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Wallenstein: Sein Leben erzählt von Golo Mann
 
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Wallenstein: Sein Leben erzählt von Golo Mann [Gebundene Ausgabe]

Golo Mann
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (24 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Der Spiegel

Maler des Einmaligen

Ein „großes Erzählwerk“ nannte sie Rudolf Augstein in einer mehrseitigen SPIEGEL-Rezension; die „Neue Zürcher Zeitung“ kürte sie zu einem „Meisterwerk der Geschichtsschreibung“: die „Wallenstein“-Biografie von Golo Mann (1909 bis 1994).

Auch wenn es Kritik gab (die „Frankfurter Rundschau“ monierte, bei der Erwähnung des mecklenburgischen Kannibalismus sei der Autor wohl zeitgenössischen „Übertreibungen“ aufgesessen), war das Erscheinen dieses 1368-Seiten-Werks im Jahr 1971 ein großes Medienereignis. Mit der fast zwangsläufigen Folge, dass der von Golo Mann so lebendig wie detailliert erzählte Aufstieg und Fall des legendären Feldherrn und Herzogs von Friedland wenige Jahre später, 1978, in einer vierteiligen Fernsehverfilmung für das ZDF nachgezeichnet wurde.

Albrecht Wenzel Eusebius Wallenstein (1583 bis 1634) war ein böhmischer Adliger, der die habsburgisch-kaiserlichen Truppen unter anderem erfolgreich gegen den dänischen König Christian IV. und gegen den militanten Schweden-Herrscher Gustav II. Adolf führte (Gustav Adolf starb 1632 in der Schlacht bei Lützen); und der trotz dieser militärischen Erfolge, die auch sein Vermögen kräftig mehrten, am Ende von kaiserlichen Offizieren in Eger ermordet wurde – wegen angeblicher Verschwörungspläne gegen den Kaiser.

Wallenstein, der ökonomisch-effizient, also sehr modern dachte, zugleich aber noch an Astrologie glaubte, ist eine der schillerndsten und faszinierendsten Gestalten des Dreißigjährigen Krieges. Sie hat, auch unter dem Eindruck von Schillers Großdrama zu diesem Thema, Thomas Manns mittleren Sohn schon in den frühen dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts angezogen: Golo Mann schrieb 1932/33 eine historische Staatsexamensarbeit über die Geschichte der Wallenstein-Forschung.

War diese noch rein wissenschaftlich, geriet ihm die spätere Bio¬grafie eher zu einem „historischen Roman“, wie er selbst einmal bekannt hat. Ein gewisser „Anteil an Poesie“ sei für den Histori¬ker unvermeidlich, meinte er, weil die Geschichtsschreibung es mit dem Einmaligen und Ähnlichen, zumal mit ungewöhnlichen Individuen zu tun habe, und nicht mit strikt Vergleichbarem, das dann zur Grundlage irgendwelcher Gesetze werden könne.

Vor allem zwei Mittel sind es, mit denen Golo Mann diesem Einmaligen nahe zu kommen versucht: psychologische Einfühlung bis an den Rand der Spekulation; und das Schattieren von Nuancen, ob sie nun Landschaften betreffen oder das jeweilige „Schachspiel“ der Fürsten und Hofschranzen.

Eindrucksvoll, wie der Autor mit wenigen Strichen Orte skizziert: Er sieht, gleich zu Beginn, das Dorf Hermanitz „im Osten des schönen Landes Böhmen“ liegen, „an der Elbe oder Labe, dort, wo sie nach Süden fließt. Die Gegend, mit Wiesen, bewegtem Wasser und buchenwaldumzogener Höhenkette, ist lieblich noch heute, obgleich nicht ganz so, wie vor Zeiten, als um das Castell nur wenige Wirtschaftsgebäude und Wohnungen für die Leibeigenen standen.“ An anderer Stelle rühmt er das „böhmische Paradies mit seinen sandbestreuten Felsen und Fichten, rollendes Hügelland und fette Weiden, waldige Ausläufer des Riesengebirges“.

Von Joachim Fest, der Golo Mann in seinen „Begegnungen“ (2004) ein Porträt gewidmet hat, wissen wir: Golo Mann war ein Augenmensch. Malend hätte einer wie er, so gestand er, noch besser als mit Geschichtsschreibung es schaffen können, die „tausend Schrecken der Welt durch Formanstrengung“ zu bannen.

So fesselt das „Wallenstein“-Buch, das die späte Friedensliebe des Feldherrn vielleicht etwas überschätzt, vor allem durch eine Anschaulichkeit, die nicht selten ans Malerische grenzt (besonders gelungen in dem Kapitel „Mecklenburg“). Und die, da sie zum verweilenden Blick animiert, in reizvoller Spannung steht zum oft wie atemlos vorwärts drängenden Rhythmus der Sätze, deren archaisierender Tonfall immer wieder an eine alte Chronik erinnert.

Nachwort von Mathias Schreiber zu Wallenstein. SPIEGEL-Edition Band 3 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

Ein Klassiker der Geschichtsschreibung. Noch immer gilt Sebastian Haffners Diktum: "Golo Manns Buch ist das ausführlichste, das je über diesen Gegenstand geschrieben worden ist, und zugleich das kurzweiligste. Der Autor bringt die Geschichte selbst zum Sprechen, und der Leser, eingesponnen und getragen von einer epischen Gestaltungskraft, die in Deutschland heute nicht ihresgleichen hat, schließt das Buch mit dem Gefühl er sei zum erstenmal selbst dabeigewesen."

Kurzbeschreibung

In dieser großen deutschen Biographie haben sich der Geist der Wissenschaft und der Geist der Erzählung einzigartig verbündet. Golo Mann erzählt eine Geschichte, in die zahllose denkwürdige Geschichten eingewoben sind, die Geschichte eines Lebens voller Glanz und Hinfälligkeit, voller Widerspruch und spät gelöster Rätsel; er erzählt auch die Geschichte einer an finster-eindrucksvollen Figuren reichen, einer wilden und heillosen Zeit. Wallenstein ist der Protagonist und das Opfer. Die Bühne, auf der er steht und agiert, ist Europa. Sein Handeln, Zögern und Scheitern, sein Charakter werden einfühlend erforscht und hinreißend dargestellt - der Gelehrte, der schon 1934 einen ersten Wallenstein-Essay veröffentlichte, geht dem Erzähler stets voraus, prüft Dokumente und Daten, erschließt unbekannte Quellen, zitiert und vergleicht, deckt Wirklichkeit und Wahrheit auf, durchmißt und veranschaulicht den Raum seiner Geschichte. Das Ergebnis ist ein historischer Roman, authentisch und groß. Wallensteins ebenso bündige wie bildhafte Sprache und viele andere Stimmen seiner Zeit klingen mit in der Prosa Golo Manns. Gründliche Anmerkungen belegen Erkenntnisse und Darstellung. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Golo Mann, 1909-1994, wurde in München geboren. Er erhielt zahlreiche Literaturpreise, so auch 1985 den Goethepreis.
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