Wer sich mit der Kriegsführung der Antike beschäftigt, bekommt früher oder später, auf jeden Fall recht oft, einen Hinweis auf dieses Sachbuch. Und, mit dem latenten Gefühl betraut, sonst etwas zu verpassen, bestellte ich es mir schließlich - so ungefähr müssen sich Verkaufsleiter in Verlagen tolles virales Marketing vorstellen.
Da ich Sie aber nicht ermüden will, komme ich schnell zum Punkt: Für mich war das Buch eine Enttäuschung. Einem Zwölfjährigen, entsprechende Sprachkenntnisse vorausgesetzt, würde ich es aufgrund der schönen Zeichnungen gerne empfehlen, für Erwachsene ist dies nicht mehr als ein dickeres Exemplar der "Was ist was"-Reihe. Wobei ich dieser Reihe in Sachen Römer damit ein wenig Unrecht tue, seit Marcus Junkelmann den durchgehend guten Band "Gladiatoren" verfaßte.
"Warfare in the Classical World" ist hingegen zu oft ungenau, didaktisch schlecht geschrieben und Warry hat es auch nicht für nötig befunden, ein Quellenverzeichnis hinzuzufügen, auf daß er seine Behauptungen stützt. In der Einleitung zu jedem Kapitel befinden sich zwar Hinweise auf antike Quellen, aber im ganzen Buch kein einziger auf Forschung in der Neuzeit. Und da er manchmal mutzumaßen scheint, wäre dies notwendig gewesen, um seine Gedankengänge nachzuvollziehen.
Um meine Probleme mit diesem Werk zu erläutern, geben ich Ihnen ein paar Beispiele: Auf S. 190 steht zu einer Abbildung der Prätorianer, die auch den Einband dieser Ausgabe ziert, der Text, daß es sich hierbei um die Prätorianer handelt. So weit natürlich richtig. Aber leider fehlt der Hinweis, daß die Prätorianer hier in einer Gardeuniform gezeigt werden, die sie zu jenem Zeitpunkt im praktischen Einsatz gar nicht mehr trugen. Die zahlreichen Reiterabbildungen scheinen die Pferde oft zu groß darzustellen, da in der Antike Pferde eher das Schultermaß von Ponys oder Camargue-Pferden hatten. Auf S. 112 lesen wir in einem Kasten, daß "laut einem antiken Autoren" die Hastati eines Manipels einen Abstand von 0,9 Metern zueinander gehabt hätten - wer war dieser Autor?
Diese und andere kleineren Vernachlässigungen hätte ich ja noch verzeihen können, da es auch durchaus vieles gibt, das richtig dargestellt ist, aber ein Sachbuch, daß seinen Leser nicht klar zum Wissen führt, ist nicht lesenswert, was auch mein größtes Problem mit diesem Werk ist.
So bekommen wir auf S. 144, in der Einleitung zum Kapitel "Marius und Sulla", Sallust vorgestellt, von dem Warry schreibt, "Sallusts einzig anderes vollständig erhaltenes Werk ist seine Monographie über das Komplott des Catalina, das Rom 63 v. Ch. erschütterte und zu militärischen Operationen in großem Maßstab führte". Wer sich nach solchen Worten fragt, wer dieser Catalina war, erfährt es aber erst im nächsten Kapitel, ganze 23 Seiten später. Entweder hätte man sich an dieser Stelle Catalina verkneifen oder einen Hinweis auf die Erläuterung an späterer Stelle geben sollen.
Nach den Darstellungen von Marius' Feldzügen und seinen Umstrukturierungen der römischen Armee auf S. 137 lesen wir im selben Kapitel wie oben, daß Marius, folgend seinem Besuch bei Mithridates, als "Ex-General nach Rom zurückkehrte, wo er keine wichtige Person mehr war", um dann, nur -eine- Seite weiter zu erfahren, welche dramatischen Auseinandersetzungen sich diese unwichtige Person mit Sulla lieferte.
Cicero und Catalina sind auch ein guter Stichpunkt zu gewissen Parteilichkeiten, die Warry einfließen läßt, wobei seine persönlichen Sympathien daß Diktakt übernahmen. Cicero wird uns in der Einleitung zum Kapitel "Pompeius und seine Epoche" auf S. 144 als großartiger Orator dargestellt, der er zweifellos war, und dessen Können in einer ganzen Reihe von meist nur knapp erläuterten Beispielen belegt. Folgt eine erwas längere Erklärung, ist sie unvollständig oder verfälschend. So behauptet Warry von Ciceros Verteidiung Milos, daß sie ein Nachweis für Ciceros eiserner Treue zu Pompeius sei, verschweigt aber, daß Cicero diesen Fall verlor, Milo in das Exil nach Massilia mußte und Cicero sich lange nicht entscheiden konnte, ob er in der Auseinandersetzung zwischen Pompeius und Caesar offen Stellung zu Pompeius beziehen sollte, den er mittlerweile als schwach einschätzte.
Im Verlauf des Kapitels wird uns Cicero außerdem als Hauptverantwortlicher bei der Aufdeckung der Verschwörung des Catalina vorgestellt, die uns nun endlich erläutert wird. Wobei Warry so eindeutig Stellung zugunsten Ciceros bezieht, daß sich der versierte Leser fragen muß, warum der Rest der Gelehrten bis heute kein abschließendes Urteil über Catalina fällen mag.
Überhaupt scheinen persönliche Vorlieben bei den Schwerpunkten und Inhalten des Buches eine große Rolle gespielt zu haben, da sich die ersten hundert von etwa zweihundert Seiten hauptsächlich mit den Griechen befassen, dem römischen Militär der Republik knapp neunzig Seiten eingeräumt werden, während sich das imperiale Rom mit siebzehn Seiten begnügen muß - die der Autor eigentlich ganz hätte einsparen können, da sie aufgrund mangelnden Platzangebotes nichtssagend sind.
Als Einführung zum Themenkomplex mag ich dieses Buch gelten lassen, als Referenzlektüre ist es hingegen wertlos. Und selbst zur Einführung in den Themenbereich römisches Militär gibt es bessere Werke, nicht zuletzt daß des bereits erwähnten Marcus Junkelmann: "Die Legionen des Augustus".