24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Zeuge des Grauens, 22. November 2006
Rezension bezieht sich auf: War Photographer (DVD)
James Nachtwey ist Kriegsfotograf. Diese Berufswahl war eine bewußt getroffene Entscheidung, untrennbar verbunden mit einer moralischen Verpflichtung. Kriegsfotograf zu sein bedeutet, das Grauen einzufangen, es abzubilden, um es öffentlich sichtbar machen zu können. Ziel ist letztlich nicht, gute - oder wie bei Nachtwey brillante - Fotos zu schießen, sondern die Wirkung, die diese Bilder beim Betrachter erzeugen sollen.
Um eine entsprechende Wirkung bei einem möglichst breiten Publikum erzeugen zu können, müssen die Bilder vermarktet werden. Der Marktwert eines solchen Fotos hängt natürlich von der vermuteten Wirkung ab. Insofern ist die Vermarktung des Grauens sicherlich ein problematischer, aber leider in unserer modernen Mediengesellschaft unvermeidbarer Vorgang, dem sich auch Nachtwey stellen muss.
Ergreifend finde ich an dieser äußerst bewegenden Dokumentation aber auch die persönliche Problematik und gewissermaßen Schizophrenie, in der sich der Fotograf befindet. Nämlich seine berufliche Leidenschaft, seine Faszination für die Ausübung der Fotografie, aber auch seine künstlerische Begabung einzusetzen, um festzuhalten, welches Leid sich Menschen zufügen können, und welches Leid Menschen ertragen müssen.
Leider läßt der Film den Zuschauer nur erahnen, wie Nachtwey selbst diese außerordentliche psychologische Belastung kompensiert. Beeindruckend fand ich die Unscheinbarkeit, mit der Nachtwey auftritt, ebenso wie die Aura der Unberührbarkeit, die ihn zu umgeben scheint. Nachtwey bezeichnet sich als Zeuge. Der Zeuge wird vor Gericht geladen, macht seine Aussage und verschwindet dann wieder von der Bühne. Anzuklagen, Urteile zu fällen, ist seine Aufgabe nicht, sondern die anderer. In diesem Sinne macht Nachtwey für mich einen ausgezeichneten Job.
Über die Problematik einer "Ästhetik" der künstlerischen Umsetzung ethisch brisanter Inhalte ließe sich endlos debattieren. Ein anderer Fotograf, der einen Preis für sein Foto eines kleinen, verhungernden afrikanischen Jungen erhalten hatte, nahm sich kurze Zeit später aus Gewissensgründen das Leben, weil er den Jungen fotografiert, ihm aber nicht geholfen hatte.
Nachtwey bezeichnet sich übrigens mittlerweile nicht mehr als "Kriegs-", sondern als "Antikriegsfotograf". Wieviele Bilder hat er in seinem Gedächtnis behalten, die nicht veröffentlicht wurden? Und welche Spuren hinterlassen die Bilder in seiner Seele?
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Faszinierendes und bewegendes Dokument ...., 7. April 2003
Rezension bezieht sich auf: War Photographer (DVD)
..über einen wahren Kriegsberichterstatter. Mit sehr viel Scharfsinn und Einfühlungsvermögen wird in diesem meisterhaften Film die Arbeit des James Nachtwey gezeigt, welcher versucht den Menschen das Grauen ,welches sich Tag für Tag um sie herum auf unserer Erde, ereignet aufzuzeigen. Ihm geht es darum, das die Menschen sich nicht immer nur "empören" sondern vor allem begreifen und verstehen was hinter dem schönen Schein unserer glitzernden Konsumwelt geschieht. Dieser Film geht direkt mit James Nachtwey in die Krisenregionen dieser Welt um die Umstände zu zeigen unter denen Nachtwey seine preisgekrönten Bilder machte.
Hochinformativer Dokumentarfilm ,der von jedem Journalisten oder zumindest journalistisch interessierten Menschen gesehen werden sollte.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wenn der Tag zur Nacht wird, 30. September 2006
Rezension bezieht sich auf: War Photographer (DVD)
Unvergleichbar schreckliches Elend und Leid. Hinrichtung von unschuldigen Menschen auf der einen und ignorante, rücksichtslose und gewissenlose Brutalität und Gewalt auf der anderen Seite. Ein schrecklicher Alptraum, der für Menschen aus unseren Breitengraden ein böses Erwachen darstellt. Es gibt zwei Möglichkeiten mit dem Film umzugehen: Entweder man schaltet nach einer Stunde ab, weil man nicht glauben will, dass es keine "heile Welt" gibt, oder man nimmt es tief im Innersten auf und denkt unweigerlich darüber nach, wie dringend es ist etwas zu ändern, sei es im eigenen Verhalten.
James Nachtwey selbst ist der Meister der Fotografie. Er kann Momente einfangen wie kein anderer. Den größten Konflikt mit sich selbst sieht er in seinem Job: Geld bekommen für das Leid anderer. Doch stellt er sich dem Konflikt mit seinem Mitgefühl für die Menschen die er fotografiert. Wenn er dieses Mitgefühl und diesen Respekt für die Menschen verlieren würde, hätte er seine Seele verkauft, meint er selbst.
Ein Tribut an die Opfer und ein Denkzettel an den Rest der Welt.
Ein Meisterwerk in sich selbst.
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