, es sei Vorteilhaft dies hervor zu heben.
Aber auch mit "nur" vier Sternen erhält dieses Spiel eine Kaufempfehlung von mir, da allein der Multiplayer spaßig genug ist um sich stundenlang damit zu beschäftigen.