... von gesetzlich sanktionierter Ausbeutung der Bevölkerung durch Großkonzerne gibt dieser Film des in den USA als Bush-systemkritischer Dokumentarfilmer bekannten Regisseurs Robert Greenwald aus verschiedenen Perspektiven. Mehrere aktuelle oder auch frühere Angestellte des Konzerns kommen zu Wort und bestätigen nicht nur die fehlende soziale Absicherung der Mitarbeiter, die in den USA ja längst ein grundlegendes Problem quer durch alle Berufsgruppen darstellt, sondern auch rassistische und frauenfeindliche Tendenzen, wie sie in den meisten großen Konzernen nach wie vor anzutreffen sind.
So gesehen ist der Film sicher keine große Überraschung und man mag sich darüber freuen, dass Wal Mart seinen Versuch, in Deutschland Fuß zu fassen letztlich aufgeben musste, nachdem hier doch noch einige Gesetze zum Schutz der Arbeitnehmer existieren, die zudem auch noch Anwendung in der täglichen Praxis finden, so dass sich das Prinzip der totalen Gewinnmaximierung nicht 1 zu 1 aus den USA übertragen ließ. Andererseits ist die Richtung in Europa natürlich die selbe, insofern fühle ich mich als Europäer von den Inhalten des Films ebenfalls angesprochen, da es auch hier im Einzelhandel agierende Discounterketten gibt, die z.B. die Bildung von Betriebsräten verhindern, um mehr Macht über ihre Angestellten zu haben. Die im Film gezeigte Zerstörung des mittelständischen Einzelhandels ist hier ja gleichermaßen im Gange, wenn die Märkte sämtlicher umsatzstarker Branchen, von Elektro- über Heimwerkerbedarf bis hin zu Lebensmitteln mittlerweile von wenigen z.T. europaweit agierenden Ketten beherrscht und kontrolliert werden.
Den Film als us-amerikanisches Phänomen abzutun wäre aus meiner Sicht naiv, denn die gezeigte Ansprache des CEO bei einer Jahreshauptversammlung der Aktionäre könnte so oder so ähnlich auch bei einem europäischen Konzern gehalten werden. Das aber das US-Wirtschaftsmagazin "Fortune" (Juli 2007) Wal Mart als umsatzstärkstes Unternehmen weltweit bezeichnet, ist es sicher einen speziellen Blick wert, da es eben auch aufgrund seiner schieren Größe mit einem Umsatz von 374,5 Milliarden US-Dollar allein 2007 im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit steht.
Einen speziellen Blick ist es den Filmemachern auch wert, die ökologischen Verfehlungen des Konzerns anhand konkreter Beispiele aufzuzeigen. In den USA gibt es sogar eine eigene Website, die sich "walmartwatch" nennt und regelmäßig auf aktuelle Missstände im Zusammenhang mit dem Unternehmen hinweist.
Ein weiteres Kapitel des Films behandelt die Produktionsbedingungen der Zulieferbetriebe in Asien, die unter fatalen ökonomischen und sozialen Bedingungen die Dinge herstellen, die dann billigst in den Märkten von Wal Mart vertrieben werden.
Fazit: Auch wenn einige Methoden von Regisseur Robert Mark Greenwald Emotionen zu erzeugen für europäische Betrachter überzogen erscheinen mögen, sollte man sich in dem Zusammenhang vor Augen halten, wie plump mit derartigen Manipulationen durch suggestiven Schnitt und hypnotische Musik selbst in US-Nachrichtensendungen umgegangen wird. Dagegen ist der Film sehr dezent gehalten und gibt einen guten Einblick in nationale und internationale Machenschaften eines Global Players. Zudem sind viele gezeigte Phänomene im Film aus meiner Sicht auch auf den deutschen Markt übertragbar, was für mich ein weiterer guter Grund ist, lieber im Biomarkt um die Ecke einzukaufen.