Es sieht so aus, als ob der Engel von St. Pauli nach vielen Jahren wieder zurückgekehrt ist. Dieser hatte damals unzählige Männer grausam getötet und anschließend kastriert. Und er wurde niemals gefasst.
Doch der neue Mord weicht in einigen Punkten entscheidend von den früheren Taten ab. Ob es sich hier um eine Nachahmerin handelt, die es nur darauf anlegt, als der Engel angesehen zu werden? Womöglich um damit ein ganz anderes Motiv zu vertuschen?
Erster Hauptkommissar Jan Fabel ist sich sicher, dass es so ist. Doch das allein bringt ihn bei der Spurensuche im Fall des ermordeten englischen Sängers keinen Schritt weiter.
Und es soll nicht der einzige Fall sein, mit dem sich Fabel dieser Tage beschäftigen muss.
Ich kann zwar nicht so ganz begründen weshalb, aber gerade anfangs hat das ganze für mich die typische Ausstrahlung eines deutschen Krimis. Mag es an der Ruhe und Besonnenheit des Ermittlers Jan Fabel liegen, die trotz der grausamen Verbrechen vorherrscht, den deutschen Schauplätzen oder schlicht am Erzähltstil. Dieser Eindruck lässt sich auch später nie verdrängen. Wer das Attribut "deutscher Krimi" jedoch gleichsetzt mit bieder, langweilig und trocken, liegt falsch. Denn der neueste Fall Fabels ist alles andere als das.
Man bekommt es mit zwei zwei zunächst völlig voneinander unabhängigen Handlungssträngen zu tun: dem Engel von St. Pauli zum einen und den Walküren, geheime Auftragskillerinnen aus der DDR, zum anderen. Als erfahrerener Krimi-Hörer ahnt man natürlich schon sehr früh, dass es da eine Querverbindung geben muss. Dass einen der Autor hier schon regelrecht mit der Nase drauf stößt, schadet dem Spannungsgrad aber in keiner Weise, sondern ermöglicht so die Eröffnung völlig neuer Perspektiven mit recht heftigen Zwischenentwicklungen. Trotz der richtigen Fährte auf der man sich eigentlich von Beginn an bewegt, ist der Fall äußerst verwickelt und verwinkelt und dadurch vor allem in Details nicht ganz einfach zu durchschauen. Ohne die anfangs gestreuten Hinweise hätte man vermutlich sogar extreme Probleme den verwinkelten Strukturen zu folgen.
Das Tempo ist durch die vielen Perspektivwechsel sehr hoch und so ebbt das Interesse im Laufe der sechs CDs niemals ab. Zumal man gleich eine ganze CD dem actionreichen und blutigen Finale gewidmet hat, das so nochmals einen prägnanten Schlusspunkt zu setzen vermag.
David Nathan ist der Sprecher der bisherigen Fabel-Krimis gewesen und tritt somit natürlich auch diesmal wieder ins Rampenlicht. Dabei liefert einmal mehr eine beeindruckende Darstellung ab - facettenreich und auf den Punkt. Das ist schlicht und ergreifend ein Hochgenuss.
Da braucht es eigentlich gar keine großartige Untermalung mehr - und die wird mit Ausnahme der üblichen Lübbe Einheitsmusik am Ende der jeweiligen CDs auch gar nicht erst geboten.
Fazit: Ein sehr packender und verzwickter Fall für Hauptkommissar Fabel, der sich stellenweise als regelrecht blutig und heftig herausstellt. David Nathan trägt seinen zusätzlichen Teil zum hohen Unterhaltungswert dieses Hörbuchs bei.