Aus der Amazon.de-Redaktion
Hier ist es also, das neue Album
Wait For Me des nerdigen New Yorkers. Man durfte gespannt sein, welche Richtung Moby nach dem wenig überzeugenden Disco-Experiment
Last Night einschlagen würde und nachdem er selbst seine letzten Arbeiten als „überproduziert, unpersönlich und fast ein bisschen seelenlos“ bezeichnet hat, gabs es eigentlich nur eine Möglichkeit: in Richtung DIY-zielende Bedroom- Recordings, ohne großen, unnötigen Bombast und prominenten Gaststars. Und um es gleich mal vorwegzunehmen: eine radikale Neuerfindung des Moby-Sounds darf man von diesem neuen Album nicht erwarten. Vielmehr kehrt Moby eher zu seinen elektronischen Anfängen zurück, als ihm mit
Why Does My Heart Feel So Bad der Durchbruch gelang. Die Stimmung der 16 neuen Tracks ist durchgängig melancholisch und sphärisch ruhig, wobei mit „Mistake“ ein eher groovy Uptempo-Ausreisser zu finden ist, der durchaus Hit-Potential besitzt (neben „Shot In The Back Of The Head“, zu dem der große Meister David Lynch auch das Video gedreht hat).
David Lynch war auch derjenige, der Moby mit einer Rede über Kunst, die sich nicht am Kommerz orientieren darf, zu diesem Album und dem „neuen“ Sound inspiriert hat. Damit ist auch zu erklären, dass sich Moby vom Bombast wegorientiert hat und diesmal auch durchaus ungewöhnliche Interludes wie z.B. „Stock Radio“ produziert hat.
Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass sich Mobys neuestes Werk durch seinen fließenden und eigentlich durchgängig eher düsteren Sound auszeichnet, der sich wohl eher für das heimische Listening anbietet als für den Club. Er bewegt sich immer noch in bekannten Gefilden, wobei der Kommerz aber immer noch um die Ecke lauert. Dadurch entsteht ein in sich geschlossenes Album, das den Hörer im positiven Sinne seltsam berührt und in eine schöne, melancholische Stimmung versetzt. Respekt! - Martin Sennebogen
Auf "Wait For Me", seinem neunten Album in gut 20 Jahren Pop-Karriere, bereut Moby vergangene Taten, besinnt sich auf alte Stärken und ist in seiner bewährten Melancholie hörenswert wie lange nicht.
Sein letztes Album, das wenig überzeugende Disco-Experiment "Last Night", kam bei den Fans nicht wirklich an; was davor war, mochte Moby selbst nicht besonders. "Überproduziert, unpersönlich und fast ein bisschen seelenlos", nennt er rückblickend im Interview etwa "Hotel". Doch nachdem er eine Rede von Film-Genie David Lynch hörte, der eigentlich nur die alte Weisheit predigte, dass Kunst nicht im Hinblick auf Kommerz produziert werden sollte, war dem New Yorker Musiker, Produzenten und DJ klar, dass das nicht noch einmal passiert.
Von einer radikalen Neuerfindung kann auf "Wait For Me" trotzdem keine Rede sein, vielmehr scheint sich Moby an die Zeit zu erinnern, als ihm mit Songs wie "Why Does My Heart Feel So Bad" endgültig der Durchbruch gelang. Die Stimmung auf dem mittlerweile neunten Album ist ähnlich ruhig bis melancholisch wie damals auf "Play", wieder wird mit prägnanten Samples gearbeitet ("Study War") und wenn nicht gerade Moby selbst singt ("Mistake") oder alles instrumental ("Shot In the Back of the Head", zu dem passenderweise Lynch das Video beisteuerte) ist, kommen auch hier wunderschöne Frauenstimmen zum Einsatz. Die stammen zwar, weil für "Wait For Me" nur unaufwändig und im heimischen Schlafzimmer produziert werden sollte, dieses Mal nicht von prominenten Gaststars, sondern direkt aus Mobys Freundeskreis.
Aber davon - und vom selbstgezeichneten Cover - abgesehen bewegt Moby sich durchaus in bekannten Gefilden, in denen der Kommerz noch immer um die Ecke lauert. Trotzdem: als überzeugende, mitunter sogar sehr berührende Rückkehr zu alter Form ist "Wait For Me" tatsächlich so hörenswert wie lange kein Moby-Album mehr.