Als die Single Hello, I love you 1968 Nr. 1 in Amerika wurde - wie viele Plattenfirmenbosse haben den Song wohl von dem Demoband bzw. der Acetatpressung wiedererkannt, mit dem die Doors drei Jahre zuvor - damals noch ohne Robbie Krieger - bei ihnen vergeblich die Klinken putzen gingen, geschweige denn sich eingestanden, dass ihnen damals ein Nr. 1-Hit vor der Nase lag? Man mag es ihnen nachsehen, denn diese Demos - zu hören auf dem "Doors Box Set" ('98) - lassen derlei Schlüsse wirklich noch nicht zu. Selbst John Densmore war überrascht.
Dass die Doors auf diesen Song als Single zurückgriffen, belegte die Notwendigkeit des Recycelns des eigenen Songmaterials, oder wie Robbie Krieger es seinerzeit im Interview nannte, das "Syndrom des dritten Albums": man hat jahrelang am Sound gefeilt und genügend Songs für zwei Alben fertig. Das erste Album entsteht, der erste Hit kommt (Light my Fire), dann der Erfolg, schnell ein zweites Album - und als es Zeit fürs dritte Album wird, sind alle Songs verbraucht, und man hat vor lauter Fernseh- und Liveauftritten keine Zeit gehabt, in Ruhe neues Material zu entwickeln. "Waiting for the Sun" (sogar der Titelsong erschien erst zwei Alben später) belegt dies exemplarisch: Hello, I love you ist zwar ein netter Ohrwurm, aber selbst hierfür bedienten sich die Doors offenkundig bei All Day and all of the Night von den Kinks, und man darf bezweifeln, dass der Song es ohne den Berühmtheitsgrad der Doors überhaupt je geschafft hätte. (Auf dem Remix hört man vorab etwas Studioatmosphäre und eine längere Ausblende).
Im angejazzten, verträumten Yes, the River knows hält Robbie sich wiederholt an Jims Rat, doch einfach über die vier Elemente zu schreiben; der Song hat sehr schöne Harmoniewechsel. Spanish Caravan mit Robbies Flamenco-Gitarrenkünsten und Love Street (im Doors-Film durch die Szene verewigt, in der Jim Pamela kennenlernt) gehören zu den besseren Songs, ebenso Summer's almost gone (ebenfalls vom '65er Demo) und Wintertime Love, ohne allerdings das Potenzial der Doors zu erschöpfen. Five to one ist nicht schön, aber stark, ebenso wie The Unknown Soldier: man muss den Doors den Mut und das Rückgrat attestieren, diese offene und bitterböse Kritik am Vietnamkrieg als Single auszukoppeln.
My wild Love aber bleibt, trotz seines an Stammesriten gemahnenden Chorgesangs, Füllmaterial, und We could be so good together scheint eher aus einer Notwendigkeit als aus Inspiration heraus entstanden. Auch scheiterten die Doors trotz Live-Routine offenbar an dem Versuch, mit Celebration of the Lizard ihr drittes Albumepos in Folge auf Band zu bekommen, dessen Text sie auf der Albumhülle abdruckten (s.u.); sie schafften vorerst nur das Fragment Not to touch the Earth als ganzen Song aufzunehmen.
"Waiting for the Sun" klingt in meinen Ohren etwas müde, es bleibt für mich das schwächste und am wenigsten überzeugende Doors-Album. Das nächste, "The Soft Parade", hatte zwar auch teilweise durchwachsene Kompositionen, aber die Herangehensweise an die Arrangements war überzeugender.
Wie bei allen Doors-Alben (außer dem ersten) legte Bruce Botnick beim Remix 2006 das Schlagzeug leicht nach rechts, den Bass leicht nach links, Robbies Gitarre ganz nach rechts und Rays Tastenarbeit ganz nach links, und die weiteren Overdubs wurden um diese Grundpositionen herum verteilt, was glücklicherweise keine völlig neuen Alben erschuf, aber mehr Details und Raum zum Atmen freigab.
Zu den Bonustracks: Albinoni's Adagio in G Minor fällt als Instrumental, das die Rest-Doors Mitte der Neunziger mit einem Orchesteroverdub für das "Box Set" aufbereitet hatten, stilistisch, aber auch klanglich etwas aus dem Rahmen. Die beiden ersten Takes von Not to touch the Earth zeigen, dass die Band schon sehr genau wusste, was sie wollte, aber auch, was Overdubs noch alles bewirken können. Die interessante, siebzehnminütige Arbeitsversion von Celebration of the Lizard (bereits 2003 auf "Legacy - The absolute Best of The Doors" erschienen) ist noch etwas unorganisiert und für Doors-Verhältnisse ungewohnt unfokussiert; es war die richtige Entscheidung, es in der Liveversion auf "In Concert" zu veröffentlichen. Thema Songverwertung: Go insane vom Doors-Demo (s.o.) fand sich ebenfalls in Celebration of the Lizard wieder.