Dieses Album hat, genau so wie sein Nachfolger "Pogue Mahone" ein großes Problem: Es weckt, angesichts des Bandnamen, welcher vorne auf dem Cover prangt, falsche Erwartungen. Viele haben (leider) in den Pogues immer nur die feucht-fröhliche irisch Kampftrinker-Gemeinschaft gesehen (ein Image, gegen welches sich die Band immer gewehrt hat), die allzu oft auf ihren zahnlosen Frontmann Shane MacGowan reduziert wurde. Dabei wurde immer übersehen, was für großartige Musiker diese Leute eigentlich sind.
Da Anfang der 90er Shane MacGowan nicht mehr Teil der Pogues war, vollzog sich der Stilwechsel der Band noch schneller. Fand man auf "Peace & Love" noch wenigstens 2-3 irisch angehauchte Lieder, fallen diese bei "Waiting for Herb" nun komplett weg. Das Gesamtwert wirkt um einiges poppiger und orientalisch ("Girl from the Wadi Hammamat") bzw. asiatisch ("Pachinko") angehaucht, obwohl immer noch akkustische Instrumente die Szenerie prägen. Den frei gewordenen Platz als Leadsänger nimmt nun der langjährige Tin Whistle-Akrobat der Pogues Spider Stacey ein, welcher schon auf frühren Alben des Öfteren ans Mikrofon durfte.
Einen Shane MacGowan ersetzen kann er nicht - wie auch, der Mann war ein Ausnahmetalent, vor allem was das Dichten von Texten angeht. Was die beiden vereint ist der Hang zu melancholischen Lieder, Spider's Trauer über den Tod seiner Frau kann man förmlich heraus hören.
Trotz allen Hindernissen konnte mich auch dieses Album der Pogues überzeugen, da es vor allem atmosphärisch auf einem ganz hohem Niveau angesiedelt ist. Dabei stechen insbesonders "Tuesday Morning", "Patchinko", "Girl from the Wadi Hammamat", "Small Hours" und "Paris St. Germaine" heraus. Wer aber ein typisches Pogues Album erwarten, wird herbe enttäuscht sein. Daher sei das "Waiting for Herb" vor allem Liebhaber richtig guter, kunstvoller Musik ans Herz gelegt.