Daniel Hopes "Wegweiser für Konzertgänger" ist ein sehr informatives Buch, in dem selbst passionierte Konzertbesucher noch Neues, ihnen bislang Unbekanntes entdecken können. In geschliffener Sprache gibt der Autor Auskunft über die Rituale auf der Bühne und das, was sich vor dem Konzert hinter der Bühne vollzieht. Darüber hinaus versucht er - und ich denke, durchaus mit Erfolg - dem Leser Basics nahe zu bringen, wie zum Beispiel den historischen Background der Epochen Barock, Klassik, Romantik sowie der Moderne.
Das Buch ist ein Plädoyer für das Live-Erlebnis Konzert, um dessen Fortbestand Hope sich zu Recht Sorgen macht. (Das Durchschnittsalter der Konzertbesucher, auch das erfährt man in dem Buch, liegt mittlerweile bei über 60!!!) Das macht es nicht zuletzt für Jugendliche, die zwar Klassik mögen, aber Berührungsängste vor einem Konzertbesuch haben, zu einem wichtigen Ratgeber, der Schwellenängste abbauen kann.
Hopes Sprache ist allgemeinverständlich, weit entfernt vom verschwurbelten Deutsch gewisser Kritiker, die natürlich auf den knapp 250 Seiten auch ihr Fett abkriegen. Der Autor tritt mit dem Leser in direkten Kontakt, schreibt für den interessierten Durchschnittsbürger, ohne seinen Rang als Musiker unter den Scheffel zu stellen.
Der Text zeugt von umfassender literarisch-kultureller Bildung - Zitate von Goethe über Schiller und Thomas Mann bis hin zu Oscar Wilde untermauern das Bild, das hier von der Welt der Kunst und der klassischen Musik par excellence gezeichnet wird.
Sehr sympathisch auch, dass Hope es vermeidet, sich dem Zeitgeist anzubiedern. Im Gegensatz beispielsweise zu Michael Walsh, der einem Llloyd Webber das Wort redet, indem er dessen Machwerke über Rossini stellt. In Walshs Buch "Keine Angst vor klassischer Musik" finden sich über die Klavierkonzerte von Liszt so unsägliche Sätze wie "...sie sind ähnlich wie die von Chopin, nur die sind noch schlechter." - Von derartigem Blödsinn kann bei Hope keine Rede sein. Er begegnet den großen Meistern mit dem angemessenen Respekt, ohne in Ehrfurcht zu erstarren.
Das Erleben von Musik wird als eine ausgewogene Mischung aus "Bauch" und "Kopf" beschrieben, wobei Hope dem Leser vermittelt, dass sich das Bauchgefühl durch eine vorbereitende intellektuelle Aneignung von Backgroundwissen über Formales, Biografisches und den zeitgeschichtlichen Hintergrund durchaus steigern lässt.
Alles in allem ein kluges Buch, dessen Lektüre auch noch ein Lesevergnügen ist.