Am Ende des Buches wird ein Mensch geboren und aktuelle Zeitungen melden den gerade erfolgten Atombombenabwurf auf Hiroshima. So wird der 2. Weltkrieg auf grausamste Art beendet, während in Europa bereits neues Leben keimt.
Levi hat eine Romanhandlung konstruiert, die sich eng an die Abläufe der letzten Kriegsjahre anlehnt, und deren Charaktere Erlebnisse von Zeitzeugen adaptieren.
Die Geschichte wird auf einfache und anrührende Art erzählt. Sie liest sich streckenweise wie ein Abenteurroman, hier und da auch etwas verwirrend oder gar langweilig. Man kann durchaus die Frage stellen, ob die Form dem dramatischen Hintergrund wirklich gerecht wird. Denn es geht um ein Thema von großer Bedeutung und Tragweite, das uns auch heute noch alle betrifft: Antisemitismus, Judenverfolgung, Holocaust.
Das Schicksal der jüdischen Bevölkerung im Gebiet der damaligen Ostfront war einer ganz speziellen Bedrohung ausgesetzt: dem Ausrottungsziel durch die deutsche Besatzung und der Zustimmung oder gar Unterstützung dieser Maßnahmen durch große Teile der einheimischen Bewohner - gleich ob Russen, Ukrainer oder Polen (so der Autor).
Eine Unmenge von Personen und Konstellationenen treten auf. Niemand spielt eine wirklich tragende Rolle, die dem Leser ans Herz gelegt würde. Der Weg des Uhrmachers Mendel bildet den roten Faden der Geschichte. Er war Soldat der Roten Armee, geriet in Gefangenschaft und konnte aus einem Lager entkommen. Auf seiner Flucht richtung Westen begegnet er erst einzelnen Versprengten, später verschiedenen Gruppierungen, die alle auf ihre Art versuchen, der Bedrohung durch SS-Kommandos, Wehrmacht, Zuträger und Spitzel zu entgehen. Erhebliche Gefahren liegen auch in den Überlebensbedingungen: endlose Sümpfe, klirrende Winterkälte, Nahrungsmangel.
Als durchaus verschieden in ihrem Selbstverständnis erweisen sich diese im Untergrund lebenden Menschenansammlungen. Notwendigerweise herrscht stets eine straffe Hierarchie, egal ob der Zweck des Zusammenschließens das pure Überstehen des Winters darstellt, oder ob es sich um Einheiten von Widerstandskämpfern handelt. Manche bilden Außenposten der Russischen Streitkräfte und sind den Anweisungen ihrer NKWD-Kommissare unterstellt, andere agieren als heimliche Armee der exilierten polnischen Regierung. Man benötigt eigentlich parallel ein Geschichtsbuch beim Lesen, um orientiert zu bleiben.
Auf diese Weise präsentiert der Autor die Komplexität der verworrenen Frontverläufe mitsamt aller vorkommenden antijüdischen Einstellungen und Verhaltensweisen. Gleichzeitig erfährt man auch einiges über die Mentalität und Alltagsvorstellungen einfacher und doch völlig verschieden aufgewachsener Landjuden aus allen möglichen Gegenden des Ostens.
Es liegt nahe, dass in diesem Buch viel gestorben und getötet wird. Das einzelne Leben zählt nicht viel, wird gegeneinander aufgerechnet. Brutalität, Vergeltung, schnelle Entscheidungen prägen den Umgang. Und immer bilden sich doch zaghafte Beziehungen heraus (kompliziert, da einige junge Frauen dazugehören), wenn auch nur kurz und manchmal enttäuschend verlaufend.
Schließlich findet sich ein Partisanenkommando - die 'Gedalisten' - mit Ausnahme eines christlich aufgewachsenen Mitglieds ein exclusiv aus jüdischen Kämpfern beiderlei Geschlechts bestehendes Kollektiv. Sie halten fest zusammen, beabsichtigen Palästina zu erreichen, dann dort ein neues Leben aufzubauen - und sie führen auf ihrem Marsch nach Westen eine Reihe von Sabotage- und Racheaktionen durch. Unter großen Verlusten gelangen sie endlich nach Westpolen/Ostdeutschland in befriedete Regionen und können sich eine Zugfahrt nach Italien organisieren; ein von Levi in liebevollen Farben dargestelltes Land.
Das Buch ist insgesamt lesenswert, informativ, unterhaltsam und ergreifend - doch, mit Verlaub, aus heutiger Sicht auch ein wenig verharmlosend. Für die Thematik gibt es wohl geeignetere Literatur: authentische Tagebücher von Verfolgten, Zeitzeugenberichte, romanhafte Verarbeitung des eigenen Schicksals (etwa von Aharon Appelfeld). Aber wichtig vor allem: die Bewusstmachung des Geschehenen und seiner geistigen Voraussetzungen.