Manchmal zeigen die ersten Minuten bereits, was ein Film bringen wird. Der Start von Wall Street 2 steht da dem ersten Teil in nichts nach. Die melancholische Stimmung von David Byrnes "Home" führt mit einer Kamerafahrt durch New York einen zurückkehrenden Michael Douglas nach Hause. Ab da wurde dann jedoch vieles anders im Vergleich zum Original. Im Mittelpunkt steht vordergründig die zerüttete Beziehung zwischen dem gescheiterten Ex-Broker und seiner Tochter. Die Nähe zu ihr möchte Gecko durch ihren Verlobten (Shia LaBeouf) erreichen, der jedoch ebenso wie Gecko seine eigene Agenda einbringt. Die vordergründige adrenalinsprühende Händlerwelt verliert bei diesen Grundthemen immer wieder das alte "Gier ist gut"-Motto. Für mich war Teil 2 überraschend, aber nicht schlecht. Macht, Geld und eine nach Erfolg drängende Jugend scheinen ihrem Ende entgegen zu sehen. An ihre Stellen traten dafür viel mehr Altersweisheit und eine Form der Zurückhaltung. So glaubt man das, bis zum letzten Akt, um dann doch eines besseren belehrt zu werden. Der Schlussakkord der letzten zwei Minuten passt nicht wirklich zum letzten Filmdrittel. Schade, da hatte ich etwas Erfrischenderes erhofft. Vielleicht schreibt Oliver Stone hier noch einmal ein alternatives Filmende.
Bild und Ton waren auf der BluRay erwartungsgemäß auf einer wesentlich höheren Entwicklungsstufe, als beim Original. Dabei stört leider, dass nur englischer HD Sound angeboten wird. Dennoch ist auch die deutsche 5.1 Tonspur durchaus gut gemischt. Untertitel sind in allen wichtigen Sprachen vorhanden. Die informativen Extras auf der Disc und Live Extras sind sehr exzellent, vor allem der direkte Zugriff auf die Filmdatenbank IMDb ist vorblildlich. Besonders hervorzuheben aus der Vielfalt an Informationen möchte ich die Infos zu Cast and Characters, die sogar nach Actors in Chapter ungeahnte Details lieferten (z.B. Richard Strattons Filmographie, der hier nur den 20 Sekunden-Auftritt als Prison Cage Guard hatte).
Aber die Vorteile bei der Technik verliert das Sequel im Inhalt. Die Geschichte begeistert eben nicht mehr auf Anhieb. Die Schauspieler sind - mit Ausnahme von Shia LaBeouf, der etwas abfällt - wieder hervorragend besetzt. Die Tochter Carey Mulligan, aber auch Nebenrollen von Susan Sarandon, Josh Brolin und Charlie Sheens Kurzauftritt, fügen sich gekonnt ein. Oliver Stone schafft es wieder einmal, etwas anderes als erwartet abzuliefern. Die Geschichte, trotz des wieder entdeckten Wortwitzes, führt hier zu nur noch guten 3 Sternen. Die Schauspieler sind 4 Sterne wert. Mit der Technik gibt es hier von mir knappe 4 Sterne.