An sich hätte ich gewarnt sein können: Beinhaltet der Titel eines Buches das Wort "Code", ist stets Vorsicht angezeigt. Nun weiß ich, daß auch ein historischer Kriminalroman richtig schlecht sein kann, obwohl er doch auf ein etwas spezielleres Publikum abzielt. Gewiß, der Verfasser scheint gute Vorbilder zu haben; solche wohl, die ich auch gern lese. Auffällig ist die Hauptfigur: Den aufrechten doch draufgängerischen, nazihassenden, jazzhörenden Berliner Kriminalkommissar trifft man z.B. auch bei Volker Kutscher. Tatsächlich hat Klauseners "Thomas von Sydow" erstaunliche Ähnlichkeit mit Kutschers "Gideon Rath" - nur ist letztere um ein vielfaches origineller und glaubwürdiger. Selbst der etwas hölzerne "Bernhard Gunther" bei Kerr hat noch merh Persönlichkeit. Tom Sydow ist ein richtiger Tausendsassa: Auf ganz "natürliche Art" ist er seinen Gegnern stets einen Schritt voraus; ihm fügen sich Zufall, Glück und Genius; er kennt die halbe Personage noch aus Kindertagen; und er hat immer zu rechten Zeit den nötigen Geistesblitz.
Doch damit hat sich die Klischeehaftigkeit des Romans nicht erledigt, sie hat gerade erst begonnen. Es gibt keine Figur, die man nicht exakt so erwarten würde: der treudoofe Assistent, der immer "'nen lockeren Spruch auf den Lippen hat"; ein einzelner, doch umso gefährlicherer SS-Offizier nebst dämlichen Handlanger als Gegenspieler; das leidgeprüfte, doch bildhübsche jüdische Mädchen, das seinen Häschern stets kanpp entkommen kann und dessen Lebensgeschichte natürlich engst mit der des Protagonisten verknüpft ist. Überhaupt hängen alle Biographien irgendwie zusammen, aber nicht sondernlich überraschend oder kompliziert. Den Leser erwartet hier kein O.-Henry-Twist... nur einfach viele Klischees. Schrieb ich "Klischee" bereits? Dann schreib ich's nochmal: Klischee!
Da ist die herzensgute Nachbarin, mit dem falsch transkribierten Berliner Dialekt. Da ist der integre Gerichtsmediziner als weiser Berater des Kommissars. Da ist die ehemlige Geliebte (eine von vielen), die noch immer eingeschnappt ist, doch schließlich hilft und durch Zufall Zugang zu allen Geheimakten hat. Und als könnte es nicht schlimmer kommen, ist da noch der "große Unbekannte", der sich als "Agent 004, His Majesty's Secret Service, mit der Lizenz zum Töten" vorstellt.
Reference jokes sollten schon gekonnt sein. Gleiches gilt die Verwendung von Fremdwörtern. Die selben drei alle paar Seiten zu wiederholen, ist leider kein Geheimrezept für eine gute Schreibe.