Vom Cover und Titel des Buches her hätte ich mir Warchild nie gekauft. Es wirkt beides schlicht zu billig, eben nach einem typischen Weltraumaction 08/15 - Massenfutter für 12-16jährige. Aber die Querverweise, die mich zu diesem Buch geführt hatten, waren einfach zu interessant, die Kritiken fast sämtlichst positiv, also habe ich dem Buch mal eine Chance gegeben. Zuerst habe ich das sehr bereut (nach den ersten 30-50 Seiten flog das Buch erst einmal für ein paar Wochen in die Ecke), dann habe ich irgendwann aus schierer Langeweile mal wieder darin herumgeblättert und bin dabei "versehentlich" in die spannende Phase des Buches geraten. Huihuihui, schöööönes Buch. Unerwartete Entwicklungen, Loyalitätskonflikte, ab und zu ein Funken gemeiner Humor, exzellent geschriebene Raumschlachten, vor allem aber die dichte Charakterschilderung zog mich dann doch noch plötzlich und völlig unerwartet sehr schnell in den Bann des Buches....
Warchild ist eben (auch wenn das Buch gerne mit dem -pardon- idiotischen pseudoanspruchsvollen fragwürdigen Humbug Ender's Game verglichen wird) gerade nicht ein Buch von der Sorte Kind wird zu unbesiegbarem unfehlbaren Überkindwunderkämpferdenkerwesen trainiert und besiegt im Alleinkampf und höchstpersönlich die Bedrohung des Universums. Ja, Jos kann schon mit 14 besser kämpfen als mancher erwachsene Profisoldat, ja er ist auch überdurchschnittlich intelligent und sehr gut ausgebildet, aber trotz all dieser Dinge ist er noch ein recht glaubwürdiger 8-16jähriger, der nicht über allen Dingen steht und alles besser weiß als jeder Erwachsene. Jos "Superheldentum" wird von handfesten Traumata, Patzern, Selbstüberschätzungen und alleine schon durch seinen sich durch sein junges Alter ergebenden sozialen Handlungsspielraum im Zaum gehalten.
Auch mit Cherryh läßt sich Lowachee übrigens meiner Ansicht nach nicht wirklich vergleichen, selbst wenn man schon merkt, dass die Faded Sun Trilogie das Warchild-Universum definitiv ein wenig inspiriert (inspiriert, nicht abgeschrieben! Es ist mehr ein was wäre denn, wenn dieses und jenes anders wäre, und wie würde es überhaupt in der Zukunft weitergehen) hat. Während Cherryhs Bücher mich trotz aller Brillianz bei der Schilderung von politischen Verwicklungen und Entwicklungen interessanter Alienrassen aber immer ein wenig kalt lassen, zieht mich Warchild durch die lebendige Charakterschilderung in seinen Bann. Cherryh mag anspruchsvoller sein, aber Warchild hat meiner Ansicht nach mehr Leben.
Nach dem durchaus interessanten Einstieg ist das erste Fünftel oder Sechstel des Buches leider ziemlich langweilig und billig, aber Durchhalten lohnt sich! Warchild gehört zu den Büchern, die man immer wieder liest und bei denen man beim nächsten Lesen schöne Details und Anspielungen entdeckt, die erst dann witzig bzw. ineressant sind, wenn man die Hintergründe kennt.
Insgesamt ist Warchild die erste Neuautorenentdeckung, die mich seit 2 Jahren vom Hocker geworfen hat. Gerade als ich dachte, ich stoße nie mehr auf einen neuen Autor, der sich zu lesen lohnt, stolpere ich rein zufällig über Warchild und bin seitdem Lowachee-süchtig. Der Nachfolgeband Burndive ist wenn überhaupt, dann nur unwesentlich schlechter als Warchild.
Ja, Warchild hat ein paar Schwächen: Eine gewisse Tendenz zu Schwarz-Weißmalerei bei den Charakteren, eine mir auf den Wecker gehende Alienrasse, ein paar typische Plotentwicklungen, es ist aber definitiv kein Buch von der Sorte, die man sofort wieder vergißt oder die einem mit dem leeren Gefühl "Ja, schön geschriebener und gut durchdachter Plot, sehr nette Geschichte, aber was außer Unterhaltung habe ich jetzt eigentlich davon, dass ich das gelesen habe?" nach dem Lesen dasitzen lassen.