Selten war ich bei einem Buch bzw. Ebook so zwiegespalten, wie bei "Wandel des Herzens". Diese Geschichte spielt in einer Welt, die unserer sehr ähnlich ist, mal abgesehen davon, dass hier Gestaltwandler oder eben Werkatzen das Straßenbild zieren. Es ist eine sehr kompakte Welt, mit erstaunlichen Gesetzen und Regeln innerhalb eines Gestaltwandlerstamms und auch im Umgang mit anderen Clans. An der Spitze steht der Semel, der Anführer, und die Reah, die Gefährtin. Reahs sind ungeheuer selten, auf eine Million Gestaltwandler kommt vielleicht eine Reah. Semel und Reah sind von Geburt an für einander bestimmt, ein Blick genüg um zu wissen, dass der Partner fürs Leben vor einem steht. Semel und Reah sind die einzigen, die sich für die Ewigkeit aneinander binden. Da Reahs so selten sind, der Semel sich aber fortpflanzen muss um seine Blutlinie zu erhalten, nimmt er sich eine Yareah, eine "normale" Gestaltwandlerin. Diese Bindung kann zwar ebenfalls auf Liebe beruhen, allerdings ist das kein Vergleich zu den Gefühlen, die ein Semel und die vom Schicksal auserkorene Reah für einander empfinden. (Erinnert mich sehr an die Prägung der Werwölfe in der Twilight-Saga).
Nun kommen wir also zu Jin, die einzige männliche Reah, die bekannt ist. Man muss sich vorstellen, wenn weibliche Reahs schon selten sind, wie oft kommen dann männliche vor. Jin wurde aus seinem Stamm vertrieben, da er als männliche Reah eine "Missgeburt" ist. Das er schwul ist, ist lediglich das I-Tüpfelchen. Sollte er den ihm vorbestimmten Semel treffen, wäre er nicht fähig ihm die Nachkommen zu schenken, die notwendig sind um die Blutlinie zu erhalten. Jin ist sich dessen bewusst. Kein Semel würde sich je für ihn entscheiden, außer vielleicht aus Prestigegründen, denn Reahs sind ein Segen und ein Geschenk Gottes. Als er Logan trifft und ihm klar wird, dass er sein Gefährte ist, versucht er die Flucht zu ergreifen. Er hält nichts davon, keine Wahlmöglichkeit bei seinem Partner zu haben, sondern das Schicksal entscheiden lassen zu müssen. Abgesehen davon ist er sich sicher, dass, auch wenn Logan mit ihm schlafen möchte, dies nur Neugier ist, und Logan ihn früher oder später versuchen wird loszuwerden. Da Jin schon einmal aus einem Stamm auf brutale Weise vertrieben wurde, möchte er das um jeden Preis vermeiden.
Die Welt, die Gesetze, die hier eine wichtige Rolle spielen, waren sehr interessant und mal was Neues, was ich persönlich so noch nicht kannte. Allerdings wird uns Jin hier als "Überwesen" präsentiert. Eine Reah, eine männliche noch dazu, ist schon beinahe unmöglich (das hätte doch gereicht um seine wichtige Rolle aufzuzeigen), zusätzlich ist er aber auch noch der mächtigste Panther, verwandelt sich innerhalb eines Wimpernschlags, während andere Minuten brauchen. Er ist schneller als alle anderen, er ist stärker als alle anderen und er ist (scheinbar) klüger als alle anderen. Als er entführt wird und ich dachte "So Logan, jetzt zeig mal was du kannst" befreit sich Jin mal eben selbst und anstatt zu fliehen, geht er in den angrenzenden Club und feiert ne Runde. Als Jin hingegen Logan rettet und danach versucht aus Logans Leben zu verschwinden, kommt nochmal jeder aus Logans Stamm zu Wort um Jin hinterher zu rufen, wie wertvoll er ist und das sie ihn dringend brauchen. Selbst sein Feind weint und will ihn aufhalten. Das war etwas zu viel. Logan baut in jeden zweiten Satz "..meine Reah.." oder "..mein Gefährte.." ein und Jin knickt sofort ein, als Logan ihn mit seinem Mal versehen will (ein Biss im Nacken, der eine sichtbare Narbe hinterlässt). Außerdem sind die Küsse immer "fordernd" und "hart" ebenso wie die Momente der Zweisamkeit. Natürlich ist man nicht immer langsam und zärtlich, aber wenn man bedenkt, wie oft die Zwei miteinander rummachen, hätte mir beim Lesen etwas Abwechslung gutgetan. Die Kernhandlung umfasst etwa 24 Stunden und es wird bereits mehrfach das L-Wort benutzt. Es war für mich etwas zu schnell, nicht immer nachvollziehbar und nur selten ging die Spannungskurve etwas hoch.
ABER, es ist wirklich flüssig geschrieben und liest sich fast wie von selbst. Ich war erstaunt, wie schnell ich durch war, ohne zu merken, dass der ganze Nachmittag ins Land gegangen ist.
Diese Geschichte haut mich nicht vom Hocker, ist aber auch nicht schlecht.