Mit dieser Blu-Ray bietet Twentieth Century Fox sowohl Oliver Stones "Wall Street"-Klassiker aus dem Jahr 1987, als auch die Fortsetzung "Wall Street - Geld schläft nicht" aus dem Jahr 2010 gemeinsam in einer Box an. Somit hat der Käufer die Möglichkeit, den roten Faden nachzuvollziehen, der sich durch beide Filme zieht. Das zentralen Elemente dabei sind in beiden Fällen: Geld und Gier!
ÜBER "WALL STREET":
Mit "Wall Street" drehte Oliver Stone in den 80ern ein recht treffendes Abbild der damaligen Gepflogenheiten an der Wall Street. Auch wer als Zuschauer nur wenig Ahnung von den Mechanismen an einer Aktienbörse besitzt, kann der Handlung problemlos folgen. Das Börsenumfeld dient nur als Aufhänger für den täglichen Kampf um (finanziellen) Erfolg und Zuneigung und der gleichzeitigen Angst vor (finanziellem) Verlust, Niederlage oder gesellschaftlichem Abstieg.
Gordon Gekko ist dabei der personifizierte Inbegriff von Geld und Gier. Der junge, aufstrebende Broker Bud Fox ist sein moralischer Gegenpart. Auch wenn Bud Fox bis zuletzt an das Gute glaubt und entsprechend handelt, so muss er schmerzhaft erfahren, dass er dem anfänglichen Vorbild Gordon Gekko niemals nacheifern kann (und will). Fox ist schlicht und ergreifend nicht kalt und gewissenlos genug. Während für Gekko das Spiel und die Gewinnmaximierung im Mittelpunkt stehen, zählen für Fox die Schicksale von Menschen. Während der eine im Handstreich tausende von Arbeitsplätzen vernichtet und sich gut dabei fühlt, fürchtet der andere gleichzeitig, seine Seele zu verkaufen.
Grandios ist Michael Douglas in der Rolle des gerissenen, berechnenden und manipulierenden Gordon Gekko. Der junge Charlie Sheen kann daneben nur bedingt brillieren. Sehr gut besetzt ist "Wall Street" jedoch mit Martin Sheen, Hal Holbrook, John C. McGinley und Daryl Hannah bis in die kleinsten Nebenrollen.
Auch wenn sich die Finanzwelt seit dem Jahr 1987 extrem verändert hat, so sind die Mechanismen bis heute dieselben. Der Film mag hinsichtlich der damaligen Technologie und Mode inzwischen deutlich angestaubt wirken. Das Thema ist heute so aktuell wie damals und mindestens ebenso faszinierend, denn...
ÜBER "WALL STREET - GELD SCHLÄFT NICHT"
... die internationale Finanzkrise im Jahr 2008 war für Oliver Stone der Grund, Gordon Gekko wieder in den Ring steigen zulassen. Aus dem Gefängnis entlassen und scheinbar geläutert, trifft er dieses Mal auf den jungen Broker Jake Moore mit dessen gemeinsamen Gegner Bretton James, quasi der Gordon Gekko der Moderne. Wurden 1987 "nur" Millionen Dollar bewegt, so sind es nun Milliarden Dollar, die in Sekundenschnelle transferiert werden. Doch auch hier werden wieder ganz persönliche Gefühle und Instinkte angesprochen.
***** SPOILERWARNUNG *****
Der Film ist packend, lässt jedoch Gordon Gekko teilweise als zögernden und zaudernden Menschen erleben. Zwar verfällt er hin und wieder in alte Verhaltensmuster, jedoch ist insbesondere beim zu positiven Finale nichts mehr vom alten Gekko zu sehen. Plötzlich stehen für ihn moralische und familiäre Werte über finanziellen Werten. Mir persönlich war der gnadenlose Gordon Gekko aus den 80ern lieber. Der eigentlich sehr gute Film leidet unter dieser finalen Inkonsequenz
***** ENDE SPOILERWARNUNG *****
Da ich Shia LeBeouf für überschätzt halte, ist für mich der moralische Anker in diesem Film nicht optimal besetzt. Auch hinterlässt Carey Mulligan als Gekkos Tochter keinen bleibenden Eindruck. Lediglich Frank Langella und insbesondere Josh Brolin als Bretton James wissen zu faszinieren. Sehr schön ist Charlie Sheens Kurzauftritt als Bud Fox. Um jedoch der Unterhaltung zwischen ihm und Gekko uneingeschränkt folgen zu können, sollte man Teil 1 gesehen haben.
ÜBER DIE BLU-RAYS:
"WALL STREET":
Man merkt der Vorlage ihr Alter deutlich an. Sowohl Bild als auch Ton sind bestenfalls durchschnittlich. Beim Ton ist auffällig, dass Bässe kaum stattfinden und die Höhen im Laufe der Jahre deutlich gelitten haben. Wer bereits die DVD-Version besitzen sollte, muss diese Fassung nicht besitzen.
"WALL STREET - GELD SCHLÄFT NICHT":
Bild und Ton entsprechen den Qualitätsstandards heutiger Produktionen. Das Bild zeigt kräftige Farben und eine sehr hohe Schärfe. Beim Ton überrascht positiv vor allem der hin und wieder einsetzende Bass, der zusammen mit der sehr gelungenen Dynamik für sehr freudige Ohren bei Soundliebhabern sorgt (Mororradszene!)
Als Extra ist hier insbesondere die 50-minütige Doku über die Wall Street und den Parallelen zu den beiden Filmen zu empfehlen. Diese ist sehr informativ und bietet sich quasi als Abschluss eines langen "Wall Street"-Abends an.