Die Neuchronologisierung der beiden Autoren geht von einigen Grundvoraussetzungen aus, die keineswegs zwingend sind:
1. Evolutionismus und Fortschittsideologie. Die Autoren glauben ganz selbstverständlich, daß sich Kultur immer zwangsläufig in irgendeiner Form weiterentwickelt. Diese aus der Neuzeit stammende Fortschrittsgläubigkeit ist aber längst widerlegt. Vielmehr leben wir heutzutage in einer Zeit des bösen Erwachens, die immer mehr zeigt, wie trügerisch sog. Fortschritte sind. Es kann durchaus sein, daß sich Kulturen rückentwickeln oder alte Fertigkeiten vergessen werden. Gerade das Zeitalter der Retro-Mode zeigt anschaulich, wie alte Formen sehr wohl wiederholt werden. Niemand z.B. kommt auf die Idee, das Jahr 2002 ins Jahr 1970 zurückzudatieren, bloß weil die Mode der 70er wieder en Vogue ist.
2. Kultursynchronisation. Die Autoren gehen davon aus, daß es keine geografischen Kulturgefälle gegeben habe. Das würde für unsere Zeit bedeuten, daß das industrialisierte Europa und Amerika zurück ins Mittelalter datiert werden müßten, um mit den Ländern der sog. 3. Welt konform gehen zu können.
3. Eisenverwendung beim Pyramidenbau. Die Autoren scheinen die Grundlagen der Metallurgie nicht zu beherrschen. Bronze ist keineswegs weicher als der antike Stahl. Erst in der Neuzeit hat man Stahl entwickelt, der signifikant härter als Bronze ist. Außerdem eignen sich für die Bearbeitung des Steines der Pyramiden weder Eisen noch Bronze besonders gut. Wesentlich besser dagegen eignen sich Steinwerkzeuge. Insofern ist die Früdatierung der Pyramiden aus technischen Gesichtspunkten keineswegs abwegig.
Insgesamt wären für derart radikale Thesen, wie sie die Autoren vertreten, handfestere Beweise und solidere Kenntnise über kulturelle Möglichkeiten und Vorgänge wünschenswert.