"War of the Worlds" ist Orson Welles' legendäre Hörspieladaption von H.G. Wells' Roman, die bei ihrer erstmaligen Ausstrahlung 1938 Panik in New Jersey auslöste inkl. Schießereien und Suiziden. Dass es zu so dramatischen Ereignissen kommen konnte, wird klar, wenn man den Anfang des Hörspiels hört: Hier wirken die fiktionalen Elemente so sehr realistisch-authentisch, dass man die Sendung leicht mit einer aktuellen Reportage verwechseln kann - und dann meint man wirklich, die Marsmänner stehen in New Jersey vor der Tür!
Erst langsam fällt die Diskrepanz zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit auf, und schließlich wirkt die fiktionale Komponente immer stärker. Und diese fiktionale Komponente entwickelt Orson Welles in der ersten Hälfte des Hörspiels mit gnadenloser, fesselnder Konsequenz: Die Erde hat den Marsianern nichts entgegenzusetzen. Wie im ersten Weltkrieg werden die Menschen mit tödlichem Gas in die Knie gezwungen. Und in diesem furiosen ersten Teil verlässt Welles die Fiktion einer Radioreportage nie; der Reporter der noch letzten sendenden Station sieht schließlich die Gasschwaden auf sich zukommen... und verstummt.
Der zweite Teil hingegen überzeugt weniger; hier erzählen Überlebende von ihren persönlichen Schicksalen, sie psychologisieren und politisieren ihre Erfahrungen, und das Ende des Kriegs der Welten wirkt enttäuschend - aber hier wollte sich Welles wohl nicht über das Ende der Romanvorlage hinwegsetzen.
Die Soundqualität des Hörspiels ist nicht immer optimal, aber die Aufnahme ist ja auch 70 Jahre alt.
Nur 4 Sterne, da der zweite Teil des Hörspiels gegenüber dem fulminanten ersten Teil deutlich abfällt.