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WahnsinnsFrauen: Erster Band (suhrkamp taschenbuch)
 
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WahnsinnsFrauen: Erster Band (suhrkamp taschenbuch) [Broschiert]

Sibylle Duda , Luise F. Pusch
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.




Produktinformation

  • Broschiert: 364 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 7 (30. November 1992)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518383760
  • ISBN-13: 978-3518383766
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 10,8 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 57.814 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

In den hier vorliegenden biographischen Porträts von Frauen, die einerseits hochbegabt und schöpferisch, andererseits in unterschiedlicher Weise "wahnsinnig" waren, versuchen die Autorinnen, die Ursachen und Bedin gungen dieses "Wahnsinns" zu analysieren.

Über den Autor

Luise F. Pusch, geb. 1944, Professorin für Sprachwissenschaft und freie Publizistin.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
40 von 42 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Frauenliteratur 26. Mai 2003
"Wahnsinnsfrauen" ist eine Sammlung von Essays, die sich in Form von Kurzbiografien mit dem Thema des Leidens von Frauen im und unter dem Patriarchat auseinandersetzen. Namhafte Autorinnen und Professorinnen berichten in den, teilweise sehr gut recherchierten, Texten über (berühmte) Frauen, die durch männliche Dominanz und Ignoranz krank und "verrückt" geworden sind oder dazu erklärt wurden. Frauen wie Jeanne d'Arc, Camille Claudel oder Virginia Woolf wurden systhematisch unterdrückt und klein gemacht, als sie die ihnen zugedachte weibliche Rolle nicht ausfüllen wollten oder aufgrund ihrer Persönlichkeit nicht konnten. Hochbegabte, sensible und eigensinnige Frauen, die mehr wollten als Hausfrau, Mutter und schweigend zierendes Beiwerk eines Mannes zu sein und sich deshalb aktiv wehrten, erklärte man(n) für unnormal und verrückt. Sie wurden mit Gewalt in ihre Rolle gepresst, unter Arrest gehalten, in Anstalten vergessen oder mit bestialischen Methoden gequält, um den vermeintlichen Irrsinn aus zu treiben. Oft bewirkten gerade diese Maßnahmen, dass die Frauen Anzeichen pathologischen Wahnsinns entwickelten und Flucht in der Krankheit suchten (um auf diese Weise gegen das Patriarchat und die Frauenrolle zu protestieren).
Der Band ist empfehlenswert und hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Er gibt einen umfassenden Überblick über den Wandel der "Unterdrückung" im Laufe der Zeit und lässt tief in die Einzelschicksale und Biografien der Frauen blicken. Als störend empfand ich den teilweise stark variierenden Erzähl- und Schreibstil der einzelnen Autorinnen. Oft stört die etwas zu feministische und deshalb einseitige und nicht ausreichend objektive Erzählweise - ich hätte es mir bei diesem sensiblen Thema etwas weniger aggressiv und deshalb seriöser gewünscht.
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich möchte dieses Buch an intelligente Menschen empfehlen und für andere, die einfach die Leute stigmatisieren, vielleicht kann dieses Buch den Geist öffnen.
In das Buch habe ich gefunden genau was ist gesucht habe. Viele Leute nennen einfach "wahnsinnig" was sie nicht verstehen können, andere Realitäten...
Lesen Sie dieses Buch, Sie werden viel lernen...
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
(Virginia Woolf in ihrem Abschiesbrief an ihren Mann)

Frauen, die durch Repressionen so weit an den Rand gedrückt werden, dass sie aufgeben und verzweifeln, in den Wahnsinn bzw. die Sucht gehen oder sich gar das Leben nehmen. In diesen zutiefst zu Herzen gehenden biografischen Skizzen erfährt man etwas über die Psychologie der Magersucht, über lebenslange Depressionen, die im 2. Weltkrieg beispielsweise im Selbstmord enden u.v.m.

Warum Virginia Woolf und wie sie Selbstmord beging: ein fataler Nachmittag, an dem der Gatte sie bat, der Putzfrau zu helfen. Nicht weil sie dies nicht wollte, sondern wegen einer tiefen Depression, die zum fatalen Lebensende führte. Sie ging in das Gartenhaus, schrieb zwei Abschiedsbrief, ging an den nahe gelegenen Fluss (auf dem Land, Rodmell, nahe Brighton an der Südküste Englands) und steckte sich einige Steine in den Mantel, ging ins Wasser. Drei Wochen später wurde ihre Leiche gefunden und der Untersuchungsrichter formulierte: "Die 59-jährige hat Selbstmord begangen, weil ihr geistiges Gleichgewicht gestört war."

Was hatte dieses geistige Gleichgewicht so sehr bedroht? Der Krieg möglicherweise und permanente Überflüge von deutschen Bombern, das einsame Landleben ohne Gesellschaften, ohne Austausch und Gespräche, die sie von London her gewohnt war. Sie vermisste die Atmosphäre Londons sehr. Zudem rechnete man 1941 stündlich mit der deutschen Invasion, mit fatalen Folgen für ihren jüdischen Mann Leonard. Schon im Mai 1940 war man entschlossen, sich gemeinsam mit Autoabgasen zu töten, wenn Hitler käme. Später war Morphium vorgesehen. Es war also eine trübe, traurige Zeit, in der sich Virginia Woolf zudem von ihren Kritikern verfolgt sah und das Verhältnis zu ihrem Vater (Hass-Liebe) aufarbeiten wollte. Dieser hatte wohl zu hohe emotionale Forderungen gestellt, denen sie sich nicht gewachsen sah.

Welch dramatischen Wege Lebenslinien nehmen können, wie sie sich verdichten und im Dunkel enden, zeigt dieses Buch beeindruckend. Virginia Woolf ist eine bekannte Vertreterin, die anderen (von Johanna der Wahnsinnigen (1479-1555) bis Irmgard Keun (1905-1982)) sind weniger geläufig, aber in ihrer Entwicklung nicht weniger spannend zu lesen. "Einige in diesem Buch versammelten Frauenbiographien zeigen offenkundig, wie das Patriarchat handelt oder reagiert, wenn es gilt, die Komplexität weiblicher Kreativität oder weiblichen Genies zu reduzieren und zu vernichten." Selbstbewusste und ichstarke Frauen wurden früher als Bedrohung empfunden und ins Irrenhaus gesteckt.

Heute bedient man sich dazu feinerer, aber nichts desto weniger effizienter Methoden. Auch heute werden die Frauenleiden unterdrückt, negiert oder mit Psychopharmaka behandelt, der Wahnsinn ist nur ein gradueller, er ist nach wie vor da und kann mit diesem Buch in der Retro-Perspektive auf eine direktere Art und Weise nachvollzogen werden. "Pathologisierung weiblicher Leiden ist eine Strategie des Patriarchats, Frauen einander zu entfremden, Verbündete zu vereinzeln und zu isolieren, um sie desto besser unter Kontrolle zu haben. Das Patriarchat macht sich auf diese Weise selbst unangreifbar gegenüber Kritik und Veränderung." Auch heute noch reden Intellektuelle von Frauen als Hexen!

Ich habe in diesem Buch gelernt, dass wahnsinnige Frauen nichts anderes sind als eine Offenbarung von kreativem, phantasievollem Potential. Wir alle haben die Verpflichtung, dieses erlebte, wahnsinnige Leiden heute in geschlechtsübergreifender Art und Weise liebevoll zu erkennen und es für die Zukunft auszuschließen. Dazu gehören alle größeren und kleineren Kriege, im internationalen aber auch im ganz privaten Sinne. Ein kluges, empfehlenswertes Buch.
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