"Ein weiteres Buch über den Krieg in Afghanistan", wäre eine völlig falsche Beschreibung von 'War', dem neusten Bericht von Sebastian Junger. Der Journalist, der für seine Berichte mehrfach ausgezeichnet wurde, liefert hier eine neue Sicht auf den mittlerweile zehnjährigen Krieg am Hindukusch: "War" zeigt den Krieg aus der Sicht der Soldaten.
Die meisten Bücher über einen Krieg geben eine Übersicht über die Gesamtsituation. Sie beschreiben die historischen und Politischen Hintergründe, sie gegen Einsichten in die Lage und Strategie beider Kriegsparteien, und sie beschreiben das Geschehen am Boden aus der Perspektive eines entfernten, informierten und analytischen Beobachters. In 'War' spielen all diese Aspekte des Afghanistaneinsatzes keine Rolle. Sebastian Junger beschreibt einzig und alleine die Sicht, Gedanken und Gefühle der Soldaten am Boden. Und große politische Pläne, historische Hintergründe, Religionen und Gesamtstrategien, spielen für die meisten Männer dort keine Rolle. Hier geht es nur darum, Aufträge möglichst perfekt auszuführen, und dabei nach Möglichkeit nicht zu sterben, oder, viel wichtiger, niemanden anderen sterben zu lassen. Nur darum geht es ihnen.
Sebastian Junger verbrachte während fünf Aufenthalten insgesamt 15 Monate bei einer Kampfeinheit in Afghanistan. Diese kontrollierte das Korengal-Tal, den meist umkämpften, unsichersten und gefährlichsten Ort, in einem insgesamt umkämpften, unsicheren und gefährlichen Land. Hier lebte er mit den Soldaten in Drahtverschlägen, die als Basis dienten, ging mit ihnen auf Patrouille, geriet in Feuergefechte, erlebte Angriffe auf die Stellung mit. Er sah, wie Soldaten starben, oder wie sie ihr Leben riskierten, um ihre Kameraden zu retten. Aber auch Tage und Woche der Langeweile gehörten dazu, in denen sich die Männer auf einmal ein Feuergefecht herbeiwünschten. In all der Zeit sprach Junger mit den Soldaten, um einen Einblick in ihre Psyche zu erhalten. In seinem Buch beschreibt er nun diese Situationen. Anschließend versucht er, das Verhalten der Soldaten zu interpretieren und zu erklären. Warum wünschen sich Soldaten ein Feuergefecht, wenn einmal wenige Tage gar nichts passiert. Warum läuft ein Soldat in einen Kugelhagel, um einen verwundeten oder gar schon toten Kameraden zu retten? Wie behalten sie die Fassung, wenn sie in einen Hinterhalt geraten? Aber auch, die Dynamik der Kameradschaft und Freundschaft zwischen den Männern, die über Monate auf engstem Raum zusammenhocken.
Das Ergebnis ist ein Buch, das sich von den anderen Büchern zum Thema abhebt und einen eindringlichen und brillanten Einblick in das Leben von Soldaten in einem modernen asymmetrischen Krieg liefert. Empfehlenswert somit nicht nur für diejenigen, die sich für den Krieg in Afghanistan interessieren, sondern vor allem und in erster Linie für alle, die wissen wollen, wie Mensch mit ihrem Einsatz in einem Kriegsgebiet umgehen.