38 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Abenteuer Traum, 5. Oktober 2002
Rezension bezieht sich auf: Der Wahrträumer. Die Gezeitenwelt 1 (Gebundene Ausgabe)
Aus dem amerikanischen Raum kennt man diese Art des schreibens als shared world, als Beispiel sei hier die „Wildcards" Reihe genannt.
Mehrer Autoren schreiben in einer Welt und borgen sich die jeweiligen Figuren aus.
Im deutschsprachigen Raum ist mir ähnliches nicht bekannt.
Die Namen der Autoren sprechen für sich. Den regelmässigen Lesern der DSA-Romane sind sie ein Begriff, meist unter dem Satz, „das sind die, die wirklich schreiben können."
Ja so ist es.
Mit dieser auf 12 Teile angelegten Reihe wollen die Autoren den Schritt in den Mainstream Sektor wagen, auch wenn es immer noch Fantasy ist, was sie schreiben, sprechen sie doch eine viel grössere Käuferschicht an.
Während die ersten vier Bände der Reihe etwa zur gleichen Zeit in verschiedenen Gegenden der Welt spielen, werden sich die ihnen begonnen Handlungsstränge in den folgenden Romanen zu einer gemeinsamen Geschichte verdichten, die mit einer Fülle von Protagonisten einen Zeitraum von ca. 50 Jahren beschreiben wird. Die Romane sollen im Abstand von einem halben Jahr erscheinen. In Vorbereitung sind derzeit (nur Arbeitstitel):
Hadmar von Wieser: Himmlisches Feuer
Thomas Finn: Das Weltennetz
Karl-Heinz Witzko: Traumbeben
Klappe:
„Die Geschichte jener Walfängerin mit Namen Alessandra begann an einem Spätsommerabend im vierhundertachtundfünfzigsten Jahr der Abwesenheit Gottes. Und sie begann mit einem Blutbad..." So nimmt die Chronik der verlorenen Zeit ihren Anfang. Es ist die Chronik der Gezeitenwelt, einer Welt, die nach einem Asteroidenhagel aus den Fugen gerät... „
„Landstriche versinken im Meer, neue erheben sich daraus und bilden Landbrücken zwischen Regionen, die (zum Glück) bisher getrennt waren. Ganze Zivilisationen werden von einem Augenblick auf den anderen ausradiert und das Weltklima ändert sich drastisch. Zurück bleibt ein Chaos, das gezeichnet ist von Verteilungskämpfen, der Ungültigkeit der bisherigen Ordnung (und mitunter auch der Naturgesetze) und von Visionen über die Zukunft der Welt, die oft genug weder miteinander vereinbar noch erfreulich sind."
Die Welt:
Die Gezeitenwelt ist ein Ort, welcher der Erde im späten Mittelalter ähnelt, zumindest bis zu dem Zeitpunkt des Meteoriteneinschlags. Das ist der Tag an dem die Welt aus den Fugen gerät und nichts mehr so ist wie es war.
Von den wesentlichen Charakteristika ist es eine erdähnliche Welt, 365 Tage, 12 Monate, Mond und Sonne, Sommer und Winter und von Menschen beherrscht. Doch auch das ändert sich als die Welt aus den Fugen gerät. Alte Legenden sind plötzlich mehr als Legenden und Wesen mit denen man die Kinder erschreckte sind plötzlich real.
Ein wenig erinnert mich diese Welt und diese Zustände an das „Engel" Universum. Mystik und Reales verknüpfen sich zu einem dichten Gewebe.
Die Charaktere:
Hennen zeigt uns diese Welt aus vier Perspektiven. Da wäre eben jene Walfängerin, die durch einen Unfall zur Mörderin wird und der nichts übrig bleibt als vor den Mächten der Kirche zu fliehen.
Da ist der Indicator (Eine Art Inquisitor/Richter) der Kirche der versucht Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten und den einfachen Menschen das Leben zu ermöglichen.
Ein ehemaliger Offizier der Armee des Imperiums, das durch die Katastrophe zerstört ist, und der jetzt versucht die Macht an sich zu reissen.
Natürlich ist da auch die titelgebende Figur des Wahrträumers. Ein junger Schamane, der von seinem Volk verstossen wird. Gross ist die Kraft der Naturgeister in ihm, größer als in jedem anderen Schamanen vor ihm, denn ihm ist es bestimmt sein Volk in eine neue Welt zu führen.
Die Charaktere sind genial. Jeder hat seine guten und schlechten Seiten, mal fühl man mit ihnen mit und hofft das sie Erfolg haben, manchmal denkt man sie sind unmöglich und steht ihnen ablehnend gegenüber. Eben lebendige und vielschichtige Personen.
Und wie ist es?
Bernhard Hennen fällt die nicht eben leichte Aufgabe zu diese Charaktere und die Welt als solche dem Leser nahezubringen. Und genau das tut er. Nach den ersten vier Kapiteln ist man schon hoffnungslos der Geschichte, der Welt verfallen.
Der Erzählstil ist atmosphärisch, dicht und absolut spannend. Man muss sich förmlich losreissen, wenn man etwas anderes tun will als Lesen, was manchmal zu Problemen führen kann.
