Die "Potentaten mit Apposition", wie Reinhard Lebe sie so schön nennt, werden hier mit viel Sachkenntnis und noch mehr gediegener Bosheit vorgestellt, samt der Historien und Histörchen, denen sie ihre oft skurrilen Beinamen zu verdanken haben: Karl der Einfältige, Boleslaw Schiefmund, Robert der Teufel, Otto der Faule... und viele, viele andere (meine Lieblinge allerdings sind, nebst den "plastischen Piasten", Albrecht der Unartige und Friedrich der Gebissene -- auch wenn die Hintergründe für ihre Namen nicht so erheiternd sind wie die Beinamen selbst).
Und natürlich findet man hier auch die üblichen Verdächtigen, Heinrich den Vogler, Richard Löwenherz und Barbarossa, den Kaiser Rotbart lobesam...
Bereits viele appetitanregende Kapitelüberschriften veranlassen einen, wie weiland Hamilkar Schaß "nur noch ein Kapitelchen" zu lesen, und dann vielleicht noch eins, und noch eins. Schließlich will man gar zu gern erfahren, wieso Philipp der Gute und Karl der Kühne unter der Überschrift "Ende einer Badesaison" vorgestellt werden, und "Die wandernde Leiche" verspricht auch einiges -- und hält es dann auch, das ist das Schöne an diesem Buch. Lebe schreibt unterhaltsam und gescheit, rekurriert auf Bekanntes und Unbekanntes, berichtet über Hintergründe und Zeitgenossen.
Wie gesagt, das Buch ist amüsant, aber dennoch nicht zynisch, was man vielleicht befürchten könnte: Iwan der Schreckliche etwa wird nicht im Plauderton verharmlost, genauso wenig die Wikinger aus der "Schwertzeit, Beilzeit". Am Ende bedauert man mit dem Autor, dass seit Mitte des 18. Jahrhunderts die Herrscher immer realistischer geschildert werden, sodass kein Platz mehr ist für aussagekräftige Beinamen. Der verbale Holzschnitt hat eben auch sein Gutes -- z.B. liefert er den Stoff für ein unterhaltsames Buch.