Vor allem ist das ein kleines, schön gemachtes Buch mit vielen kleinen Bildern und Zeichnungen, die nur zu gut in die Welt von Sherlock Holmes und seines großen Widersachers Moriaty passen. Die vielen, kleinen Dokumente, Artefakte, Ideen, Karten sorgen beim Lesen für Atmosphäre. Und da es bei den Geschichten um Holmes nicht zuletzt um das Erleben einer guten, alten Zeit ohne Automobile und Fernsprecher geht, ist das schon ein gelungenes Buch. Auch dass dieses Buch eine zumindest gute Kenntnis der Geschichten von Arthur Conan Dyole voraussetzt, an einigen Stellen auch der Kenntnis von dessen Biographie, mag man verschmerzen. Erstens gibt es schließlich auf der Welt genug Fans, die diese Voraussetzungen spielend erfüllen. Und zweitens gibt es ja noch die kleinen Helfer im Internet, die einem beim Aufspüren der Hintergründe sehr helfen können.
Was mich dagegen eher ein wenig enttäuscht hat, sind die Texte um die schöne Machart des Buches herum. Aus der Sicht von Moriaty wird hier erzählt, und natürlich war dieser in deutlich mehr Ereignisse im Leben von Holmes involviert, als Dr. Watson das in seinen Geschichten vermerkt hat. Doch dieser Moriaty ist leider doch etwas überzeichnet geraten. Nicht genial, sondern eher selbstverliebt kommt er mir vor. Und insgesamt muss man dem Buch auch eine Neigung zu Kalauern attestieren, die dem Original eben doch fremd ist. Und wechseln sich im Buch gelungene Ideen mit eher fragwürdigen ab.
Am Schluss bleiben dann ein paar wesentliche Fragen noch offen. Dies ist dann aber wieder eine gute Idee, denn sie bringt den Leser etwas zum Nachdenken, über das, was alles hätte noch sein können. So habe ich den Kauf des Buches dann doch nicht bereut, auch wenn es eher ein Buch für Sammler als eines für Jäger ist. Und über diesen letzten Satz darf sich dann auch der Leser dieser Rezension so seine Gedanken machen, denn auch ich muss nicht alles bis zum Ende erläutern.