Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen Film mit einer so vielversprechenden Besetzung gesehen habe, der mich nachher so enttäuscht hat. Etwas Ähnliches habe ich schon beim "Bourne Ultimatum" erlebt, aber dort konnte man es wenigstens noch damit erklären, dass die stupide Baller- und Klopper-Action den Stars gar keine Zeit ließ, ihr Können zu zeigen. "War Inc." ist hingegen eigentlich schon ein Film für Schauspieler, und die Grundidee gibt durchaus einiges her. Leider funktioniert die Story in meinen Augen überhaupt nicht. Wenn man es wohlwollend ausdrückt: Der Bush-Imperialismus, die Blackwater-Affäre und manches andere muss den Beteiligten so auf der Seele gedrückt haben, dass sie ihren guten Namen ohne Rücksicht auf Verluste für ein Projekt zur Verfügung stellten, das irgendwie hoppladihopp abgedreht wurde (vielleicht, um auf Teufel komm raus zum US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 in die Kinos zu kommen). Es gibt einige wenige skurrile und gelungene Einfälle - da ist zum Beispiel die Videowand, die den "Viceroy" eines Söldnerkonzerns nicht mit seinem richtigen Gesicht, sondern als konstantes Morphing aller "guten Amerikaner" von George Washington bis Arnold Schwarzenegger zeigt. Leider machen solche Ideen höchstens 5% des Films aus. Der Rest wirkt auf die Schnelle zusammengestrickt und so, als hätte man allerlei Ideen aus früheren Filmen zusammengerührt in der Hoffnung, dass das Ergebnis halbwegs lustig ist - so eine Art "Saturday Night Live" für Anspruchslose. Am besten kann man das an Joan Cusack beobachten, die als Sekretärin für ihren Bruder John eine sehr ähnliche Rolle spielt wie in "Grosse Point Blank". Damals spielte sie ihren schrulligen Charakter sensationell, in "War Inc." ist davon nur unerträgliche Fratzenschneiderei übrig geblieben. Es wäre die Aufgabe des Regisseurs gewesen, seiner Schauspielerin hier das rechte Maß zu vermitteln, aber dazu war Joshua Seftel nicht in der Lage oder nicht Willens. John Cusack nudelt nach Schema F die Rolle des charmanten Lausbuben runter, was wir in "Grosse Point Blank" oder "High Fidelity" schon zehnmal besser gesehen haben. Ben Kingsley hat seine Nominierung für die Goldene Himbeere redlich verdient und Dan Aykroyd auf dem Klo muss ich ehrlich gesagt auch nicht unbedingt sehen. Marisa Tomei ist die einzige, die wacker gegen ein schlechtes Skript anspielt. Nebenbemerkung: Irgendwo soll übrigens auch Ben Cross mitspielen (bekannt aus "Chariots of Fire"). Wer ihn entdeckt hat, bitte melden, denn es würde mich freuen, ihn mal wieder in einem Film zu sehen.
Inhaltlich ist der Eindruck gemischt. Die kritische Auseinandersetzung mit der Ära Bush ist auf jeden Fall wünschenswert, wenngleich das allein natürlich auch nicht ausreicht, um einem Film Qualität zu verleihen. Vereinzelt ist es sogar fast kontraproduktiv. Es ist mit schwarzem Humor ja immer so eine Sache, aber wenn islamistische Terroristen den Hals von Marisa Tomei vermessen, um den besten Kamerawinkel für die bevorstehende Enthauptung zu diskutieren, dann ist das schon ziemlich derb. Ich möchte jedenfalls nicht wissen, wie jemand eine solche Szene empfindet, der einen Familienangehörigen im Irak auf diese Art verloren hat. An manchen Stellen könnte man dem Film vorwerfen, dass er die distanzierte Gleichgültigkeit gegenüber den Kriegen in Nahost, die er offensichtlich bekämpft, gerade selbst an den Tag legt. Gute Satire entlarvt den Gegner, schlechte Satire verharmlost ihn. In James Camerons "True Lies" wirken die Terroristen wirklich bedrohlich, und um so komischer wirkt es dann, als ihnen beim Aufnehmen ihrer Schreckensbotschaft mittendrin die Batterie absäuft. In "War Inc." sind die Terroristen nichts weiter als ein Haufen verblödeter Hampelmänner, wodurch die Satire sich selbst den Boden unter den Füßen wegzieht und zum realitätsentkoppelten Klamauk wird.
Insgesamt kann ich den Film also leider nicht empfehlen. Zum Ausleihen vielleicht ganz nett und mit ein paar orginellen Ideen, aber gerade Fans der genannten Stars werden doch wohl eher enttäuscht.