Oliver Stones WALLSTREET ist der Finanz-Thriller schlechthin. Alles ist perfekt, ob Schauspieler, Ausstattung, Kamera oder Dramaturgie. Und er atmet wie kaum ein anderer Film den Geist seiner Entstehungszeit aus, der Reagan-Ära mit ihrem Alles ist möglich-Credo, in dem die Wurzel für die Finanzmarktkrise gelegt wurde.
Wir verfolgen den New Yorker Nachwuchsbroker Bud Fox (Charlie Sheen) auf seinem ehrgeizigen Weg zu den Machtstellen der Finanzjongleure. Er will am großen Kuchen der Wallstreet teilhaben, sucht und findet den Weg zu Gordon Gekko (Michael Douglas), dem ultimativen Schreckgespenst aller Heuschrecken-Alpträume sozialdemokratischer Politiker, einem Wallstreet-Finanzhai, dessen Religion der Profit, dessen Lebenszweck der immerwährende Sieg und dessen Lebensweisheit "Gier ist gut" ist. Über einen Insider-Deal kommen sich die beiden näher, Sheen steigt bald auf bis in eine Penthouse-Wohnung in Midtown Manhattan und erreicht die Zuneigung der schönen Künstlerin (Derryl Hannah). Am Ende ist er jedoch auch nur eine von Gekkos Marionetten und endet als Kronzeuge der Börsenaufsicht
Michael Douglas sieht man hier in seiner besten und zurecht Oscar-prämierten Rolle als eiskalter Spekulant ohne jeden Skrupel, dessen Charisma man sich nur schwer entziehen kann; das ist Schauspielkunst der absoluten Spitzenklasse.
Charlie Sheen hält auf annähernd gutem Niveau mit. Er vermittelt glaubwürdig den Spagat, den Fox stemmen muss zwischen seiner grundanständig-provinziellen Vorstadt-Herkunft und dem Aasgeier-Kapitalismus Manhattans; auch bei seiner Wandlung vom Saulus zum Paulus kommt er nicht ins Straucheln.
Derryl Hannah ist wie so oft die geheimnisvolle etwas blutleere Schönheit, deren Zuneigung mehr Opportunismus als wahres Gefühl ist und die Fox in dem Augenblick fallen lässt, in dem sie ihre eigene Position an den Fleischtöpfen der Gekko-Clique gefährdet sieht.
Oliver Stone baut diese spannende Geschichte moralisch auf, es fällt leicht, den Guten von den Bösen zu unterscheiden. Wie in einem antiken Drama verläuft der Prozess der Läuterung des Helden durch den Moment der Erkenntnis: Zunächst die Versuchung, als Fox von Gekkos Gier infiziert und von ihm eingespannt wird in das Spiel des sich immer weiterdrehenden Hypes von Börsenkursen und Finanzmanipulationen; und Fox, für den Gekko Vorbild, Lehrmeister und Ersatzvater ist, macht bereitwillig mit im Spiel mit dem großen Geld, der vernachlässigbaren Integrität und dem ausgeblendeten Gewissen. Erst als mit seiner Hilfe die Fluggesellschaft, in der sein Vater (Martin Sheen) arbeitet, von Gekko gefressen und zerschlagen werden soll, realisiert er die Achterbahn, auf der er sich im freien Fall befindet - und kommt zu einer Lösung, die seinem Lehrer alle Ehre gemacht hätte.
Auch nach 20 Jahren ist der Film hochbrisant und fehlerlos. Für mich einer der stärksten überhaupt.