Der Wechsel Peter Pathos ' Pat Prziwara hat aus Fiddler's Green eine andere Band gemacht. Fiddler's Green behauptet zwar immer noch, 'Irish Independent Speed Folk' zu spieln, da bin ich aber anderer Meinung.
Solche Sätze wie 'Die neue Fiddler's Green Scheibe ist nicht mehr Fiddler's Green' werde ich nicht loslassen, es ist doch nur legitim sich weiterzuentwickeln. Fiddler's Green werden immer Fiddler's Green bleiben, auch wenn sie auf einmal beginnen würden, Metal zu spielen. Wer solche Sätze von sich gibt, hat oft einen ganz genaue Vorstellung, wie das nächste Album für Ihn auszusehen hat, und wird dann enttäuscht. Natürlich ist dieser Gedanke Schwachsinn. Ich hatte ihn auch, ich denke, das ist ganz normal, aber ich würde deshalb nie wegen meiner persönlichen Enttäuschung eine schlechte Bewertung vergeben, das hat in diesem Fall andere Gründe. Man kann auch von keiner Band erwarten, dass sie 20 Jahre den gleichen Stil und das gleiche Niveau spielt, also von dem her gesehen ist die Weiterentwicklung nur legitim.
Trotzdem finde ich das Album nicht besonders gut. Fiddler's Green hat man immer gehört, weil man das 'irische Flair' mochte, das diese Band immer sehr gekonnt auf ihre Platten verbannt hatte. Mit 'Drive Me Mad' war das erste Album mit neuem Gitarristen sehr partylastig ausgelegt, aber war immer noch unverkennbar irisch geprägt. Die Mischung aus Traditionals und guten eigenen Songs war perfekt. Ich mag das Album.
Ich mag auch Sports Day At Killaloe. Ich habe mich zwar damals bei den ersten Hördurchgängen schon gewundert, was Fiddler's Green denn jetzt als Party-Band anfangen wollen, aber das Album war gut. Zwar auf Party ausgelegt, aber irisch und gut.
Trotzdem beschlich mich dann nach dem Auftrittsstil auf der Live DVD und einem selbst erlebten Konzert schon eine dumpfe Vorahnung ' und die hat sich leider bestätigt.
Fiddler's Green ist jetzt endgültig eine mittelmäßige Partyband. Es kann niemand behaupten, dass die Songs auf dem Album qualitativ sehr hochwertig wären, immer die gleichen Melodien, oft reichen zwei oder drei Motive für ein ganzes Lied. Das einzige, was Fiddler's Green eben noch von einer normalen Partyband abhebt, ist die Verwendung von Geige, Banjo und Bodhran. Diese Instrumente machten meiner Meinung nach aus den letzten beiden 'Partyalben' gute Irish-Indepentent-Speedfolk-Alben. Auf diesem Album ist das aber nicht mehr der Fall. Diese traditionellen Instrumente dienen nur noch zur Unterstützung, um der mittelmäßigen Partymusik ein irisches Flair einzuhauchen. Das gelingt meiner Meinung nach überhaupt nicht. Würde man mit Gitarre, Bass und Schlagzeug spielen, wäre kein Unterschied. Wall of Folk, P stands For Pady, Fields of Green und Victor and his demons z.B. sind zwar schön, aber schell erschöpfte Partylieder und für Fiddler's Green's Niveau bodenlos. Besoners Victor and His Demons mit Video taugt hier als Beispiel (Gitarren Intro, dauernde Zwischenrufe, Bedeutung der trad. Instrumente im Vergleich zu den modernen Instrumenten, Verkleidung, Handlung im Video, Schauplatz, Abwechslung der Melodie gibt es nicht). Es gibt nichts mehr, was diese Lieder ausmacht. Fiddler's Green versinkt in der Mittelmäßigkeit. Dazu passt auf die Stimme von Pat gut, Albi kann deutlich besser singen, das kommt aber kaum mehr zur Geltung. Ihre Konzerte peppt die Band durch die Wall of Folk auf, im Prinzip auch nur eine Kopie. Was sie da abgeliefert haben, ist weit unter dem Potential, das sie auf den vergangenen Alben gezeigt haben. Auch die Bonus CD macht es nicht bessern, 'I Quit' z.B. ist nur ein weiteres Beispiel für einen schlechten Partysong.
Kleiner Hinweis noch am Rande: Wie bereits einige Rezensenten angedeutet haben, das Digipack ist nicht besonders gut durchdacht. Es ist genau so hoch wie die CDs, die man aus Papphüllen im Digipack herausziehen muss. Dies fällt sehr schwer und das Digipack wird leicht zerstört. Aber gut, kann passieren, hat auf jeden Fall keinen Einfluss auf meine Bewertung.
Fazit: Ich weiß nicht, ob ich es gut herübergebracht habe, aber was ich sagen will: Die neuen Lieder sind nur noch party-lastig, und haben nicht mehr das gewisse Etwas, was die letzten beiden Alben trotzdem gut gemacht hat. Auch traditionelle Instrumente können über die Mittelmäßigkeit nicht mehr hinwegtäuschen. Natürlich alles meine Meinung, ich will nicht für andere sprechen. Ich vermute, dass dieser Wandel mit dem Ausstieg des Songwriters Peter Pathos zu tun hat. Er geht den Fiddler's glaube ich ziemlich ab. Die neue Musik hatte zwar was, hat sich aber wie jede Party-Musik nach zwei Alben nun bereits vollkommen erschöpft. Mal sehen, was das nächste Album bringt. Hoffentlich wieder weg vom Einheitsbrei. Vielleicht stellt es das gewisse Flair, das Fiddler's Green unabhängig vom Stil ausmacht, wieder her. Wäre schön, mich mag die Jungs und werde mich die nächsten Jahre noch lange an ihren alten Platten erfreuen. Die neue Platte gefällt beim schnellen und oberflächlichen Drüberhören (das Ziel von Partybands), beim genauen Hinhören stellen sich mir die Haare auf.