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61 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein spannender Dialog über Wahrheit, Realität, Erkenntnis..., 6. Juni 1999
Von Ein Kunde
Eigentlich sollte es ein Interwiev aus Anlaß eines Weltkongresses für soziale Psychatrie für das Hamburger Sonntagsblatt werden. Was als Interview begann endete als spannendes Zwiegespräch zwischen dem Physiker und Konstruktivisten Heinz von Foerster und dem Biologen und Journalisten Bernhard Pörksen. Diese Entstehungsgeschichte ist symptomatisch für Heinz von Foerster: er beginnt zu denken ohne von Vornherein auf das Ergebnis fixiert zu sein. Manchmal hört er auch mittendrin auf und überläßt es dem Leser, diese Gedanken fortzuführen. Es begegnet hier einem ein Mann, der Spaß hat am Denken. Er fordert auch dazu auf, es ihm gleich zu tun und auch noch Freude daran zu haben. Die Ergebnisse des Denkens sind in keiner Weise vorgegeben, man kann sich also selbst sein Ergebnis "zurechtdenken". Ist es wirklich das, was wir meinen zu sehen, zu riechen und zu schmecken, was "da draußen" ist? Gibt es die vermeintliche Realität überhaupt, wenn es möglich ist, den Geschmack von Essig, zu erzeugen, indem die Geschmacksnerven mit Elektrizität gereizt werden oder wenn es möglich ist, durch die Reizung des Sehnervs mit Essigsäure einen farbigen Lichtklecks hervorzurufen? Ein Buch für alle, die gerne (eigenständig) denken und Spaß daran haben. Es sollte Pflichtlektüre für Lehrer sein, die erfahren möchten, warum Wissen sich nicht vermitteln läßt. Es ist kein Buch für jemanden, der auf der Suche nach Wahrheit ist, denn die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.
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49 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Immer wieder..., 23. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker (Taschenbuch)
...habe ich dieses Buch gelesen...und immer neue Facetten entdeckt. Von Foerster ist ein tiefer und liebenswürdiger Denker und immer wieder verblüffend konsequent in seiner Ablehung der Ontologie, des Verweises auf eine objektive Welt. Die Welt wird "erfunden", "konstruiert" aus dem, was unsere Sinne uns mitteilen. Das Vorhandensein irgendwelcher eigenschaftsbehafteten Gegenstände kann nicht vorausgesetzt und mit den Sinnesempfindungen verglichen werden, weil dieses erst aus letzteren geschlossen wird. Die Vielfalt der Welt ist als Eigenschaft der Sinne und der Verarbeitung der Sinneseindrücke bereits "eingebaut" und lässt sich mit den "tatsächlichen" Gegebenheiten nicht ins Verhältnis setzen. Eine klassische konstruktivistische Argumentation, obwohl sich von Foerster dieses Etikett nicht umgehängt hat und auch eine Systematisierung seiner Philosophie vermieden hat. "Realität" wird als Referenzsystem für diese Konstruktion nicht vorgefunden, sondern erst "gesetzt". Diese Welt ist jedoch nicht rein subjektivistisch oder solipsistisch (Solipsimsus = "nur ich existiere, alles andere ist Einbildung"), sondern stellt ein beliebig flexibles Bezugssystem für ein soziales Miteinander dar, das man in eigener Verantwortung ganz frei entwirft. Indem Foerster keine Referenzen auf ein "so ist es nun mal" duldet, übergibt er dem Individuum die volle Verantwortung für die Welt, in der es lebt, ähnlich wie im Existenzialismus aber mit wesentlich mehr Humor und ohne den moralischen Zeigefinger.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grenzen unseres Erkenntnisvermögens, 14. August 2011
In diesem Werk wird den Lesern das konstruktivistische Denken nicht auf trockene wissenschaftliche Art und Weise, sondern in Form eines Gesprächs vermittelt. Ursprung ist ein Interview, welches Bernhard Pörksen mit Heinz von Foerster 1998 geführt hat. Aus diesem Interview entwickelte sich ein fruchtbares Gespräch, welches als Buch veröffentlicht wurde. Die Gesprächsform erweist sich als geeignetes Stilmittel zur Wissensvermittlung. Gleich im ersten von fünf Kapiteln "Bilder des Wirklichen" geht es um Wahrnehmung, Objektivität und Wahrheit. Unsere Sinne liefern keine naturgetreue Abbildung der Natur. Aber diese Erkenntnis ist nicht neu und gilt nicht nur für den Konstruktivismus, sondern auch für die evolutionäre Erkenntnistheorie. Diese lehnt Heinz von Foerster ab, da sie impliziert, dass es im Laufe der Evolution eine Annäherung an die wirkliche Welt, also an das "Ding an sich" (im Sinne von Kant), gibt. Für eine Ontologie ist im Konstruktivismus kein Platz. Interviewer Pörksen versucht Heinz von Foerster darauf einzugrenzen, wo denn seine Position liegt zwischen den Extremen "naiver Realismus" und "Solipsismus", aber von Foerster lehnt (aus gutem Grund) Kategorisierungen ab. Im Sinne der evolutionären Erkenntnistheorie haben realitätsferne Entwicklungen keine Chance zu überleben, da sie durch Selektion aussterben. Im Konstruktivismus müssten auch "realitätsferne" Konstruktionen überleben können. Wenn man bei Rot über die Ampel geht, wird man überfahren, egal welches Konstrukt dem Subjekt zugrunde liegt. Das konstruktivistische Denken offenbart damit Schwächen, die in dem Buch nicht hinreichend behandelt werden. Auch der Konstruktivismus muss sich hinsichtlich des Erkennens auf neurophysiologische Vorgänge beziehen, die aber im Sinne des Konstruktivismus selbst wieder Konstrukte sein müssten. Der Bezug zu den Beobachtungen des Physiologen Johannes Müller auf den ersten Seiten des Buches dürfte so gesehen als Stütze für den Konstruktivismus gar nicht herangezogen werden. In "Perspektiven der Praxis" erläutert von Foerster Beispiele aus seiner Arbeit mit Schülern und Studenten, in denen die Vorzüge einer subjektiven konstruktivistischen Sicht deutlich werden. Lernende sind im Sinne seiner Definition "nichttriviale Maschinen", die in ihrem Lernverhalten komplexer und auch kreativer sind, als manch einem Lehrenden bewusst ist. Unter Kybernetik versteht man im Allgemeinen die Wissenschaft von der Steuerung von Maschinen, Organismen und sozialen Organisationen. Zirkuläre Kausalität ist ein kybernetisches Prinzip. Angewandt auf das Erkennen werden die Konturen einer Kybernetik der Kybernetik sichtbar. "Man lernt sich als Teil der Welt zu verstehen, die man beobachten will", so von Foerster. Heinz von Foerster ist ein angenehmer Gesprächspartner, da er undogmatisch ist. Er bemüht sich, nicht in Fallen zu tappen, indem er sich nicht festlegt. In diesem Buch sind nicht nur die Grundlagen, sondern für den aufmerksamen Leser auch die Grenzen des Konstruktivismus deutlich geworden.
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