Walk hard orientiert sich stark an der Johnny Cash Biographie Walk the line, weitet die Geschichte aber bis zum Jahr 2007 aus. Wer sich schon öfter mit Rockstarbiographien beschäftigt hat, findet in Walk hard einen Rundumschlag auf alle Showgeschäft-Klischees. Auch das Film- und Fernsehgeschäft wird nicht ausgenommen. Ein running gag in diesem Film ist, dass die Schauspieler meist nichtmal annähernd aussehen wie die Figuren, die sie spielen. Deshalb sagt Jack Black mehrfach, das er Paul McCartney von den Beatles sei. Und Dewey Cox (John C. Reilly), der nur als 6-jähriger von einem anderen Schauspieler, für den Rest des Films aber von Reilly gespielt wird, betont deshalb auch immer wieder sein Alter. Da steht dann ein Mann, der aussieht wie 40 und sagt: ich bin 15 Jahre alt. Ein netter Seitenhieb, der an Zurück in die Zukunft oder Beverly Hills 90210 erinnert, in denen Twens Teenager spielten.
Manche Szenen, besonders zu Beginn des Films erinnern zu sehr an die Zucker-Abrahams-Zucker Filme wie Die nackte Kanone. Am Drehbuch hat Judd Apatow mitgeschrieben, und das ist Walk hard deutlich anzumerken: albern, aber nicht dumm ist dieser Film.
Gastauftritte von Jewel, Eddie Vedder, Lyle Lovett, Jackson Brown, Neil Young (leider nur namentlich genannt in einer Laudatio von Vedder) und The Temptations (ein Beispiel dafür, dass der Wortwitz in der deutschen Übersetzung etwas leidet, denn sie laufen Cox über den Weg als er den Versuchungen des Showgeschäfts aus dem Weg gehen will).
Die ewigen Drogen-, Sex-, Comeback-, und Zerstörungsorgien (hier sind es meist Waschbecken), die man als Fan von Rockmusik kaum noch hören mag, weil sie meist nur noch wie kalkulierte PR wirken, werden in Walk hard sehr amüsant aneinandergereiht, ohne den Respekt vor den Musikern zu verlieren.
Ein Rockstar hat exzentrisch zu sein (eigene Giraffe im Garten), zu experimentieren (Drogen, Entzug, öffentliche Läuterung, Comeback, Rückfall, Entzug u.s.w.) und eine unbändige Libido zu haben (über 20 Kinder, Bigamie) - Drewey Cox erfüllt alle Klischees. Bob Dylans kryptische Texte, Cashs Auftritte im Knast, Rap, Studiobombast mit Digeridoo und Symphonieorchester, Produzenten wie David Geffen (als Rabbi) - für Rockfans gibt es in Walk Hard viel zu entdecken, über das sich laut lachen lässt!
Walk hard ist der richtige Film für Fans von Rockmusik, denen eben nicht Sex und Drugs am wichtigsten sind, sondern die Musik. Wer Musik eher als Geräuschkulisse laufen lässt, wird weniger mit dieser US-Komödie anfangen können.
3,5 Sterne