Es wurde auch langsam mal Zeit: eine Biographie über Walter Kempowski war absolut überfällig. Und um es vorweg zu nehmen - meines Erachtens hat der Germanist Dirk Hempel ein sorgfältig und liebevoll erarbeitetes Stück Literaturgeschichte abgeliefert. Da gibt es einen enorm umfangreichen, sehr gut strukturierten und informativen Anhang, viele sehr schöne Fotografien runden den Text wunderbar ab. Aber der Text variiert in seiner Qualität ein wenig: sehr gelungen sind m.E. beispielsweise die Kapitel über die Familiengeschichte der Kempowskis, Kempowskis Kindheit, seine Zeit in Bautzen und seine Zeit nach der Ankunft in der Bundesrepublik. Und das deutet schon ein Manko dieses Bandes an: Die Begleitung seines Prozesses als Schriftsteller erschöpft sich oftmals im seitenlangen Zitieren von zeitgenössischen Rezensionen. Das ist ermüdend und bleibt bei der Halbwertzeit des Löwenanteils der Literaturkritik seltsam farblos.
Und es zeigt zudem ein weiteres Problem auf, welches ich mit diesem Buch habe - und was ich leider schon befürchtete, bevor ich mit der Lektüre begann - das Buch ist eine 250 Seiten lange Apologie des Autors Walter Kempowski. Man mag einwenden, dass auch das überfällig wäre, und gerade die zwiespältigen Reaktionen zwischen einem Überschwang für das "Echolot" einerseits und der barschen Ablehnung seiner belletristischen Texte andererseits mag das verdeutlichen. Doch allein: was interessiert mich das als Leser? Ich weiss, warum ich Kempowski mag und ich weiss ebenfalls, dass ich mich nicht erst seit Uwe Johnson und Max Goldt in guter Gesellschaft befinde.
Diesem Buch würde ich in einer Neuauflage einige überarbeitete Passagen wünschen, in welchen Motivation, Leiden und Leidenschaften des Autors Walter Kempowksi deutlicher zutage treten. Dann würde es dem eigenen Anspruch gerechter, die erste Biographie Walter Kempowskis zu sein. Aber auch abgesehen davon, sollten Kempowski Freunde dieses Buch nicht übersehen: man kann es trotz aller Kritik noch immer mit großem Gewinn lesen.