Aus der Amazon.de-Redaktion
Eines sind die Flaming Lips in ihrer langen Karriere, die mit Gitarren-Krach begann und bis zum Symphonie-Pop führte, immer geblieben: Freaks, die sich eine Parallelwelt erschaffen haben. In der sie ihre musikalischen und persönlichen Phantasien ausleben können, in der sie alle Regeln aushebeln und mit kindlicher Neugierde herumtoben dürfen. Obwohl die Flaming Lips zusammen mit ihrem Hausproduzenten Dave Fridmann schubkarrenweise Hippie-Klänge, Beach-Boys-Harmonien, Psychedelia, Funkyness, überdrehte Geräusche und verträumte Drogen-Sounds in den zwölf Songs von At War With The Mystics abladen, bleibt das Trio doch hellwach. Eigentlich wollte sich die Band aufmachen, eine Geschichte zu erzählen, in der ein Zauberer sich aufmacht, einen galaktischen Supernovacluster zu finden, der die Maße einer nackten Sternenkönigin mit weit gespreizten Beinen hat. Da ist die Phantasie mal wieder mit ihnen durch gegangen.
Es sollte anders kommen, denn die von George W. Bush ausgelöste, sich rasant verändernde Weltpolitik mit ihrem religiösen Wahn veränderte die Stimmung. Ausgehend von der Ansicht, dass keine übergeordnete göttliche Kraft, sondern nur wir selber für unser Leben verantwortlich sind, erfinden die Flaming Lips bizarre Stories. Wie in Free Radicals, einem verrückten Traum, in dem Devendra Banhart einen sprengstoffbeladenen Attentäter von seinem Plan abbringt, und dann doch damit sympathisiert ihn selber umzusetzen. Sein Opfer: Na wer wohl? In Pompeji Am Götterdämmerung geht es um einen Doppelselbstmord eines verzweifelten Liebespaares. Es ist so ein wunderbar erzählter nicht-plakativer Appell: Nicht der Suizid als symbolische Tat, sondern der Kampf gegen das, was die Tat auslöst, sorgt für eine bessere Welt. Wayne Coyne verfügt über die Gabe, sich in Menschen hinein zu versetzen, ihre Natur zu beobachten, sich absurde Geschichte auszudenken, die doch wahr sein könnten. Er tut das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern aus einem Zustand des Akzeptierens heraus, da es nicht für alles Antworten gibt. At War With The Mystics, in dessen Entstehungszeit Coynes Mutter starb und er selber Vater wurde, sagt auf einzigartige Weise JA zum Leben. -- Sven Niechziol