Zumindest wer die vorhergegangenen Veröffentlichungen von Tank kennt, dem wird sich bereits nach den ersten Hörproben folgende Ein-Wort-Frage aufdrängen: Tank??? Selbst wenn man nicht die Originalbesetzung aus den Anfangstagen um die Brüder Peter (Gitarre) und Mark (Drums) Brabbs und natürlich Algy Ward (Bass & Vocals) vor Augen (bzw. in den Ohren) hat, sondern die späteren Alben - samt diversen Line-Up Wechseln, aber immer mit Algy Ward als Frontmann - miteinbezieht, traut man bei "War Machine" zunächst einmal seinen Ohren nicht. Auch wenn der folgende Vergleich ein typisches Klischee bemüht: Tank ohne Algy Ward, das ist wie Motörhead ohne Lemmy oder Humble Pie ohne Steve Marriott.
Die Feststellung dieser Tatsache soll keineswegs eine Wertung dessen darstellen, was Tank anno 2010 mit Doogie White am Mikro auf "War Machine" abliefern, schon gar keine Abwertung. Denn "War Machine" bietet auf 9 Tracks (plus 2 Bonustracks auf der limitierten Digipack Version, darunter eine neue, ziemlich schlappe Version von "Honour & Blood") handwerklich absolut passablen, stellenweise angenehm altmodischen Heavy Metal, eingängig und melodisch (alleine schon durch Doogie Whites Organ) und mit einem merklichen Hang zum Pathos, was wiederum dem inhaltlichen Konzept geschuldet ist. Einen typischen NWOBHM Touch kann man dem Album in seiner Gesamtheit nicht bescheinigen, dafür klingt alleine schon die Produktion einfach zu modern und auch Doogie Whites Gesang tendiert viel eher in Richtung epischen, melodischen Hard Rock á la Rainbow.
Wirklich alles andere als schlecht ist das Resultat, gemessen an den Frühwerken und auch der musikalischen Konkurrenz allerdings auch alles andere als unverzichtbar (hier muss jeder einfach den Umfang der eigenen Plattensammlung berücksichtigen, denn jede Neuerscheinung - so hörenswert sie auch sein mag - konkurriert natürlich mit den Scheiben um Hörzeit, die bereits seit Jahr und Tag im Schrank stehen). Tank haben mit "War Machine" nicht das Rad neu erfunden, sondern einfach einen ordentlichen Genrebeitrag abgeliefert. Dennoch wird die eingangs aufgeworfene Frage - zumindest denjenigen Filth Hounds, welche Tank mit Algy Ward über all die Jahre begleitet haben - den Hörgenuss leicht trüben. Denn unbenommen der Güteklasse von "War Machine" und so sehr man sich auch über Comeback Alben alter Haudegen freut, muss wie im Fall von Tank anno 2010 die Frage erlaubt sein: Warum bitte unter diesem Namen?
Fazit: Drei Sterne - in Worten: über dem Durchschnitt.