Nach dem Sigma Fisheye 4/8mm (Bildkreis passt in lange Seite, deutliche Farbränder die rausgerechnet werden müssen) wollte ich ein besseres oder anderes Fisheye. Zur Wahl standen das verbesserte Sigma Fisheye 3,5/8mm und das universelle Canon Fisheye 4/8-15mm. Doch ich entschied mich, erst einmal das Walimex-Fisheye auszuprobieren.
Mir war bei den im Internet veröffentlichen Walimex-Bildern aufgefallen, dass in den Ecken keine Stauchung zu sehen ist. Erste Testfotos des Walimex-Fisheyes an der Canon EOS 550D ergaben in den Bildecken eine Abplattung von nur 5:6 (bei den üblichen equisolid Fisheyes ist sie 1:2). Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens ist der Öffnungswinkel mit grob geschätzten 166° (Crop-Faktor 1,6) geringer. Aber das ist nicht entscheidend. Der zweite Grund ist die vorteilhafte Abbildungsfunktion zwischen äquidistant und winkeltreu. Auch die Farbfehler sind quantitativ viel geringer, als bei dem alten Sigma 4/8. Diese Eigenschaften erlauben es, die Bilder so zu nehmen, wie sie sind. Das Walimex ist ein Fisheye zu Fotografieren und nicht zum Umrechnen (Das Umrechnen wurde beim Sigma 4/8mm durchgängig praktiziert).
Das Walimex hat keine elektrischen Anschlüsse. Meine EOS 550D interpretiert das als Blende 1,0. Das Messsystem wendet eine Korrektur an, die bei einer wirklichen Blende 1,0 stimmen würde, aber bei den realen Blenden von 3,5...22 zur Fehlbelichtung führt. Die Belichtungskorrektur ist standardmäßig auf -1 und die Programmeinstellung auf Av zu setzen. Beim Wechsel zu einem anderen Objektiv ist die Korrektur zu entfernen und evt. die Programmeinstellung zu ändern. Beim Wiedereinsetzen des Walimex ist wieder auf -1 und Av zu stellen. Die EOS 550D belichtet in der Einstellung Av durch Zeit- und ISO-Steuerung. Man sollte das Bild prüfen und die Aufnahme gegebenenfalls mit einer anderen Einstellung (Blende/Korrekturfaktor) wiederholen. Hier muss ich noch Erfahrungen sammeln.
Weiterhin muss die Entfernung manuell eingestellt werden, wobei die Kamera bei diesem Objektiv das Erreichen der Schärfe leider nicht signalisiert. Wegen der hohen Schärfentiefe reicht es aus, die geschätzte Entfernung einzustellen. So hat man ganz früher immer fotografieren müssen. Mit dem Schließen der Blende wird auch das Sucherbild dunkler. Eine Testreihe mit den Blenden 3,5, 8 und 22 ergab bei Blende 3,5 dunkle Randbereiche und bei Blende 22 ein dunkleres Bild.
Im Videomodus wird gewarnt, dass keine Optik angesetzt ist. Nach Betätigung der Aufnahmetaste öffnet sich der Spiegel und nach nochmaliger Betätigung startet die Aufnahme - man muss einmal mehr drücken.
Zusammenfassung:
Das Walimex-Fisheye liefert gute Bilder ohne Quetscheffekte. An der Optik ist alles manuell einzustellen. Die automatische Belichtung funktioniert mit leichten Abweichungen.
Das Walimex gefällt mir und ich werde es behalten (Die anderen Fisheyes können warten).
Einen Monat später:
Amazon sagt "- nicht für Vollformat-Kameras geeignet". Auf der Objektivrückseite bleibt das optische System immer hinter dem Bajonettrand und kann so problemlos auch an Vollformatkameras angesetzt werden. Ich teste das Walimex Fisheye an meiner ausrangierten EOS 30 (35 mm Film = Vollbild). Ich sehe im Sucherbild einen rechteckigen Bereich von etwa 80% der Sucherbildhöhe. Darüber und darunter sehe ich die Innenseite der Sonnenblende (nicht entfernbar). Bei Verwendung einer Vollformatkamera müsste das Bild beschnitten werden, so dass etwa 60% der Bildfläche bzw. Megapixel übrig bleiben. Der diagonale Bildwinkel im nutzbaren Bereich ist etwas über 180°. Die schon geringe Abplattung ist in den Ecken nicht stärker, als vorher bei der EOS 550D - sie scheint ab der halben Auslenkung konstant zu bleiben.
Ich habe eine Idee: Die EOS- 1D Mark IV liegt mit einen Crop-Faktor von 1,3 zwischen Vollformat und dem verbreiteten APS-C-Format. Damit würde das Bildfeld des Objektivs und der Kamerasensor am besten zueinander passen. Kann das mal jemand testen?
Zweieinhalb Monate und einen Urlaub später:
Die Belichtungskorrektur ist Kamera- und Blenden- und Belichtungsmodusabhängig. Die ausrangierte EOS 30 erfordert mindestens 2 Stufen Überbelichtung (nur bis +2 einstellbar). Die EOS 550D braucht im Live- und Videomodus (hochgeklappter Spiegel, Messung über Bildsensor) keine Korrektur. Aber bei standardmäßiger Messung (Spiegel heruntergeklappt, Messung über das eingebaute Belichtungsmesssystem) ist die Einstellung Av notwendig (P führt zu Fehlbelichtungen) und erfordert Belichtungskorrekturen - bei Blende 3,5...8 um -1 (eine Stufe Unterbelichtung), bei Blende 16 -0,5, bei Blende 22 keine Korrektur. Ich habe meistens mit den Blenden 5,6 und 8 fotografiert. Manchmal wurde beim Objektivwechsel das Wechseln der Einstellung vergessen. Man muss verdammt aufpassen.