Die Eleganz des Selbstverständlichen
Wir nehmen das einfach so hin: daß unser Gehirn aus den elektrophysiologischen Signalen von Nervenzellen ein Bild unserer Umwelt erschafft, mit dem wir das Leben bewältigen können. Wie funktioniert dieser höchst komplexe Vorgang eigentlich? Für uns ist das ganz selbstverständlich, daß wir nicht nur Gesichter erkennen können, sondern auch Sprache und Buchstaben, die Bedeutung von Körperhaltungen und andere nonverbale Symbole; daß wir nicht nur tanzen können, sondern gleichzeitig auch sexuelle Signale erkennen und darauf reagieren - und das alles auch noch mehr oder weniger gleichzeitig. Wie stabil ist die Verbindung zwischen den elektromagnetischen Wellen des Lichtes, dem Schall, also den Druckwellen der Luft, oder dem Reiz, den ein paar Moleküle auf unsere Geschmacks- und Geruchssinneszellen ausüben, und dem, was wir daraus schließen? Wo liegt der Schnittpunkt mit der buddhistischen Vorstellung, daß alles, was wir wahrnehmen, "maya", ein Gaukelspiel der Sinne sei? Bruce Goldstein weist immer wieder auf die Eleganz hin, mit der unser Nervensystem Informationen aufnimmt und mit der unser Gehirn sich einen Reim darauf macht - und wie es sich auch täuschen läßt. Es ist ein Klassiker an amerikanischen Universitäten und liegt nun als Neubearbeitung erstmals in deutscher Übersetzung vor - ein Lehrbuch, aber eines von der Art, die nicht nur für Psychologiestudenten interessant ist, sondern auch für spirituelle SucherInnen, TherapeutInnen und neugierige Menschen, die das Staunen nicht verlernt haben.
Hans-Curt Flemming