"Russentonne" werden Spiegelobjektive von den Fans zärtlich, von den Gegnern naserümpfend genannt.
Für die Brennweite ist das Objektiv sehr klein und extrem leicht. Durch die verwendete Spiegeltechnik entfällt die große Anzahl an Glaslinsen, die sonst das Gewicht eines Objektivs (insbesondere eines 500mm) hauptsächlich ausmachen.
Um es gleich vorweg zu sagen: Ich habe mit dem Walimex kein einziges zufriedenstellendes Bild hinbekommen. Das Wetter war gemischt, teils Sonne, teils bewölkt. Allerdings habe ich kein Stativ verwendet, weder Ein-, noch Dreibein. Stattdessen bin ich mich mit der Verschlußzeit vorsorglich nie unter 1/2000 gegangen (probehalber für ein paar Aufnahmen sogar bis 1/8000), um Verwacklung auszuschließen. Meine Erfahrungen:
a) Die Belichtung klappt einwandfrei (Zeitautomatik, da die Blende eh fix ist)
b) Das Scharfstellen ist extrem schwer, obwohl der Sucher meiner Nikon weder besonders klein noch besonders dunkel ist. Verzeihung, nicht besonders dunkel war. Durch die f8 des Walimex wird das Bild nämlich erheblich verdüstert. Meine Stativ-Verweigerung machte die Sache natürlich auch nicht einfacher, denn bei 500mm wackelt das Sucherbild doch erheblich. Ich vermisse den guten alten Schnittbild-Entfernungsmesser.
c) Wenn denn mal scharfgestellt ist (worüber man sich aber nie wirklich sicher ist, siehe oben) werden die Bilder trotzdem nur flau und verschwommen. Viel Sonnenschein hilft tatsächlich etwas, aber Wunder sollte man nicht erwarten.
d) Sollte sich jemand die Hoffnung machen, das Scharfstell-Problem dadurch umgehen zu können, indem er einfach nur weit genug entfernte Objekte mit Unendlich-Einstellung aufnimmt: Zu früh gefreut. Ich habe mal probeweise auf ein ca. 2-3 km entferntes Waldstück scharfgestellt und war damit immer noch ein gutes Stück VOR der Unendlich-Einstellung. Ich weiß nicht, wann diese erreicht ist. Vielleicht, wenn man den Mond aufs Korn nimmt? Doch halt, das ist vielleicht gar nicht so abwegig, schließlich werden Spiegelteles vorrangig in der Astrofotografie eingesetzt. Und da sogar in großem Umfang. Ich gehe also davon aus, daß zumindest bei mehreren Lichtjahre entfernten Sternen keine individuelle Scharfstellung mehr erfolgen muß. Na, wenn das mal keine gute Nachricht ist! :)
Unterm Strich gibts von mir für das Walimex 500/8.0 nur 1 Stern. Grund: Katastrophale Handhabbarkeit, trauriges Bildergebnis. Ultrakompakt mag es sein, aber wer wirklich eine unkomplizierte Lösung will, sollte sich ein gewöhnliches 70-300mm Billigtelezoom kaufen (gibts annähernd für denselben Preis ohne Stabi aber incl. Autofokus) und davon eine Ausschnittvergrößerung machen. Das Ergebnis ist zwar eher fragwürdig, aber von der Qualität auch nicht schlechter als ein ungecropptes Walimex-Foto. Getestet habe ich das Walimex an einer D7000.
Anmerkung: Nachträgliche Bildbearbeitung habe ich in die Wertung nicht mit einbezogen - das hat meiner Ansicht nach in einer Objektiv-Rezension nichts zu suchen.