Ich finde dieses Buch sein bestes, vielleicht nicht das eingängigste, (da wäre eher Contigency, Irony and Solidarity zu empfehlen). Rortys Argumentation ist durch die US-Schule des Pragmatismus, etwa von Dewey und James geprägt. Gekennzeichnet durch eine gewisse Leichtigkeit, die am ersten Blick dem Ernst der Themen nicht angemessen scheint, wagt er sich an die dringendsten Themen unserer Zeit heran. Gleichzeitig nimmt er sich mehr oder weniger die ganze (abendländische) Philosophiegeschichte zum Publikum seiner Überlegungen. Man könnte - mir ging es anfangs so - den Eindruck eines Elefants im Porzellanladen bekommen, besonders wenn einem die Themen ein Anliegen und Philosophen wie Hegel lieb sind. Dieser Eindruck verfliegt aber schnell, wenn man dran bleibt, denn seine Argumentationsfiguren sind keineswegs so leichtfüssig wie sie scheinen sondern wohlüberlegt und genau. Er nimmt die alten Fragen der Philosophie nämlich sehr sorgsam in die Hand und klopft sie darauf ab, welche interessante Frage dahinter steckt, die noch eine Lösung braucht und welche weniger interessante Frage darin die Lösung eher blockiert, weil sie zu weiteren Fragen führt, auf deren Lösung verzichtet werden kann. So ist seine pragmatische Ablehnung der Metaphysik keine Widerlegung, sondern eher ein gewisser Unwillen sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, weil die Lösung dieser Fragen, selbst wenn sie gelänge, keinen Beitrag leistet. Am Beispiel der Armut in der Welt: die Philosophie hat die Frage selten so gestellt, eher wurde vom Glück und der Gerechtigkeit usw gesprochen. Rorty stellt hartnäckig die Frage, "was schlägst du mit deiner Philosophie vor zur Lösung des Problems?" Sollten ideologische Antworten auftauchen so widerlegt er sie nicht, er hört nicht auf zu fragen was zu tun sei und ob diese Verweise auf eine mögliche Vertröstung in die Zukunft, wie sie dann häufig stattfinden, denn etwas zur Besserung beitragen. So etwa geht er mit der US-amerikanischen Linken sehr hart ins Gericht (wohl weil er irgendwie auch zu ihr gehört und sie gut kennt), die anstatt die Welt zu verbessern kleine Inseln in Universitäten erobert und dort ihre Gärtchen pflegt.
In diesem Buch finden sich lange Abschnitte die sich mit schwierigen Fragen realpolitischer Entwicklungen unserer Zeit beschäftigen und dabei doch philosophische Texte bleiben. Seine Beschäftigung mit dem Konflikt in Ex-Jugoslawien hat mich bewegt und wird mir lange im Gedächtnis bleiben.
Je länger ich Rorty lese umso mehr bekomme ich den Eindruck, dass hier große Intelligenz und eine gewisse Frechheit eine gute Verbindung eingehen. Große Empfehlung meinerseits!