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Boahh! So frech muss man erst mal sein, dieses Album herauszubringen. Der erste Eindruck will es gar nicht wahrhaben, denn eingängiger und kommerzieller kann ein Album scheinbar kaum produziert sein.
Wahnsinnig schöne Melodien und Klänge, die fast alles zitieren, was es seit den späten 70ern schon mal irgendwo gab, so dass sie sich sofort in jeden Gehörgang einbrennen.
Aber deutlich gefehlt, wenn auch nicht weit, denn Empire of the Sun sind natürlich stark von damals inspiriert und sie kokettieren auch damit, aber es scheint nur so, dass sie sich reichlich bedienen. Tatsächlich ist es nämlich kaum möglich eine echte oder unmittelbare Kongruenz mit den scheinbaren Vorbildern festzustellen.
Assoziationen ergeben sich zahllos: 'Flash and The Pan' und 'Bee Gees' (liegen gar räumlich nahe), Mike Batt, (frühe) Roxy Music, ELO, Alan Parsons Project, Thinkman, Rupert Hine oder Prince. Die Liste sollte wahrscheinlich besser gar nicht fortgesetzt werden, denn was Luke Steele und Nick Littlemore als Empire of the Sun hier abliefern, ist was ganz neues und eigenständiges. Was sie ausmacht ist, dass sie ihre Hausarbeiten wirklich gemacht haben, viele viele Spielarten drauf haben, und das Ergebnis so homogen und aus einem Guss präsentieren, wie kaum jemand zuvor.
Das ist grandios schwülstige Musik, aber kein Kitsch, weil dieses Niveau und diese Vielschichtigkeit mehr als Berechnung benötigt. Ohne gleichzeitig Talent und Können schreibt keiner solche Songs. Einen oder zwei vielleicht, aber kein ganzes Album. Nach den ersten vier Stücken, die schon richtige Knüller sind und eigentlich befürchten lassen, dass das Pulver verschossen ist, macht es 'Delta Bay' in den ersten knapp 50 Sekunden auch spannend. Gingen den beiden langsam die Melodien aus? Aber nein, das ist nur eine andere rhythmische Facette, denn spätestens der Refrain beweist schlagartig das Gegenteil. Daran schließt sich die herrlich luftige Instrumentalnummer an, die mit 'Country' vermutlich perfekt benannt ist und genauso klingt, eben wie ein hübscher Ausflug ins Land.
Zur Instrumentierung lässt sich viel und wenig sagen, aber zumindest soviel, dass natürlich die Synthieteppiche dominieren und diese so vielschichtig gewebt sind, wo soll man da beginnen. Natürlich tauchen auch regelmäßig die in den 80ern typischen Rhythmus-, Dingeling- oder Schmachtgitarren auf. Keineswegs jedoch macht diese Vielschichtigkeit den Sound überladen oder verwaschen. Zwar könnte die Scheibe etwas dynamischer oder transparenter aufgenommen sein, aber darüber lässt sich angesichts des großartigen musikalischen Feuerwerks mit einem Lächeln hinweg sehen. Und am Ende ist die Scheibe gar mit Absicht so aufgenommen um die Illusion der 80er perfekt zu machen, zuzutrauen wäre das den Jungs.
Der Musik steht auch die Covergestaltung um nichts nach. Erinnert das an ASIA, die Filmplakate der Star Wars Familie oder gar ein Siegfried & Roy Plakat? Es lohnt nicht zu sinnieren, die Jungs sind einfach verspielt und frech, aber sie sind verdammt gut und deswegen können sie es sich erlauben.
Zwei, die es faustdick hinter den Ohren haben und nicht nur, weil Luke Steele mit 'The Sleepy Jackson' und Nick Littlemore mit 'PNAU' (und 'Teenager' gemeinsam mit Ladyhawke) schon zwei dicke Sachen laufen haben, die bisher in Deutschland zu Unrecht weitgehend übersehen wurden.
Ein Album, das so ins Ohr geht, dass es beim ersten Hören Angst macht, es könnte zu schnell sättigen, aber die Musik ist nicht nur rund und ausgereift sondern auch so reichhaltig, dass sie ein ganzes Weilchen Spaß machen dürfte. Andererseits fragt es sich, ob diese Reichhaltigkeit nicht viele Hörer überfordert, so ganz gegen kommerzielle Regeln.
Nun, es bleibt abzuwarten ob die beiden mit ihrem gemeinsamen Projekt hierzulande größer rauskommen. Zu wünschen wäre es ihnen ja. Die Frage ob Erfolg das nächste Album besser macht, sollte angesichts dieses Prachtstücks erst mal nicht die Köpfe blockieren, die werden zum Genießen gebraucht.