Jetzt mal einen, den einzigen Kritikpunkt. Es sind nur 512 Seiten. Mano.
Oh es gibt noch einen zweiten, der nächste Band erscheint erst in einem halben Jahr. Mano!
Fazit:
„Das größte deutsche Fantasy-Epos, das jemals geschrieben wurde" sagt Wolfgang Hohlbein. Ich persönlich mag diesen Meister der Variation, der immer die selbe Geschichte im neuen Gewand erzählt nicht, aber wo er Recht hat, da hat er Recht.
Wer Fantasy mag, wer gute Geschichten mag, wer echte Charaktere und eine spannende dichte Welt mag, sollte es kaufen. Alle anderen holen sich besser das neue Telefonbuch.
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13 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vielversprechender Auftakt zu einer großen Fantasy-Saga, 22. Juli 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Wahrträumer. Die Gezeitenwelt 1 (Gebundene Ausgabe)
Eine interessante Idee, die Bernhard Hennen sich da ausgedacht hat. Mit einigen anderen Autoren (Hadmar von Wieser, etc.) erschafft er die Gezeitenwelt (jeder Autor schreibt zwei Bände der Serie), die zwar teilweise unserer Erde ähnelt (so wurden auch Geologen und Physiker befragt, um alles so realistisch wie möglich zu machen), aber wie es guter Fantasy gebührt, auch neue Aspekte mit herein bringt.
Teilweise ist die Welt etwas mittelalterlich angelehnt, teilweise schaut aber auch ein wenig Schamanismus, etc. durch.
Erzählt wird die Geschichte von mehreren Personen, die auf verschiedenen Teilen der Gezeitenwelt leben und versuchen nach einer Naturkatastrophe (ein Kometeneinschlag) ihr Leben zu bestreiten. Einmal die Walfängerin Alessandra, dann der Schamane Seruun, ein Pater und ein Feldherr.
Die Geschichte ist spannend und die Charaktere haben alle so ihren eigenen Kopf und am Ende des Buches sind einige von ihnen einem schon richtig ans Herz gewachsen (es gibt in diesem Buch kein stereotypen Bösewichtige oder Figuren, die nur gut sind!!!). Zudem ist die Welt wirklich stimmig und in vielen Details beschrieben (Pflanzen, Tiere, Kulturen, Länger).
Ein Wort möchte ich auch zu dem Buch an sich sagen. Selten habe ich ein so wunderschön aufgemachtes Buch gesehen. Farbige Karten, Bilder, die Seiten sind verschnörkelt, etc. Und das zu einem besonders für die Dicke des Buchs (knappe 700 Seiten) sehr zivilen Hardcover-Preis. Zumal die Zeichungen während des Buches wirklich dazu beitragen, sich Geschehnisse oder Orte noch besser vorzustellen.
Ich bin gespannt auf die weiteren Bände, denn einige Geheimnisse deuten sich bereits an und da man nun in die Welt der Gezeitenwelt eingeführt ist, kann es auch richtig rund gehen.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Neuartig, 31. Oktober 2003
Rezension bezieht sich auf: Der Wahrträumer. Die Gezeitenwelt 1 (Gebundene Ausgabe)
Dies Romanserie ist der Versuch des Verlages, dem breiten Massenmarkt ein deutsches Fantasy-Produkt von deutschen Autoren zu präsentieren. Aufmachung und Präsentation der Bücher sind liebevoll und künstlerisch.
Bei der Wahl des Szenarios gehen die Autoren einen unüblichen Weg. Wer eine postapokalyptische Fantasy oder klassische Mittelalter Fantasy erwartet, wird enttäuscht. Folgende drei kulturelle Hintergründe werden benutzt:
- eine Renaissance -Kultur mit italienischem Flair: Wahlfänger, italienische Namen, spanische Kolumbus-Eroberer
- eine indianische Kultur
- eine Sarazenen-Kultur
Die Handlungsstränge sind vielschichtig und komplex, die Handlung unvorhersehbar und überraschend. Obwohl es sich nicht um ein typisches Fantasy-Szenario handelt, finden sich dennoch einige übliche Standard-Fantasy-Elemente - bis hin zu spannenden Belagerungsschlachten. Teile des Buches sind sehr mysteriös und erinnern ein wenige an „Name der Rose". Kirchen-Verschwörungen spielen eine wesentliche Rolle.
Der letzte Teil des Buches ist immens seltsam. Es hat fast den Anschein, daß der Autor einen festen Abgabetermin einzuhalten hatte, und in Zeitverzug geraten ist. So werden auf wenigen Seiten essentielle Dinge berichtet, die im Vergleich zu dem bisherigen Erzählstil normalerweise etwa 100 Seiten benötigt hätten. Auch das Schicksal einer der Hauptpersonen wird in wenigen Sätzen abgehandelt. Das steht nicht in Relation zu dem ausführlichen Anfangs- und Mittelteil. Hinzu kommt, daß nur einer von drei Handlungssträngen abgeschlossen wird.
Neuartig, interessant und spannend.
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